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Noroviren-Infektion: Ansteckung, Symptome, Behandlung

Durchfall, Erbrechen und Übelkeit sind typische Symptome einer Magen-Darm-Infektion durch Noroviren. Was dann hilft und wie man einer Ansteckung vorbeugt

von Dr. Irmela Manus (Redaktion), aktualisiert am 09.05.2019
Norovirus

Noroviren (blau) unter dem Elektronenmikroskop


Kurz zusammengefasst: Was sind Noroviren?

Noroviren verursachen eine Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis, Magen-Darm-Grippe). Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Die Erreger sind hoch ansteckend. Deshalb verbreiteten sie sich besonders leicht, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen kommen – zum Beispiel in Kindergärten, Schulen, Kliniken und Altenheimen.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Norovirus-Infektion dauert es manchmal nur wenige Stunden. Die Krankheit ist unangenehm, aber nur selten lebensgefährlich. Wichtig ist, verlorene Flüssigkeit und Mineralstoffe zu ersetzen. Meist ist der Brechdurchfall nach wenigen Tagen vorüber. Bei Kindern, älteren oder geschwächten Menschen kann es aber auch Komplikationen geben. Medikamente oder eine Impfung gegen die Noroviren gibt es nicht. Die beste Vorbeugung ist eine gute Hygiene.

Ansteckung: Wie wird das Norovirus übertragen?

Noroviren sind weltweit verbreitet und relativ widerstandsfähig: Sie überleben teilweise Tage lang auf Gegenständen wie Handtüchern, Türklinken, Wasserhähnen oder Toilettensitzen und -spülungen. In Lebensmitteln können sie – auch gekühlt oder sauer eingelegt – gut überdauern. Selbst Temperaturen bis +60 Grad Celsius überstehen sie für mehrere Minuten.

Schon weniger als 10 Noroviren können krank machen. Meistens schnappt man die Erreger beim direkten Kontakt von Mensch zu Mensch auf, etwa beim Händeschütteln. Von der Hand gelangen die Viren dann leicht in den Mund. Auch über verunreinigte Gegenstände oder Speisen wie zum Beispiel Salate, Beeren, rohe Muscheln oder verunreinigte Getränke kann man sich infizieren.

Kranke scheiden die Erreger in großer Zahl mit dem Erbrochenen und über den Stuhl aus, letzteres eventuell schon, bevor Symptome auftreten. Direkt beim Erbrechen können Noroviren außerdem eingeschlossen in winzigen Tröpfchen ein Stück weit über die Luft verbreitet werden.

Die Erkrankungsfälle häufen sich oft in den Wintermonaten. Niedrigere Temperaturen, Regen und geringe bis mäßige Luftfeuchte, wie sie im Winter vorkommen, begünstigen die Wahrscheinlichkeit von Ausbrüchen. Als Ursachen vermuten Forscher eine bessere Stabilität der Viren, mehr zwischenmenschliche Kontakte und eine schlechtere Abwehrlage.

Inkubationszeit: Wann bricht die Krankheit aus?

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen beträgt normalerweise einige Stunden bis etwa zwei Tage nach der Infektion.

Welche Symptome deuten auf eine Noroviren-Infektion hin?

Die Krankheit beginnt meistens sehr plötzlich mit Übelkeit, starkem Erbrechen, Bauchkrämpfen und Durchfall. Die Betroffenen fühlen sich elend, matt und schwindelig. Leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind häufige Begleitsymptome.

Die Infektion kann unterschiedlich verlaufen. In der Regel klingt die akute Phase schon zwei bis drei Tage später wieder ab. Je nach Konstitution des Patienten zieht sie sich länger hin oder verursacht nur leichte Beschwerden. Normalerweise heilt die Erkrankung folgenlos wieder aus.

Ist eine Noroviren-Infektion gefährlich?

Durch Erbrechen und Durchfall verliert der Organismus viel Flüssigkeit und Salze. Sie müssen ersetzt werden. Gefährlich wird der Flüssigkeitsverlust vor allem für Kinder und ältere oder geschwächte Menschen. Sie können schnell und lebensbedrohlich austrocknen.

Im Zweifel sollte lieber zu früh als zu spät ein Arzt zurate gezogen werden. Er kann die fehlende Flüssigkeit notfalls über einen Tropf zuführen. In schweren Fällen wird ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Diagnose: Wie wird eine Noroviren-Infektion festgestellt?

