Multiples Myelom / Plasmozytom

Ein Multiples Myelom beziehungsweise Plasmozytom ist ein bösartiges Leiden des Knochenmarkes. Es gehört zu den malignen Lymphomen

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 22.04.2014

In der Knochenmarks-Probe zeigen sich unter dem Mikroskop anormal viele Plasmazellen (dunkel-lila) – ein Hinweis auf ein multiples Myelom


Was ist ein Multiples Myelom?

Bei dieser Erkrankung breitet sich ein Klon (genetisch identische Zellen) von entarteten Plasmazellen im Knochenmark aus. Plasmazellen sind ausdifferenzierte B-Lymphozyten. Bei der häufigeren, diffusen Infiltration an verschiedenen Stellen des Skeletts spricht man von einem Multiplen Myelom. Beschränkt sich der Befall auf eine einzelne Stelle, auch außerhalb des Knochenmarkes, so spricht man von einem Plasmozytom. Das Plasmozytom ist damit eine Sonderform des Myeloms. Die Ursachen der Erkrankung sind nicht genau bekannt.

Wer ist von einem multiplen Myelom betroffen?

Mit einer Häufigkeit von sechs bis sieben neuen Erkrankungsfällen pro 100.000 Einwohner und Jahr in Deutschland ist das Multiple Myelom die zweithäufigste bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Die Erkrankung tritt meistens nach dem 65. Lebensjahr auf. Männer und Afroamerikaner sind häufiger betroffen.

Welche Folgen hat die Erkrankung?

Die bösartigen Zellen breiten sich im Knochenmark aus. Die Myelomzellen bilden Stoffe, die knochenaufbauende Zellen (Osteoblasten) hemmen und knochenabbauende Zellen (Osteoklasten) fördern. Das hat verschiedene Folgen.

  • Der Knochen wird an verschiedenen Stellen aufgelöst (sogenannte Osteolysen). Daher besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.
  • Gleichzeitig wird bei der Auflösung der Knochenstruktur Kalzium freigesetzt. Die krankhafte Erhöhung der Kalziummenge in Blut kann unter anderem zu einer Nierenschädigung führen.
  • Die Tumorzellen verdrängen im Knochenmark die normalen Knochenmarkzellen, die für die Bildung von roten und weißen Blutkörperchen verantwortlich sind. Ein Mangel an roten Blutzellen führ zur Blutarmut (Anämie), ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie) schwächt das Immunsystem. Das führt zu einer Neigung insbesondere für bakterielle Infektionen.
  • Eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) kann zu einer verstärkten Blutungsneigung führen.
  • In den meisten Fällen bilden die entarteten Plasmazellen große Mengen identischer, teils unvollständiger, in jedem Falle aber funktionsloser Antikörper (monoklonales Immunglobulin oder Paraprotein), die im Blut nachweisbar sind. Ein bestimmter Typ dieser Antikörper, die sogenannten freien Leichtkettenproteine (Bence-Jones-Proteine), werden mit dem Urin ausgeschieden und können das Ausscheidungssystem der Niere, die so genannten Tubuli, verstopfen und dadurch ebenfalls die Niere schädigen.

Wie bemerkt man ein Multiples Myelom?

Die häufigsten Beschwerden beim Multiplen Myelom sind Knochenschmerzen und hier insbesondere Rückenschmerzen durch den Befall der Wirbelsäule. Außerdem kann es schon bei Bagatellverletzungen zu Knochenbrüchen kommen (sogenannte pathologische Frakturen). Zusätzlich können eine Blutarmut oder eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen auffallen. Etliche Betroffene haben bei Diagnosestellung aber auch keine Beschwerden. Die Erkrankung wird dann zufällig bei einer Blut- oder Urinuntersuchung entdeckt.

Wie kann man ein Myelom behandeln?

Die vergangenen Jahre haben in der Myelomforschung große Fortschritte gebracht. Es wurden und werden aktuell neue Behandlungskonzepte entwickelt und in klinischen Studien erprobt. Neben konventioneller Chemotherapie und intensivierter Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation kommen verschiedene neue Medikamente zum Einsatz. Ziel der Behandlung ist der Rückgang der Symptome und eine möglichst lang anhaltende Remission – das heißt ein Rückgang der Krankheitserscheinungen. Auch wenn ein Myelom häufig nicht endgültig heilbar ist, kann man doch in den meisten Fällen eine deutliche Lebensverlängerung und eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen. Genaueres lesen Sie im Kapitel Therapie.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.