Nasenbluten: Bagatelle oder Notfall?

Meistens ist es nicht weiter schlimm, wenn die Nase blutet. Was das Bluten stoppt und ab wann die sogenannte Expistaxis doch Zeichen einer schwereren Verletzung ist

von Barbara Erbe, 04.10.2016

Es tropft und tropft: Bei Nasenbluten rinnt das Blut aus verletzten Gefäßen


Die Schleimhaut in der Nase ist wie alle anderen Schleimhäute stark durchblutet. Ihre feinen, zarten Gefäße können leicht einreißen, vor allem wenn die Nasenschleimhaut – etwa wegen einer Erkältung, heftigen Schnäuzens oder trockener Heizungsluft – strapaziert ist. Meist blutet es im vorderen Teil der Nase, dem so genannten Locus Kiesselbachi. Dieser Bereich der Schleimhaut wird gleich von den Ästen mehrerer Arterien versorgt. Dass Kinder häufiger als Erwachsene betroffen sind, führt Dr. Michael Deeg, Sprecher des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte, vor allem darauf zurück, "dass sie sich mehr bewegen und sich öfter mal die Nase stoßen – und auch eher mal in der Nase bohren."

Blutung stoppen: Kopf hoch, Nacken kühlen

Blutet die Nase, medizinisch auch Epistaxis genannt, sollte man sich zunächst einmal aufrecht hinsetzen oder zumindest den Kopf hochlagern, um dort den Blutdruck zu verringern. Auf keinen Fall sollte der Kopf im Nacken liegen, denn dadurch könnte Blut in die Atemwege gelangen oder in den Magen fließen und Übelkeit und Erbrechen auslösen. Stattdessen besser den Kopf nach vorne beugen und die Stirn abstützen, damit das Blut aus der Nase fließen kann – am besten in ein Gefäß oder Tuch. "Dann sollte man mit Daumen und Zeigefinger die Nasenflügel für drei, vier Minuten sanft zusammendrücken", rät HNO-Arzt Deeg. "Dies sorgt dafür, dass sich eingerissene Gefäße schnell wieder schließen." Ein kalter Waschlappen oder ein Kühl-Pack im Nacken bewirken außerdem, dass sich die Blutgefäße in der Nase durch einen Reflex zusammenziehen.

Ab wann zum Arzt?

Ist die Blutung außergewöhnlich stark oder lässt sie trotz aller Maßnahmen nicht nach, sollte der Betroffene zum Arzt gebracht werden. Dasselbe gilt, wenn die Nase sichtbar verletzt ist oder nicht aus dem vorderen, sondern aus dem hinteren Teil blutet. "Das merkt man zum Beispiel daran, dass das Blut dann hauptsächlich hinten den Rachen hinunterläuft", sagt Deeg.

Auch wenn Nasenbluten regelmäßig wiederkehrt, sollte man einen HNO-Arzt aufsuchen. Dahinter können viele unterschiedliche Ursachen stecken, "vom nicht entdeckten Fremdkörper in der Nase bei Kindern über Bluthochdruck, Allergien und Nierenerkrankungen bis hin zu Blut- und Gefäßkrankheiten oder Tumoren", erklärt Deeg. Auch Medikamente, die die Blutgerinnung im Körper hemmen, so genannte Antikoagulanzien, führen zu erhöhter Blutungsneigung und damit öfter mal zu Nasenbluten, genauso wie der Missbrauch von geschnupften Drogen wie Kokain oder Crystal Meth.

Vorbeugen: Nasenpflege und Grüngemüse

Menschen, die zu Nasenbluten neigen, sollten sich nicht übermäßig heftig schnäuzen, betont HNO-Arzt Michael Deeg. "Eine gesunde Nase reinigt sich selber. Nur bei Schnupfen ist ein Schnäuzen sinnvoll." Da eine trockene Nasenschleimhaut leichter blutet, können spezielle Nasensalben oder -öle – zum Beispiel mit dem Wirkstoff Dexpanthenol – vorbeugen. Abschwellende Nasentropfen oder -sprays sollte man den Nasenschleimhäuten zuliebe dagegen allenfalls kurzzeitig verwenden. Ebenfalls gut für die Schleimhäute ist, ausreichend zu trinken. Auch Luftbefeuchter sowie große Topfpflanzen, die die Raumluft befeuchten, tun den Schleimhäuten gut. Zudem profitiert die Nasenschleimhaut von einer vitaminreichen Ernährung. Vitamin C ist in Obst und Gemüse, vor allem in Zitrusfrüchten enthalten. Das fettlösliche Vitamin K, das zur Blutgerinnung notwendig ist, kommt in Grüngemüse vor, besonders in Brokkoli, Kohl und Spinat.