Häufig kann die Diagnose aufgrund des typischen Verlaufs und der Symptome vermutet werden. Im Zweifel wird eine Stuhlprobe des Patienten auf Krankheitserreger untersucht. Da dies etwas dauern kann, ist es wichtig, Hygienemaßnahmen schon bei dringendem Verdacht zu beginnen, um keine Zeit zu verlieren.

Werden Noroviren nachgewiesen, besteht nach dem Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altenheime müssen auch melden, wenn sich akute Magen-Darm-Infektionen häufen.

Behandlung: Was kann man bei einer Noroviren-Infektion tun?

Ein spezifisches Mittel gegen den Erreger existiert nicht. Es lassen sich nur die Beschwerden lindern.

Bei einer Noroviren-Infektion ist es vor allem wichtig, die verloren gegangene Flüssigkeit zu ersetzen. Betroffene sollten also ausreichend trinken. Denn Durchfall und Erbrechen entziehen dem Körper reichlich Wasser und Salze (Elektrolyte).

Geeignet sind zum Beispiel:

  • Spezielle Elektrolyt-Mischungen aus der Apotheke. Sie werden mit Wasser angerührt und ersetzen Salz und Flüssigkeit in optimaler Konzentration.
  • Verdünnte Säfte
  • Brühe
  • Tee mit etwas Zucker und Salz

Trotz Übelkeit sollten die Erkrankten versuchen, auch ein wenig zu essen – am besten leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Zwieback oder Weißbrot. Die angegriffene Darmschleimhaut kann sich dann besser wieder erholen.

Noroviren-Infektion: Wie lange ist man ansteckend?

Auch wenn sich die Symptome wieder gelegt haben, besteht noch mindestens zwei Tage lang Ansteckungsgefahr. Auch danach ist für zwei Wochen noch konsequente Hände- und Toilettenhygiene wichtig. Denn im Stuhl bleiben die Viren bis zu zwei Wochen nach der Infektion nachweisbar, in manchen Fällen sogar länger.

Damit sich die Krankheit in Gemeinschaftseinrichtungen nicht ausbreitet, gelten strikte Hygienevorschriften und die folgenden Regeln:

  • Menschen, die beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, müssen bis mindestens zwei Tage nach Abklingen der Symptome vom Dienst freigestellt werden, da sie sonst Nahrungsmittel kontaminieren, und zur Quelle von Ausbrüchen werden können. Sie müssen zudem vier bis sechs Wochen lang besonderes Augenmerk auf die Hände- und Toilettenhygiene legen.
  • Kinder unter sechs Jahren dürfen erst dann wieder in den Kindergarten oder die Kinderkrippe, wenn sie zwei Tage beschwerdefrei waren. Ein ärztliches Attest ist nicht erforderlich, aber auch hier sollte weiter auf die Hygiene geachtet werden.
  • Menschen, die in Gesundheits- oder Gemeinschaftseinrichtungen beschäftigt sind, sollen frühestens zwei Tage nach Abklingen der Beschwerden wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Auch hier gilt oben Gesagtes zur Hygiene.

Wie kann man einer Noroviren-Infektion vorbeugen?

Eine Norovirus-Infektion führt nicht zu einer relevanten Immunität. Wer die Erkrankung überstanden hat, kann sich also erneut anstecken. Ähnlich wie Grippeerreger sind Noroviren äußerst wandlungsfähig. Es gibt sie in zahlreichen Varianten.

Hygieneregeln: So lässt sich das Ansteckungsrisiko senken

 

