Chronische Mittelohrentzündung: Symptome

Viele Patienten bemerken anfangs gar nicht, dass sie eine chronische Mittelohrentzündung haben. Mögliche Anzeichen sind Sekretfluss aus dem Ohr, Hörminderung, Ohrgeräusche und Schwindel
aktualisiert am 15.01.2014

Wer spürt, dass sich im Gehörgang Flüssigkeit ansammelt, sollte sich untersuchen lassen. Denn das kann auf eine chronische Mittelohrentzündung hindeuten

PhotoDisc/ RYF

Die Krankheit geht zunächst meist ohne Schmerzen einher, und man kann sich außerdem an die Beschwerden "gewöhnen". Trotzdem ist die chronische Mittelohrentzündung alles andere als eine Bagatelle. Bei den einzelnen Formen (siehe Kapitel "Formen") kommen verschiedene Symptome und Komplikationen vor:

1) Symptome der chronischen Schleimhauteiterung:

Bleibt die Entzündung auf die Schleimhaut des Mittelohres beschränkt, fließt in den aktiven (sekretorischen) Phasen ein meist gelblich-rahmiges oder schleimiges geruchsloses oder auch übel riechendes Sekret nach außen in den Gehörgang ab. Dadurch kann es auch zu Gehörgangsentzündungen kommen.

Die chronische Schleimhautentzündung kann aber auch auf die Gehörknöchelchen im Mittelohr übergreifen, wodurch narbige oder sogar knöcherne Verwachsungen entstehen. Diese Tympano-Fibrose oder Tympano-Sklerose verursacht eine fortschreitende Mittelohr-Schwerhörigkeit. Häufig kommt aber eine fortschreitende Innenohr-Schwerhörigkeit hinzu, die durch in das Innenohr einwandernde Giftstoffe der Bakterien (sogenannte Bakterien-Toxine) aus der chronisch entzündeten Mittelohrschleimhaut verursacht wird. So entsteht dann eine kombinierte Mittelohr-Innenohr-Schwerhörigkeit. Die chronische medio-tympanale Otitis media verursacht in der Regel kein Fieber und keine Schmerzen.

Die Erkrankung verläuft im Normalfall schubweise. Das bedeutet, sie geht immer wieder mit "trockenen Phasen" ohne Absonderungen (Sekretion) aus dem Ohr und ohne Schmerzen und zunächst nur mit einer relativ geringgradigen Hörminderung einher.

Die Patienten suchen meistens erst bei zunehmenden Beschwerden den Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf: beispielsweise dann, wenn die Sekretionsphasen sich häufen und / oder das Sekret aus dem Ohr übel riecht, die Hörminderung fortschreitet, ein Tinnitus (Ohrgeräusche) hinzukommt, Schwindel und / oder Gleichgewichtsbeschwerden oder schlimmere Komplikationen auftreten.

2) Symptome der chronischen Schleimhaut- und Knocheneiterung

Die immer häufiger auftretenden Sekretionen sind meistens gelblich-rahmig bis schleimig und meistens auch übel riechend. Die Patienten haben oft ein dumpfes drückendes Gefühl im Bereich des Knochens hinter dem Ohr (dem Mastoid). Bei akuter Verschlechterung (Exazerbation, sogenannter Super-Infektion) der chronischen Entzündung kommt es aber auch zu Schmerzen und Fieber.

Auch hier bemerkt der Patient eine fortschreitende Hörminderung bis hin zur Schwerhörigkeit mit oder ohne Ohrgeräusche (Tinnitus) und in seltenen Fällen auch Schwindelgefühle, Gleichgewichtsstörungen oder eine Gesichtsnerven-(Fazialis-)Lähmung, weil dieser Nerv durch den entzündeten Knochen verläuft.

Ernsthafte, das heißt lebensbedrohliche Komplikationen: Wenn die Knochen im Mittelohr entzündet sind, können die Erreger auf das venöse Blutsystem in der Schädelhöhle übergehen. Als Folge kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) oder einer Venenentzündung im Gehirn mit Thrombose kommen. Wenn die Knochenentzündung in das Gehirn "durchbricht", kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) und / oder einem Hirnabszess

3) Symptome eines Cholesteatoms

Die Beschwerden sind diffus und von unterschiedlichstem Ausmaß: ein dumpfes drückendes Gefühl in der Tiefe des Ohres, mitunter auch im Bereich des Knochens hinter dem Ohr (dem Mastoid), mitunter auch Neuralgien (vorübergehende eher stechende Schmerzen) im Ohr, bei akuter Verschlechterung (Exazerbation, sogenannter Super-Infektion) auch Dauerschmerzen und Sekretionen aus dem Ohr und Fieber.

Auch hier bemerkt der Patient eine fortschreitende Hörminderung bis hin zur Schwerhörigkeit mit oder ohne Tinnitus (Ohrgeräusche) und im fortgeschrittenen Stadium auch Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und / oder eine Gesichtsnervenlähmung.

Ernsthafte, das heißt lebensbedrohliche Komplikationen: Die Erkrankung schreitet in der Regel langsam fort. Schlimmstenfalls wird durch die immer größer werdende Perl-Geschwulst die knöcherne Begrenzung zur Schädelgrube "angefressen" und es kommt zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) und / oder einem Hirnabszess oder anderen Komplikationen.


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