Morbus Menière: Diagnose

Der Arzt erkundigt sich nach den Symptomen. Sie lenken den Verdacht oft schon auf die Menière-Krankheit. Untersuchungen wie Hörtests oder Hirnaufnahmen ergänzen die Diagnostik

aktualisiert am 29.03.2017
Herr Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Wustrow

Professor Wustrow, beratender Experte zu diesem Beitrag


Wer an Symptomen wie plötzlichem Schwindel, Ohrensausen oder Schwerhörigkeit leidet, sollte zügig einen Arzt aufsuchen. Nicht immer muss die Diagnose Morbus Menière lauten. Zahlreiche andere Ursachen kommen infrage.

Erster Ansprechpartner ist eventuell der Hausarzt. Bei Verdacht auf eine Menière-Krankheit wird er zum Spezialisten überweisen, üblicherweise dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt).

Arzt-Gespräch

Der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden des Patienten, nach seiner Krankengeschichte und Erkrankungen in der Familie. Kamen in der Verwandtschaft bereits Fälle von Morbus Menière vor, ist das ein zusätzliches Indiz, dass es sich um die Innenohrkrankheit handeln könnte.

Untersuchung der Ohren

Um andere Ursachen wie Verletzungen oder Infektionen auszuschließen, wird der Arzt die Ohren des Patienten mit einem Ohrenspiegel und einem Untersuchungsmikroskop gründlich untersuchen.

Hörprüfung, Gleichgewichtsprüfung, weitere Tests

Desweiteren ist eine Hörprüfung (Audiogramm) angezeigt. Hörtests helfen, die Hörfähigkeit des Patienten zu ermitteln. Meistens finden sie erst statt, wenn der akute Schwindelanfall abgeklungen ist.

Zum Beispiel werden dem Betroffenen per Kopfhörer verschiedene Töne eingespielt. Der Patient gibt Bescheid, sobald er den Ton wahrnehmen kann. Dieses Tonaudiogramm ergibt bei Morbus Menière im typischen Fall eine Schwerhörigkeit, meistens im Bereich tiefer Frequenzen und nur auf einem Ohr.

Auch die Tympanometrie und die Messung otoakustischer Emissionen (OAE) liefern Informationen zum Ort der Schädigung. Dazu wird eine Sonde im Gehörgang platziert, die Schallreize ins Ohr schickt. Sie registriert gleichzeitig den Schall, der vom Trommelfell reflektiert oder vom Innenohr ausgesendet wird. Die Messergebnisse lassen Rückschlüsse zu, ob das Innenohr erkrankt ist. Mit Hilfe der Hirnstamm-Audiometrie überprüft der Arzt, ob Nerven und Hirnregionen die Höreindrücke richtig verarbeiten.

Um die Funktion des Gleichgewichtsorgans zu testen, untersucht der Arzt zum Beispiel die Augenbewegungen des Patienten unter verschiedenen Bedingungen (in Ruhe, nach Änderung der Lage, nach Spülung des Gehörgangs mit kaltem und warmem Wasser). Koordinationstests ergänzen die Gleichgewichtsprüfung.

Bildgebende Untersuchungen

Es kann sinnvoll sein, bildgebende Verfahren wie eine Magnet-Resonanz-Tomografie oder Computertomografie vorzunehmen. Mit ihrer Hilfe lassen sich zum Beispiel Gehirntumoren wie das gutartige Akustikusneurinom als Ursache der Krankheitssymptome ausschließen.