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Gesichtslähmung – Ursachen: Wucherungen und Tumore

Einige seltene Tumore können den Gesichtsnerv beeinträchtigen und so zu Gesichtslähmungen führen. Viele sind gutartig, etwa Akustikusneurinome oder meist auch Meningeome

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 19.12.2018
Mann im CT

Computertomografie: Der Kopf des Patienten liegt im Aufnahmegerät, das spezielle Röntgenbilder vom Gehirn und möglichen Tumoren liefert.


Akustikusneurinom als Ursache für eine Gesichtslähmung

Eine Geschwulst beziehungsweise ein Tumor entsteht durch wucherndes Gewebe. Mediziner sprechen dann häufig von einem "raumfordernden Prozess". Auch ein gutartiger Tumor, bei dem die wuchernden Zellen "abgekapselt" bleiben und sich nicht zerstörerisch ausbreiten, kann benachbarte Strukturen bedrängen. Das gutartige Akustikusneurinom, manchmal Vestibularisschwannom genannt, hat im Hüllgewebe des Hör- und Gleichgewichtsnerv seinen Ursprung. Es drückt zunächst auf den Hörnerv und breitet sich dann langsam im inneren Gehörgang aus.

Symptome: Hörverlust und Ohrgeräusche gehören zu den typischen Anfangssymptomen. Neben dem Trigeminusnerv kann der Tumor schließlich auch den Fazialisnerv einengen und eine einseitige periphere Gesichtslähmung hervorrufen. Mitunter geht der Tumor von anderen Hirnnerven aus, äußerst selten direkt vom Gesichtsnerv (Fazialisneurinom), so dass die Lähmungserscheinungen schon früher auftreten.

Erfahren Sie mehr zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Akustikusneurinom".

Paragangliom: Fazialislähmung möglich

Dieser seltene, meist gutartige Tumor entsteht unter anderem im Mittelohr und in Bereichen des Schläfenbeins (es sind verschiedene Lokalisationen im Körper bekannt) in hormonbildenden Zellen, die mit Blutgefäßen und Nervengruppen in Verbindung stehen.

Symptome: Erste Symptome können Hörprobleme und (pulssynchrone) Ohrgeräusche (Tinnitus) auf der erkrankten Seite sein. Je nachdem, in welche Richtung der Tumor sich ausbreitet, führt er zu Lähmungserscheinungen an unterschiedlichen Hirnnerven, so auch am Gesichtsnerv. Eine einseitige Fazialislähmung mit Stirnbeteiligung weist darauf hin.

Diagnose und Therapie: Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder der Neurologe stellt den Tumor mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und  Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) fest. Ebenso kann zusätzlich eine Darstellung unter Einsatz eines Kontrastmittels (Angiografie) oder eine nuklearmedizinische Untersuchung (Positronen-Emissions-Tomografie, kurz PET) sinnvoll sein.

Der Tumor wird operativ entfernt oder, was wegen der starken Durchblutung des Gewebes bei der Tumorlage im Kopfbereich tendenziell bevorzugt wird, mittels einer Strahlentherapie behandelt.

Speicheldrüsen-Tumore: Mitunter Auslöser für eine meist einseitige Gesichtslähmung

Tumore in der Ohrspeicheldrüse (Parotistumore) können gut- und bösartig sein, wobei die bösartigen Formen nur etwa ein Fünftel ausmachen. Insgesamt kommt Speicheldrüsenkrebs ziemlich selten vor. Die Tumore ziehen oft den Fazialisnerv in Mitleidenschaft.

Symptome: Ist der Gesichtsnerv mit betroffen, treten im Laufe der Tumorentwicklung auch periphere Gesichtslähmungen auf einer Seite auf. Selten entwickeln sich auf beiden Seiten Tumore. Typisch für Parotistumore sind zunächst sichtbare Knoten beziehungsweise Schwellungen unter dem Ohr, die schließlich die ganze Halsseite einnehmen können.

