Nasenkorrektur (Rhinoplastik)

Die Rhinoplastik zählt zu den technisch anspruchsvollen Eingriffen der plastischen Chirurgie. Sie kann aus funktionellen und/oder ästhetischen Gründen erfolgen

von Dr. med. Johannes Rückher, aktualisiert am 04.04.2017

Nach der Nasenkorrektur müssen erstmal Schwellungen und Blutergüsse abheilen


Was ist eine Rhinoplastik?

Bei einer Rhinoplastik nehmen Ärzte unterschiedliche Veränderungen an der Form der Nase vor. Gründe für den Eingriff sind einerseits meist ästhetische Wünsche. Dann erfolgt die Rhinoplastik als "Schönheitsoperation". Doch auch Menschen, bei denen die Form der Nase die Atmung behindert, gehören zu den Patienten. Manchmal ist die behinderte Atmung Folge einer Verletzung, manchmal aber auch Folge der angeborenen Nasenform. Bei einem Eingriff kann der Operateur die funktionelle Behinderung bessern und gleichzeitig kosmetische Aspekte berücksichtigen.

Was sind die vorbereitenden Schritte?

Vor der Operation untersuchen die Ärzte Form und Aufbau der Nase. Dazu beurteilen sie auch die Dicke der Haut und die Festigkeit des Knorpels. Sie prüfen Funktion (Behinderung der Atmung) und Aussehen. Ein medizinisches Instrument, das Endoskop, ermöglicht einen Blick in die Nase: Denn Veränderungen im Inneren der Nase wie zum Beispiel Schleimhautgeschwulste (Polypen) und Entzündungen sind von außen oft nicht sichtbar. Trotzdem haben solche Befunde großen Einfluss auf die Planung der Operation. Mit Hilfe der "Rhinomanometrie" messen Ärzte außerdem die Druckverhältnisse in der Nase beim Atmen.

Um das Ergebnis der Operation später beurteilen zu können, fertigen die Chirurgen darüber hinaus Fotos des Gesichtes aus unterschiedlichen Perspektiven an. Auch Zeichnungen und Computersimulationen werden mitunter eingesetzt. Ärzte und Patienten besprechen ein gemeinsames Ziel der Operation. Außerdem sollte der Patient genau hinterfragen, welche Qualifikation der Arzt hat, der sie operieren soll: Begriffe wie Schönheitschirurg, ästhetischer Chirurg oder kosmetischer Chirurg sind gesetzlich nicht geschützt – diese Bezeichnung könnte also auch ein Arzt ohne größere Erfahrung auf dem Gebiet führen.

Psychische Faktoren können den Operationswunsch auslösen

Nicht alles, was Patienten wünschen, liegt im Bereich des Machbaren. Außerdem ist zu bedenken, dass einige Patienten unter einer gestörten Selbstwahrnehmung leiden: Dysmorphophobie, die wahnhafte Überzeugung, man sei von einem körperlichen Defekt betroffen, obwohl das Aussehen im Rahmen des Normalen liegt. Verantwortungsvolle Ärzte raten in solchen Fällen von einer Operation ab, weil sie die eigentliche psychische Krankheit des Patienten nicht heilen würde.

Die Krankenkassen bezahlen rein ästhetische Eingriffe in der Regel nicht. In solchen Fällen sollten die Patienten rechtzeitig klären, wie hoch die Kosten sind und ob sie sie tragen können.

Wie korrigieren Ärzte die unterschiedlichen Nasenformen?

Die Operation erfolgt üblicherweise in Vollnarkose. Das OP-Personal lagert den Patienten so, dass der Kopf den höchsten Punkt bildet und die Füße den niedrigsten (Anti-Trendelenburg-Lagerung). Damit sollen Blutungen verringert werden. Zusätzlich spritzen die Ärzte im Bereich der Nase betäubende und gefäßverengende Substanzen. Sie lindern damit Schmerzen nach der Operation und vermindern starke Blutungen. Meist legen sie auch Tupfer in die Nase, die mit abschwellenden Substanzen getränkt sind.

Operation eines Nasenhöckers

Die gewählte Operationstechnik hängt davon ab, welcher Aspekt der Nase verändert werden soll. Wegen einer "Höckernase" suchen Patienten die Ärzte am häufigsten auf. Hier ist der Nasenrücken im Profil nach außen gebogen (konvex). Einen "echten Höcker" korrigieren die Ärzte, indem sie überschüssige Knorpel- und Knochenanteile abtragen. Hierzu verwenden sie unter anderem Osteotome (Knochenmesser), Raspel und Skalpelle. Beim "Pseudohöcker" entsteht die Erhebung dadurch, dass die umliegenden Teile des Nasenprofils absinken. Hier bauen die Ärzte die umliegenden Anteile der Nase wieder auf. Diese Operation ist aufwendiger als die Entfernung eines echten Höckers.

