Gesichtslähmung – Ursache: Wucherungen und Tumore

Einige seltene Tumore können den Gesichtsnerv beeinträchtigen und so zu Gesichtslähmungen führen. Viele sind gutartig, etwa Akustikusneurinome oder meist auch Meningeome

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 10.11.2014

Computertomografie: Der Kopf des Patienten liegt im Aufnahmegerät, das spezielle Röntgenbilder vom Gehirn und möglichen Tumoren liefert.


Akustikusneurinom als Ursache für eine Gesichtslähmung

Eine Geschwulst beziehungsweise ein Tumor entsteht durch wucherndes Gewebe. Mediziner sprechen dann häufig von einem "raumfordernden Prozess". Auch ein gutartiger Tumor, bei dem die wuchernden Zellen "abgekapselt" bleiben und sich nicht zerstörerisch ausbreiten, kann benachbarte Strukturen bedrängen. Das gutartige Akustikusneurinom, manchmal Vestibularisschwannom genannt, hat im Hüllgewebe des Hör- und Gleichgewichtsnerv seinen Ursprung. Es drückt zunächst auf den Hörnerv und breitet sich dann langsam im inneren Gehörgang aus.

Symptome: Hörverlust und Tinnitus gehören zu den typischen Anfangssymptomen. Neben dem Trigeminusnerv kann der Tumor schließlich auch den Fazialisnerv einengen und eine einseitige periphere Gesichtslähmung hervorrufen. Sehr selten geht der Tumor direkt vom Gesichtsnerv aus (Fazialisneurinom), so dass die Lähmungserscheinungen schon früher auftreten.

Erfahren Sie mehr zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Akustikusneurinom".

Paragangliom: Fazialislähmung möglich

Dieser seltene, meist gutartige Tumor entsteht im Mittelohr und in Bereichen des Schläfenbeins in hormonbildenden Zellen, die mit Blutgefäßen und Nervengruppen in Verbindung stehen.

Symptome: Erste Symptome können Hörprobleme und Ohrgeräusche auf der erkrankten Seite sein. Je nachdem, in welche Richtung der Tumor sich ausbreitet, führt er zu Lähmungserscheinungen an unterschiedlichen Hirnnerven, so auch am Gesichtsnerv. Eine einseitige Fazialislähmung mit Stirnbeteiligung weist darauf hin.

Diagnose und Therapie: Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder der Neurologe stellt den Tumor mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) fest. Ebenso notwendig kann zusätzlich eine Röntgenaufnahme von Blutgefäßen unter Einsatz eines Kontrastmittels (Angiografie) oder eine nuklearmedizinische Untersuchung sein.

Der Tumor wird meist operativ entfernt.

Parotistumore: Mitunter Auslöser für eine meist einseitige Gesichtslähmung

Tumore in der Ohrspeicheldrüse können gut- und bösartig sein. Sie ziehen oft den Fazialisnerv in Mitleidenschaft.

Symptome: Ist der Gesichtsnervnerv mit betroffen, treten im Laufe der Tumorentwicklung auch periphere Gesichtslähmungen auf einer Seite auf. Selten entwickeln sich auf beiden Seiten Tumore. Typisch für Parotistumore sind zunächst sichtbare Knoten beziehungsweise Schwellungen unter dem Ohr, die schließlich die ganze Halsseite einnehmen können.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose stellen meist Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Spezialisten für Kopf- und Halschirurgie, sogenannte Otoneurochirurgen. Aufschlussreich sind unter anderem bildgebende Verfahren sowie feingewebliche Untersuchungen im Labor.

Die zuständigen Spezialisten entfernen in der Regel den Tumor und gegebenenfalls weitere befallene Bereiche. Ein wichtiges Ziel der Operateure ist es, dabei möglichst die Funktion des Fazialisnervs zu erhalten. Bei bösartigen Formen arbeiten Mediziner mehrerer Fachrichtungen zusammen. Je nach Tumorart und Stadium ist häufig eine anschließende Strahlentherapie beziehungsweise Radiochemotherapie (eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie) angezeigt.

Meningeom im Kleinhirnbrückenwinkel: Je nach Wachstum auch Lähmungen im Gesicht

Zwischen dem verlängerten Rückenmark, dem Hirnstamm und dem Kleinhirn befindet sich der Kleinhirnbrückenwinkel. Hier tritt der Gesichtsnerv aus, um dann gemeinsam mit Hör- und Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang im Felsenbein weiter zu verlaufen. Im Kleinhirnbrückenwinkel kann sich ein überwiegend gutartiger Hirntumor bilden, ein Meningeom.

Symptome: Ein Meningeom wächst sehr langsam und kann zunächst Schwerhörigkeit und Schwindel auslösen. Bedrängt der Tumor später auch den Fazialis- und/oder Trigeminusnerv, können Lähmungserscheinungen und Schmerzen im Gesicht dazukommen.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose erfolgt durch einen Neurologen mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie.

Meist entfernt ein Neurochirurg den Tumor operativ.

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Meningeom".

Gesichtslähmungen als Folge von Krebserkrankungen

Bösartige Tumore, die mit Fazialisparesen einhergehen können, sind Hirnstammgliome. Sie treten häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf.

Symptome: Neben Schluckstörungen Gesichtschmerzen, Taubheitsgefühlen kommt es zu Muskelkrämpfen sowie einer peripheren Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung. Diese kann auch beidseitig auftreten.

Diagnose und Behandlung liegen hier ebenfalls in der Hand von Neurologen und Krebsspezialisten.

Auch andere Tumorarten im Schädelinneren können sich ausdehnen und Gehirnbereiche bedrängen, die mit Funktionen des Fazialisnervs zusammenhängen. Neben unterschiedlichen Ausfällen treten dann zentrale oder periphere Gesichtsnervenlähmungen auf. Das kann ebenso bei Hirnödemen vorkommen. Die Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn entstehen mitunter durch Hirntumore, Schlaganfälle, Verletzungen und andere Erkrankungen.

– Meningeosis carcinomatosa, Meningeosis leucaemica

Im Verlauf von Krebserkrankungen unterschiedlicher Organe können sich Krebszellen über Blut- und Lymphbahnen unabhängig vom ursprünglichen Entstehungsort ausbreiten. Sie bilden Metastasen. Dabei befallen sie in manchen Fällen auch die Hirnhäute im Bereich des Hirnstamms.

Symptome: Neben zahlreichen anderen Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Übelkeit und Erbrechen, Schluckstörungen sind dann ebenfalls Gesichtslähmungen möglich.


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