Diagnose und Therapie: Daignose und Therapie übernehmen meist Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, oft im Team mit Spezialisten für Kopf- und Halschirurgie, sogenannten Otoneurochirurgen, und/oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen. Aufschlussreich für die Diagnose sind neben den klinischen Befunden bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie, Computertomografie und Ultraschall sowie feingewebliche Untersuchungen im Labor, insbesondere nach Entfernung der Drüse. Danach wird die weitere Therapie festgelegt. Je nach Tumorart und Stadium kann zum Beispiel eine sich anschließende Strahlentherapie angezeigt sein (bei gutartigen Tumoren genügt im Allgemeinen deren Entfernung).

Ein wichtiges Ziel der Operateure ist es, bei dem Eingriff möglichst die Funktion des Fazialisnervs zu erhalten. Die Erfolgschancen hängen natürlich von der Ausdehnung des Tumors im Einzelfall ab. Das sogenannte Neuromonitoring leistet aber einen wichtigen Beitrag zu guten funktionellen Ergebnissen. Zudem wurden Techniken entwickelt, um den Nerv wiederaufzubauen.

Meningeom im Kleinhirnbrückenwinkel: Je nach Wachstum auch Lähmungen im Gesicht

Zwischen dem verlängerten Rückenmark, dem Hirnstamm und dem Kleinhirn befindet sich der Kleinhirnbrückenwinkel. Hier tritt der Gesichtsnerv aus, um dann gemeinsam mit dem Hör- und Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang im Felsenbein weiter zu verlaufen. Im Kleinhirnbrückenwinkel kann sich ein überwiegend gutartiger Typ eines Hirntumors bilden, ein Meningeom. Meistens wird die Diagnose bei Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren gestellt.

Symptome: Ein Meningeom wächst sehr langsam und kann zunächst Schwerhörigkeit und Schwindel auslösen. Bedrängt der Tumor später auch den Fazialis- und/oder Trigeminusnerv, können Lähmungserscheinungen und Schmerzen im Gesicht dazukommen.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose erfolgt mit bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanztomografie oder Computertomografie.

Meist entfernt ein Neurochirurg den Tumor operativ. Mitunter erfolgt vorher der Verschluss versorgender Blutgefäße (sogenannte Embolisation).
Eine Strahlentherapie kann in manchen Fällen zusätzlich nötig sein. Sehr kleine Meningeome, die (mutmaßlich absehbar) keine Probleme bereiten, können vorerst auch unter ärztlicher Beobachtung bleiben, da die Geschwulstart meist sehr langsam wächst.

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Meningeom".

Gesichtslähmungen als Folge von Krebserkrankungen

Tumoren im Schädelinneren können Druck auf das Nervengewebe ausüben, es bedrängen und /oder Schwellungen durch Flüssigkeitsansammlungen (Hirnödeme) verursachen (sogenannte raumfordernde Prozesse, siehe oben). Dann sind wiederum Druckschädigungen möglich. Die Veränderungen können auch Gehirnbereiche betreffen, die mit Funktionen des Fazialisnervs zusammenhängen. Neben unterschiedlichen Ausfällen treten dann zentrale oder periphere Gesichtsnervenlähmungen auf. Ein Hirnödem kann auch bei Schlaganfällen, Verletzungen und anderen Gehirnerkrankungen entstehen. Beispiele für Tumorerkrankungen im Schädelinneren:

- Hirnstammgliome sind bösartige Tumore, die häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auftreten.
Symptome
: Neben Schluckstörungen Gesichtschmerzen, Taubheitsgefühlen kommt es zu Muskelkrämpfen sowie einer peripheren Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung. Diese kann auch beidseitig auftreten.

Diagnose und Therapie
liegen hier wiederum in der Hand von Neurologen und Krebsmedizinern, auch solchen, die schwerpunktmäßig Kinder behandeln.

- Meningeosis carcinomatosa, Meningeosis leucaemica

Im Verlauf von Krebserkrankungen unterschiedlicher Körperorgane können sich Krebszellen über Blut- und Lymphbahnen unabhängig vom ursprünglichen Entstehungsort ausbreiten. Sie bilden Metastasen. Dabei befallen sie in manchen Fällen auch die Hirnhäute im Bereich des Hirnstamms.
Symptome
: Neben zahlreichen anderen Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Übelkeit und Erbrechen, Schluckstörungen sind dann ebenfalls Gesichtslähmungen möglich.