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Nierenversagen: Diagnose

Bei einem Patienten mit Nierenversagen muss zunächst geklärt werden, ob ein akutes oder ein chronisches Nierenversagen vorliegt

aktualisiert am 09.07.2014
Blutproben

Blutwerte geben Aufschluss über die Nierenfunktion. Aussagekräftig sind vor allem Kreatinin und Harnstoff


Das akute Nierenversagen ist oft einfacher zu diagnostizieren ist als das chronische. Denn die Symptome – wie das Ausbleiben des Urins – stehen meist im direkten zeitlichen Zusammenhang mit dem Auslöser der Erkrankung.

Besteht der Verdacht auf Nierenversagen oder eine chronische Nierenschwäche sind folgende Untersuchungen wichtig:

Arzt-Patienten-Gespräch

Häufig besteht ein zeitlicher Zusammenhang des akuten Nierenversagens zu einer vorausgegangenen Operation oder einem Kreislaufschock beispielsweise durch einen Unfall mit Blutverlust. Der Arzt forscht zudem nach Medikamenten und anderen Ursachen, die das Nierenversagen ausgelöst haben könnten. Bei der chronischen Niereninsuffizienz wird er nach den zahlreichen Symptomen fragen, die möglicherweise Zeichen einer nachlassenden Nierenfunktion sind sowie nach Krankheiten, die eine Nierenschwäche zur Folge haben können.

Körperliche Untersuchung

Eine fahle, schmutzig-graue Hautfarbe kann auf eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz hindeuten, eine blasse Haut auf eine Blutarmut und blaue Flecken auf Gerinnungsstörungen als mögliche Folge einer Nierenschwäche. Eindrückbare Schwellungen an den Augenlidern, Knöcheln oder Beiden, sogenannte Ödeme, können Ausdruck einer vermehrten Salz- und Wassereinlagerung in den Körper sein. Entzündliche Erkrankungen der Haut mit rötlich-bläulichen Verfärbungen können auf eine Erkrankung mehrerer Organsysteme einschließlich einer Nierenbeteiligung hinweisen. Auch ein charakteristischer Mundgeruch deutet manchmal auf die Krankheit hin.

Der Arzt misst Blutdruck und Puls. Er hört Herz und Lunge mit dem Stethoskop ab und achtet auf mögliche Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) als Zeichen einer Überwässerung des Körpers.

Das Gewicht wird beim akuten Nierenversagen täglich kontrolliert. Zudem wird protokolliert, wie viel Flüssigkeit dem Betroffenen zugeführt und wie viel ausgeschieden wird (Ein- und Ausfuhrkontrolle).

Blutuntersuchungen

Im Blut untersucht der Arzt in erster Linie die Werte Kreatinin und Harnstoff. Sie sind vor allem zur Verlaufskontrolle wichtig. Aus dem Kreatinin-Wert kann der Arzt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) errechnen. Sie gibt Aufschluss über die Nierenfunktion und erlaubt eine Stadieneinteilung.

Bedeutsam sind auch die Elektolyte (Salze) wie Natrium und Kalium, Calcium und Phosphat sowie Parameter des Säure-Basen-Haushalts (pH-Wert, Bikarbonat).

Im Blutbild kann ein verminderter Hämoglobin-Wert auf eine Blutarmut als Folge einer eingeschränkten Nierenfunktion hindeuten.

Beim Verdacht auf bestimmte Immunerkrankungen der Nieren veranlasst der Arzt entsprechende Spezialuntersuchungen im Blut.

Harnuntersuchungen

Die Untersuchung des Harn (Urin-Diagnostik) hilft, die Ursache der Nierenerkrankung weiter aufzuklären.

Die Untersuchung erfolgt zunächst per Teststreifen. Damit sind verschiedene Parameter messbar: Eiweiß, rote und weiße Blutkörperchen, Nitrit als Hinweis für einen Harnwegsinfekt, der Urin-pH-Wert, aber auch Glukose, Ketonkörper und Gallenfarbstoffe.

Wird beispielsweise Eiweiß im Urin ausgeschieden (Proteinurie), das normalerweise nicht im Urin enthalten sein sollte, so ist dies ein möglicher Hinweis auf eine Nierenschädigung.

Zur Untersuchung des Urinsediments wird der Urin zentrifugiert und der Bodensatz unter dem Mikroskop untersucht. Eintauchnährböden geben Aufschluss über eventuell vorhandene Bakterien im Urin als Ursache einer bakteriellen Entzündung.

Bei speziellen Fragestellungen werden auch noch andere Urinbestandteile analysiert, zum Beispiel das spezifische Gewicht und die Osmolalität (die "Teilchendichte") des Urins – beide nehmen bei eingeschränkter Nierenfunktion ab, da der Harn in der Niere nicht mehr ausreichend konzentriert werden kann.

Ultraschall-Untersuchungen

Mit einer Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) kann der Arzt Größe, Lage und Struktur der Nieren beurteilen. Große Nieren sprechen eher für ein akutes Nierenversagen, kleine Nieren ("Schrumpfnieren") sind eher typisch für ein chronisches Nierenleiden. Eine Erweiterung des Nierenbeckens durch Harnstau beispielsweise bei Harnleitersteinen ist gut zu erkennen.

Die Farbdoppler-Sonografie stellt den Blutfluss farblich dar. Mit ihrer Hilfe lässt sich beispielsweise eine Einengung oder ein Verschluss der Nierenarterien nachweisen.

Mit der Echokardiografie (Ultraschall-Untersuchung des Herzens) lassen sich die Herzgröße, die Pumpfunktion, die Herzklappen und der Herzbeutel beurteilen. Jahrelanger Bluthochdruck, wie er bei Nierenerkrankungen häufig vorkommt, kann zur Vergrößerung bestimmter Herzanteile führen. Vor allem bei der fortgeschrittenen chronischen Niereninsuffizienz interessiert auch, ob Wasseransammlungen im Herzbeutel vorhanden sind.

Weitere Untersuchungen

Röntgenbilder werden von Brustkorb mit Herz und Lunge angefertigt. Darauf kann der Arzt die Größe des Herzens und eventuelle Wasseransammlungen in der Lunge bei Nierenversagen beurteilen.

Bei Knochenbeschwerden sind Röntgenbilder der Knochen aufschlussreich. Insbesondere an den Fingern kann man bei der fortgeschrittenen chronischen Niereninsuffizienz charakteristische Veränderungen (sogenannte Loosersche Umbauzonen) nachweisen.

Eventuell entnimmt der Arzt unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe aus der Niere (Nierenbiopsie). Bei bestimmten entzündlichen Nierenerkrankungen lässt sich dadurch eine genaue Diagnose stellen – Grundlage für eine gezielte Therapie.