Nasenpolypen: Ursachen

Welche Ursachen zu Nasenpolypen führen, ist nicht restlos geklärt. Risikofaktoren sind zum Beispiel Allergien oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
aktualisiert am 13.11.2014

Ständig erkältet, die Nebenhöhlen sind dicht? Heuschnupfen oder Hausstauballergie? Bei solchen Risikofaktoren bilden sich leichter Nasenpolypen

Shotshop/Marcus

Wie Nasenpolypen genau entstehen, ist nicht bekannt. Experten vermuten, dass es eine gewisse Veranlagung für die Krankheit gibt. Wegbereiter sind in den meisten Fällen anhaltende Entzündungen der Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen (Sinusitis).

Nase und Nasennebenhöhlen verfügen über einen raffinierten Reinigungsmechanismus: Ihre Schleimhautzellen bilden einen feinen Sekretfilm, in dem sich Krankheitserreger und Schmutz verfangen. Auf den Schleimhautzellen sitzen bewegliche Härchen (Flimmerhärchen). Sie transportieren den Sekretfilm kontinuierlich Richtung Nasenhöhle und von dort zum Rachen. Der Schmutz wird abtransportiert wie auf einem Fließband. Staut sich das Sekret jedoch zurück, gerät der "Müll-Transport" ins Stocken, sodass besonders leicht Entzündungen entstehen können.

Nasenpolypen entstehen in den Nasennebenhöhlen. Wo diese liegen, zeigt die Grafik. Um das komplette Bild zu sehen, bitte auf die Lupe oben links klicken

W&B/ Jörg Kühn

Gestörter Sekretfluss

Die Ursachen können zum Beispiel in der individuellen Anatomie liegen: Die Nebenhöhlen stehen über kleine "Kanälchen" mit der Nasenhöhle in Verbindung. Sind diese Öffnungen anlagebedingt sehr eng, werden die Nebenhöhlen womöglich nicht ausreichend belüftet. Der Sekrettransport in Richtung Nase funktioniert weniger gut als er soll. Sekret staut sich zurück und bildet einen idealen Nährboden für Krankheitserreger. Häufige Infekte sind die Folge. Die Schleimhaut wird ständig gereizt, schwillt an – was die Situation zusätzlich verschlechtert. Polypen können sich bilden, welche ihrerseits die Nebenhöhlenöffnungen noch weiter verlegen. Verkrümmungen der Nasenscheidewand oder andere anatomische Auffälligkeiten (zum Beispiel an den Nasenmuscheln) wirken sich unter Umständen vergleichbar ungünstig aus.

Allergie – möglicher Wegbereiter für Nasenpolypen

Die Schleimhaut in Nase und Nebenhöhlen kann auch aus anderen Gründen dauerhaft gereizt und angeschwollen sein – und so zu Nasenpolypen führen. Viele Patienten mit Nasenpolypen leiden zum Beispiel gleichzeitig an einer Allergie wie Heuschnupfen oder Hausstauballergie. Auch wer ständig zu trockene oder schadstoffbelastete Luft einatmet, hat ein erhöhtes Polypen-Risiko.

Häufige Kombi: Schmerzmittel-Unverträglichkeit, Asthma, Polypen

Menschen mit Asthma bronchiale neigen ebenfalls zur Bildung von Nasenpolypen, ebenso Personen, die Schmerzmittel nicht vertragen. Betroffene mit einer solchen Schmerzmittel-Unverträglichkeit erleiden schwere Asthmaanfälle, sobald sie bestimmte Medikamente einnehmen – zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac. Es handelt sich dabei um eine "Pseudo-Allergie". Der Organismus bildet also keine spezifischen Abwehrstoffe gegen die Medikamente, wie es bei einer echten Allergie der Fall wäre.

Die Kombination aus dieser Schmerzmittelunverträglichkeit, Nasenpolypen und Asthma ist sehr charakteristisch, weshalb sie eigene Namen erhalten hat: Ärzte sprechen von Samter-Trias, Widal-Trias, ASS-Intoleranz oder Aspirin sensitiver Atemwegserkrankung.

Auslöser Mukoviszidose

Nasenpolypen kommen bei Kindern nur sehr selten vor – mit einer Ausnahme: Etwa ein Drittel aller Kinder, die an der angeborenen Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose (zystische Fibrose) leiden, haben gleichzeitig Nasenpolypen. Bei der Erbkrankheit sondern Drüsen ein abnormal zähflüssiges Sekret ab. Es staut sich deshalb leichter, wird in den Atemwegen schlechter "abtransportiert". Das begünstigt unter anderem Nasennebenhöhlenentzündungen und damit auch Nasenpolypen.

Seltene Ursache – die primäre Ziliendyskinesie

In seltenen Fällen entstehen Nasenpolypen als Folge einer Genveränderung, die Krankheit heißt primäre Ziliendyskinesie. Hier sind die Flimmerhärchen auf den Schleimhautzellen generell nur eingeschränkt beweglich, so dass sie ihre Aufgaben nur schlecht oder gar nicht erfüllen. Folglich funktioniert der Reinigungsmechanismus in Nase und Nebenhöhlen nicht mehr optimal, was Entzündungen und damit auch Nasenpolypen fördert.

Häufige Atemwegsinfekte bereits im Kindesalter können auf die Krankheit hinweisen. Auffälligstes, aber nicht zwingend vorhandenes Merkmal der Erkrankung ist ein Situs inversus – so nennen Mediziner das Phänomen, dass die Organe auf der "falschen" Körperseite liegen. Das Herz findet sich dann beispielsweise auf der rechten Brustseite statt auf der linken. Durch spezielle Untersuchungen lässt sich eine Ziliendyskinesie nachweisen.

Übrigens: Die unkritische langfristige Anwendung von abschwellenden Nasensprays kann die Funktion der Flimmerhärchen in ähnlicher Weise beeinträchtigen. Was Sie bei der Anwendung von Nasensprays beachten sollten, erfahren Sie im Beitrag "Nasensprays: Achtung, Suchtgefahr".


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