  • Waschen Sie Ihre Hände immer gründlich mit Seife nach jedem Toilettenbesuch, vor dem Essen und bevor Sie den Mund berühren (bei Rauchern: auch vor dem Rauchen), vor allem in öffentlichen Einrichtungen. Hier im Video erfahren Sie, wie Sie Ihre Hände richtig waschen
  • Säubern Sie Lebensmittel wie Obst und Salat sorgfältig, insbesondere dann, wenn sie roh gegessen werden
  • Garen Sie Lebensmittel gründlich durch
  • Wer das Virus aufgeschnappt hat, sollte den Kontakt zu Anderen für einige Tage (mindestens zwei Tage nach Ende der akuten Phase) auf ein Minimum reduzieren
  • Schon bei Verdacht auf eine Norovirusinfektion sollten Sie strikt Abstand zu Kranken und Abwehrgeschwächten halten. Um eine Übertragung auf andere zu vermeiden, sollten sich Beschäftige in Medizin und Nahrungsmittelbranche vom Arzt beraten lassen. Eventuell dürfen sie laut Infektionsschutzgesetz ihre Tätigkeit vorübergehend nicht ausüben
  • Kranke sollten unbedingt eigene Handtücher und Körperpflegeartikel, und – sofern machbar – eine eigene Toilette benutzen. Geschirr sollte im Intensivprogramm im Geschirrspüler gesäubert oder nach dem Spülen überbrüht werden
  • Wenn Sie einen Erkrankten pflegen, sollten Sie besonderes Augenmerk auf ihre Händehygiene legen, insbesondere wenn sie mit Erbrochenem oder Stuhl in Berührung kamen. Händewaschen ist aufgrund der hohen Zahl der ausgeschiedenen Erreger und der großen Infektiosität nur bedingt wirksam. Am besten ist es, eine Verschmutzung der Hände zu verhindern, indem Sie Einmalhandschuhe tragen (Hände hinterher trotzdem waschen!) oder/und sich aus der Apotheke ein gegen Noroviren wirksames Händedesinfektionsmittel besorgen. Fragen Sie nach einem Händedesinfektionsmittel, welches den Wirkbereich "begrenzt viruzid plus" oder "viruzid" besitzt – damit erfassen Sie nicht nur Noroviren, sondern auch viele andere Durchfallerreger
  • Putzen Sie kontaminierte Flächen am besten mit Einwegtüchern, die Sie anschließend entsorgen. Günstig ist in diesem Fall die Verwendung eines desinfizierenden Reinigers, zum Beispiel auf Chlor- oder Sauerstoffbasis
  • Bei mindestens 60 Grad Celsius sollten Sie – wenn möglich – Bettzeug, Handtücher und Kleidung des Erkrankten waschen. Gleiches gilt für Kleidung, welche Sie bei der Pflege von Erkrankten tragen. Praktisch ist eine Baumwollschürze zum Schutz der Kleidung. Für empfindliche Kleidung bietet sich die Zugabe von desinfizierenden Zusätzen (Bleichen) an, welche die Reinigung schon bei niedrigeren Temperaturen unterstützen

Die Empfehlungen gelten auch dann noch eine Weile, wenn sich der Betroffene wieder gut fühlt, denn er scheidet noch zwei Wochen Noroviren über den Stuhl aus.

Experten raten, die Krankheit ernst zu nehmen. Denn sie provoziert etliche Arbeitsausfälle und damit auch Kosten. Für Kleinkinder und alte Menschen kann sie tatsächlich bedrohlich werden. Auch bei jungen, gesunden Menschen kann eine ärztliche Behandlung nötig werden. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Norovirus-Infektion zu sterben, insgesamt gering: Sie liegt bei etwa 0,1 Prozent aller Fälle.

Dr. med. Nils-Olaf Hübner

Beratender Experte

Professor Dr. med. Nils-Olaf Hübner, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, ist leitender Krankenhaushygieniker der Universitätsmedizin Greifswald. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und Mitglied weiterer Fachgesellschaften und Gremien. Im Rahmen von "AHOI-Patient im Boot" erforscht er mit seinem Team die aktive Einbindung der Patienten, Pflegebedürftigen und Angehörigen in die Infektionsprävention.

Quellen:

Robert Koch-Institut: Norovirus-Gastroenteritis, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Noroviren.html (abgerufen 29.03.2019)

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Noroviren, https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/hygiene/viren/noroviren.htm (abgerufen 29.03.2019)

Lindsay et al.: "A decade of norovirus disease risk among older adults in upper-middle and high income countries: a systematic review", BMC Infect Dis 2015

Shamkhali Chenar S, Deng Z.: "Environmental indicators for human norovirus outbreaks", Int J Environ Health Res. 2017;27(1):40–51.

Lopman B et al.: "Environmental transmission of norovirus gastroenteritis", Curr Opin Virol. 2012;2(1):96–102.  

Desai R et al.: "Severe Outcomes Are Associated With Genogroup 2 Genotype 4 Norovirus Outbreaks: A Systematic Literature Review", Clin Infect Dis. 2012;55(2):189–93.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.