Die wichtigsten Fragen zu Multipler Sklerose

Die Diagnose Multiple Sklerose wirft sowohl bei den Betroffenen selbst, als auch bei ihren Angehörigen viele Fragen auf. Zehn häufig gestellte beantworten wir hier
von Ulrich Kraft, 25.08.2017

Diagnose MS: Was bedeutet das nun?

F1online/Westend61/Reiner Berg

Was ist Multiple Sklerose?

MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Sie entsteht, weil das Immunsystem Strukturen in Gehirn und Rückenmark wohl fälschlicherweise als körperfremd betrachtet und angreift. Damit gehört Multiple Sklerose vermutlich, wie die rheumatoide Arthritis und der Typ-1-Diabetes, zu den Autoimmunkrankheiten. Attackiert werden vor allem die Myelinscheiden, die als Isolationsschicht um die Nervenzellfortsätze fungieren. Da die Schäden die Informationsübertragung beeinträchtigen, kommt es zu vielfältigen Symptomen.

In welchem Alter erkrankt man an MS?

Bei der Mehrheit der Patienten machen sich die ersten Symptome zwischen dem 20. und 40. Geburtstag bemerkbar. "MS kann aber auch bereits im Kindesalter oder erst jenseits des 60. Lebensjahres auftreten", sagt Professorin Judith Haas, Vorsitzende der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Frauen trifft es zwei- bis viermal so häufig wie Männer.

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Wieso habe ich eine MS bekommen?

Diese Frage können Experten noch nicht abschließend beantworten. "Nach dem derzeitigen Kenntnisstand entscheidet eine Mischung aus erblicher Veranlagung und verschiedenen Umweltfaktoren darüber, ob ein Mensch an MS erkrankt oder nicht", sagt Judith Haas, die am Jüdischen Krankenhaus Berlin das Zentrum für Multiple Sklerose leitet. Zu den Umwelteinflüssen, die im Verdacht stehen, Multiple Sklerose zu begünstigen, gehören Rauchen, Vitamin-D-Mangel und Infektionen mit bestimmten Viren.

Kann man an MS sterben?

Multiple Sklerose ist keine tödliche Erkrankung. Symptome wie Atem- oder Schluckstörungen können allerdings lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen, etwa eine schwere Lungenentzündung. "Das passiert aber mittlerweile nur noch sehr selten", beruhigt Judith Haas. "Insgesamt betrachtet ist die Lebenserwartung heute bei nahezu allen MS-Patienten normal."

Welche Beschwerden treten auf?

"Multiple Sklerose kann verschiedenste neurologische Symptome auslösen, deren Ausprägung und Schweregrad sich von Patient zu Patient unterscheiden", sagt Judith Haas. "Deshalb wird MS auch Krankheit mit tausend Gesichtern genannt." Statistisch gesehen sind Empfindungsstörungen das häufigste Erstsymptom, gefolgt von Sehproblemen und einer beeinträchtigten Muskelfunktion wie Lähmungen, Kraftlosigkeit und eine erhöhte Muskelspannung bis hin zur Spastik. Als weitere mögliche Beschwerden können Blasenentleerungsstörungen, Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme sowie Gangstörungen auftreten. Und, so Haas, "wichtig – weil ganz häufig – eine erhöhte Erschöpfbarkeit, die wir als Fatigue bezeichnen."

Wie verläuft eine MS?

Bei mindestens 80 Prozent aller Erkrankten beginnt die MS mit einem schubförmigen Verlauf. Ein Schub ist definiert als ein neu auftretendes Symptom oder eine gravierende Verschlechterung bestehender Beschwerden über mindestens 24 Stunden. In den Tagen und Wochen nach dem Schub bilden sich die Symptome wieder ganz oder teilweise zurück. "Ohne Behandlung geht eine schubförmige MS bei 90 Prozent der Patienten früher oder später in die chronisch-voranschreitende Form über", erläutert Judith Haas. Hier nehmen die neurologischen Ausfälle langsam zu und bessern sich nicht mehr. Bei manchen Betroffenen nimmt die Erkrankung von Anfang an diesen progredienten Verlauf.

Ist MS heilbar?

Eine MS lässt sich bislang nicht heilen. Weltweit arbeiten Forscher aber intensiv daran, die exakten Hintergründe der Krankheit zu entschlüsseln. Dadurch könnten mögliche Ansatzpunkte für eine Therapie entstehen, welche die Ursache bekämpft.

Lässt sich die Krankheit mit Medikamenten bremsen?

"Die medikamentöse Behandlung von Multipler Sklerose hat in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte gemacht", sagt Judith Haas. Den ersten großen Durchbruch brachten der Wirkstoff Glatirameracetat sowie die Beta-Interferone. Diese auch natürlicherweise im Körper vorkommenden Botenstoffe greifen modulierend in das fehlgeleitete Immunsystem ein und werden seit Längerem erfolgreich zur Basistherapie der MS eingesetzt. Inzwischen sind weitere, teils noch effektivere Wirkstoffe auf den Markt gekommen, darunter auch Arzneimittel, die sich in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Psoriasis bewährt haben. "Wird die Therapie während des schubförmigen Verlaufs früh nach Diagnosestellung begonnen, erreichen wir damit über lange Zeit Schubfreiheit und verhindern, dass die Krankheit fortschreitet", sagt Haas.

Ist MS eigentlich vererbbar?

Eine große Untersuchung in Schweden hat ergeben, dass das MS-Risiko von Kindern, bei denen ein Elternteil von der Erkrankung betroffen ist, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung auf das 5-fache steigt. Das mag nach viel klingen, bedeutet aber in konkreten Zahlen, dass in dieser Konstellation nur ein bis zwei von Hundert Kindern im Laufe ihres Lebens ebenfalls MS entwickeln. Anders herum ausgedrückt: 98 bis 99 Prozent der Kinder bekommen trotz dieser familiären Belastung keine Multiple Sklerose.

Kann ich trotz MS Kinder bekommen?

Das sei eine ganz wichtige Frage, "weil MS ja häufig junge Frauen trifft, die Kinderwunsch haben", sagt Judith Haas und liefert die Antwort gleich mit: Ja, auf jeden Fall. Schwangerschaft und Geburt bergen keine besonderen Risiken und verlaufen in der Regel so komplikationslos wie bei anderen werdenden Müttern. Und wie Studien zeigen, geht die Schubrate in der Schwangerschaft oft sogar deutlich zurück, wahrscheinlich bedingt durch die Veränderungen des Hormonhaushalts. Allerdings sollten Frauen, die MS haben, mit dem Arzt besprechen, was sie bei einer Schwangerschaft beachten müssen.


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