Korrektur einer Schiefnase

Bei der "Schiefnase" weicht die Nase von vorne betrachtet zur Seite ab oder ist in sich gekrümmt. Da hier oft auch die Nasenscheidewand verschoben ist, gilt der Eingriff als anspruchsvoll. Die Operateure müssen häufig nicht nur knöcherne Strukturen, sondern auch das Nasenskelett aus Knorpel korrigieren (Rhinoseptoplastik). Vor allem die knorpelige Nasenscheidewand (Septum) zu bearbeiten erfordert viel Geschick. Oft muss der Operateur Knorpel und Knochen aus anderen Körperregionen (Transplantatgewebe) entnehmen, um Material für den Aufbau der Nase zu gewinnen. Meist wählt er dabei Nasenscheidewand, Ohrmuscheln oder Rippen. Zwar wurden auch Implantate aus Kunststoff entwickelt. Sie konnten sich bisher gegen die Transplantate aber nicht durchsetzen.

Behandlung einer Sattelnase

Die "Sattelnase" ist häufig Folge einer Verletzung. Im Profil krümmt sich die Nase nach innen ("konkav") und wirkt eingefallen. Hier müssen die Ärzte meist das knorpelige Nasenskelett, insbesondere die Nasenscheidewand, rekonstruieren. Vor allem bei verletzungsbedingten Sattelnasen verwenden sie auch Transplantate.

Formung der Nasenspitze

Der anspruchsvollste Teil der plastischen Nasenchirurgie sind Abweichungen der Nasenspitze. Dazu zählen nicht nur Krümmungen, sondern auch hängende, verlängerte und verbreiterte Nasenspitzen. Die Festigkeit des Knorpels und die Dicke der Haut sind bei jedem Patienten unterschiedlich und haben großen Einfluss auf Vorgehensweise und Ergebnis. Bei kleineren Korrekturen greifen die Operateure auf reine Nahttechniken zurück. Bei komplexeren Eingriffen verwenden sie zusätzlich Knorpeltransplantate.

Nach der Operation

Nach dem eigentlichen Eingriff stellen die Operateure die Nase mit Pflastern und Gipsanlagen ruhig. Meist erfolgt auch eine Tamponade der Nase. Während der regelmäßigen Kontrolltermine überprüfen die Ärzte das Ergebnis.

Nach der Operation verunsichern Schwellungen und Blutergüsse von Nasen und Augenlidern viele Patienten. Diese kurzzeitigen Folgen sind jedoch oft nicht vermeidbar. Der Erfolg der Nasenkorrektur kann daher meist erst nach zwei bis drei Monaten beurteilt werden.

Mit welchen Risiken müssen Patienten rechnen?

Wie bei jeder Operation können Komplikationen auftreten wie Blutungen oder Infektionen. Der Arzt klärt in einem Gespräch vor der Operation ausführlich über die Risiken auf. Hierbei ist es auch außerordentlich wichtig, die chirurgischen Grenzen der Korrekturoperation zu definieren, um dem Patienten eine spätere Enttäuschung zu ersparen.  
In einem Anteil der Fälle kann das Ergebnis trotzdem hinter den Erwartungen von Ärzten und/oder Patienten zurückbleiben. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass im Zuge der Operation die Nasenatmung und das Riechvermögen beeinträchtigt werden. Manche Patienten berichten zudem von Gefühlsstörungen und einer verminderten Stabilität der Nase.

Beratender Experte: Dr. med. Michael Ruggaber, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie, war nach beruflichen Stationen in Ravensburg (Prof. D. Kistler) und Stuttgart (Prof. M. Greulich) zuletzt als Leitender Oberarzt in der Klinik für Plastische-, Ästhetische- und Handchirurgie – Zentrum für Schwerbrandverletzte – in Offenbach am Main (Prof. H. Menke), tätig. Seit August 2011 leitet er die Sektion für Plastische- und Ästhetische Chirurgie, seit März 2012 zusätzlich die Sektion für Handchirurgie am Klinikum Friedrichshafen. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die rekonstruktive Weichteilchirurgie, die gesamte Ästhetische Chirurgie sowie die Brustchirurgie in Zusammenarbeit mit dem Brustzentrum Bodensee.

Quellen:
1. Tasman AJ: Rhinoplastik: Indikation und Planung. In: Laryngo-Rhino-Otologie 2010, 89: 10-15
2. Tasman AJ: Indikationen und Techniken der Rhinoplastik. In: Laryngo-Rhino-Otologie 2007, 86: 15-39
3. Baumann I: Lebensqualität vor und nach Septum- und Rhinoplastik. In: Laryngo-Rhino-Otologie 2010, 89: 35-45
4. Gubisch W, Dacho A: Fehler und Gefahren: Die ästhetische Rhinoplastik sowie Brauen-, Lid- und Ohrmuschelkorrektur. In: Laryngo-Rhino-Otologie 2013, 92: 73-87
5. Braccini F: New trends in rhinoplasty. In: Kosmetische Medizin 2011, 32: 114-121

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.