Chronische Mittelohrentzündung: Therapie

Wer eine chronische Mittelohrentzündung nicht behandeln lässt, riskiert ernste Komplikationen
aktualisiert am 15.01.2014

Chronische Mittelohrentzündung: In der Operation beseitigen die Ärzte Entzündungsherde

PhotoDisc/RYF

Keine der drei im Kapitel "Formen" genannten Arten der chronischen Mittelohrentzündung heilt ohne fachgerechte medikamentöse und chirurgische Therapie aus. Im Gegenteil, alle drei Formen können zu ernsthaften Komplikationen führen – wie fortschreitender Schwerhörigkeit mit oder ohne Tinnitus (Ohrgeräusche), Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Gesichtsnerven-Lähmung. Schlimmstenfalls kann die Krankheit lebensbedrohlich werden: Wenn sich eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder ein Hirnabszess bildet.

Ursächliche Erkrankungen behandeln: Wenn nur irgend möglich, sollten die Auslöser, die zu einer chronischen Mittelohrentzündung führen (siehe Kapitel "Ursachen") dauerhaft behoben werden. Das ist in vielen Fällen nur chirurgisch möglich ist: Bei Kindern können die entzündlich vergrößerten Polypen im Nasen-Rachen-Raum entfernt werden. Bei Erwachsenen kann eine chirurgische Sanierung der Nase und – falls nötig – auch der Nasen-Nebenhöhlen erfolgen.

Kein Wasser in die Ohren: Schützen Sie die Ohren, wenn Sie die Haare waschen, damit kein Wasser durch das Loch im Trommelfell eindringen kann. Andernfalls kann sich die Entzündung verschlimmern oder ein heftiger Schwindelanfall ausgelöst werden. Beim Duschen oder Baden sollten Sie eine eng anliegende Badehaube tragen, im Sportgeschäft einen Schwimmschutz kaufen. Oder noch besser: Lassen Sie sich im Hörgerätefachgeschäft eine so genannte Otoplastik anfertigen, die individuell angepasst wird.

Keine Watte in die Ohren: Die Entzündung kann sich verschlimmern, wenn Sie Watte in die Ohren stopfen. Denn das warme und feuchte Klima ist ein guter Nährboden für die Bakterien. Einen ähnlichen Effekt hat auch das Tragen eines Im-Ohr-Hörgeräts oder eines Hinter-dem-Ohr-Hörgerätes (HdO-Gerät) mit einer geschlossenen Otoplastik. Wenn möglich, sollten sich Betroffene ein HdO-Gerät mit einem dünnen Schlauch anpassen lassen, der in den Gehörgang führt (sogenannte offene Versorgung).

Ohrentropfen können dazu beitragen, dass die Sekretion nachlässt. Welche Ohrentropfen (antibiotikahaltige oder andere) erforderlich sind, entscheidet Ihr HNO-Arzt.

Antibiotika in Tablettenform oder in Infusionen kann der HNO-Arzt bei Komplikationen einsetzen, um die Vermehrung der Bakterien zu hemmen und sie abzutöten. Die Inhaltsstoffe erreichen dann über das Blut den Entzündungsherd.

Operation: Keine der genannten Formen von chronischer Mittelohrentzündung heilt allein mit den oben genannten Maßnahmen aus: Eine Mittelohroperation ist (wenn möglich) in den meisten Fällen erforderlich. Der Eingriff findet stationär in einer HNO-Klinik statt. Je nach Typ der chronischen Mittelohrentzündung, Krankheitsverlauf, Krankheitsstadium, eingetretenen Komplikationen und anderen Kriterien ist eine lokale Betäubung oder eine Vollnarkose nötig. Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen oder bei akuten schwerwiegenden Komplikationen erfolgen immer in Vollnarkose.

Welche Operation erforderlich ist, und zu welchem Zeitpunkt, hängt ebenfalls vom Typ der chronischen Mittelohrentzündung und weiteren Faktoren ab. Der operierende HNO-Arzt wird mit Ihnen ausführlich darüber sprechen. Auch darüber, was schlimmstenfalls ohne chirurgische Sanierung auf Sie zukommen würde – und darüber was schlimmstenfalls bei oder nach der Operation "passieren" kann.

Außerdem wird der operierende HNO-Arzt Antworten auf die folgenden Fragen geben: Wie sieht das chirurgische Vorgehen aus, welche Operationstechniken kommen zum Einsatz? Wie sieht die Vor-, Begleit- und Nachbehandlung aus? Wie lange muss das operierte Ohr beispielsweise mit einer Wundtamponade verschlossen bleiben? Welche Verhaltensmaßnahmen sind nach der stationären Entlassung ratsam?

Grundsätzlich gilt: Die chirurgische Beseitigung der chronischen Entzündung geht vor Erhalt oder Verbesserung des Gehörs. Natürlich wird der operierende HNO-Arzt trotzdem alles dafür tun, das Gehör zu verbessern (mitunter in einem zweiten Eingriff) oder zumindest so zu erhalten wie es ist.


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