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Was hilft beim prämenstruellen Syndrom?

Für viele Frauen sind die Tage vor den Tagen besonders belastend. Dann macht ihnen das prämenstruelle Syndrom (PMS) zu schaffen. Welche Maßnahmen die Beschwerden lindern können

von Nina Bürger, 28.04.2020

Viele Frauen leiden jeden Monat unter dem PMS. Die Beschwerden sind individuell sehr verschieden. Sie sind körperlicher, aber auch psychischer Art. Die Betroffenen haben unter anderem Unterleibs-, Muskel- oder Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Wassereinlagerungen, Kreislaufprobleme sowie Schlafstörungen. Auch Stimmungsschwankungen von Gereiztheit bis hin zu Depressionen kommen häufig vor. Das prämenstruelle Syndrom tritt in der zweiten Zyklushälfte zwischen Eisprung und Menstruation auf. Mit Beginn der Regelblutung oder während dieser verschwinden die Beschwerden wieder. Warum so viele Frauen unter dem PMS leiden, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Man geht aber davon aus, dass mehrere Faktoren dazu beitragen. So schwankt während des Zyklus die Ausschüttung der Hormone Progesteron und Östrogen. Doch auch die Psyche und das Nervensystem scheinen bei der Entstehung des PMS eine Rolle zu spielen.

Prämenstruelles Syndrom: Beschwerden richtig deuten

Zunächst müssen andere Krankheiten als mögliche Ursache ausgeschlossen werden. Um die richtige Behandlung für das PMS zu finden, ist es wichtig, die Symptome zu analysieren. "Ich empfehle an erster Stelle, dass man eine ausführliche Körperbeobachtung macht und ein Beschwerde- und Zyklustagebuch gleichzeitig führt," sagt Dr. Petra Frank-Herrmann, Oberärztin der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg. Dazu gibt es mittlerweile zahlreiche Apps, die ein schnelles, digitales Dokumentieren ermöglichen. Mit der Auswertung kann genau erkannt werden, welche Beschwerden mit dem Zyklus einhergehen und eine gezielte Therapie wird möglich. Da in Gesundheits-Apps oft sensible Daten hinterlegt werden, ist Datenschutz besonders wichtig. Tipps dazu finden Sie zum Beispiel auf digital-ratgteber.de im Beitrag: Wie kann ich Gesundheitsapps sicher nutzen?.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei PMS?

Bei der Suche nach einer geeigneten Behandlung, sollte auch der Lebensstil betrachtet werden. Er kann das PMS beeinflussen. Welche Verhaltensweisen bei PMS am besten helfen, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt. Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen, was individuell geeignet erscheint. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht und Rauchen. Eine gute Idee ist folglich der Verzicht auf Zigaretten und eine ausgewogene, vitaminreiche Kost. Manche Studien deuten darauf hin, dass sich ausreichend Kalzium, Magnesium, Vitamin D und Vitamin B6 positiv auf das PMS auswirken können. Das gilt auch für Omega-3-Fettsäuren, die sich in fettem Fisch wie Lachs oder Makrele finden. Auch, wenn während des prämenstruellen Syndroms eine Neigung zu Heißhunger auf Süßes besteht, sollten betroffene Frauen ihm möglichst nicht nachgeben. Koffein und Alkohol können die Symptome des PMS ebenfalls verstärken. Eine Rolle spielen zudem Erholung und körperliche Aktivität: "Ausreichend Schlaf von sieben bis acht Stunden ist wichtig und hat Einfluss auf das gesamte Befinden", sagt Frank-Herrmann. Das gilt auch für Sport: "Drei Mal pro Woche sollte man sich bewegen, ebenso wichtig ist regelmäßige Entspannung", rät die Expertin. Sie berät in Kooperation mit dem Olympiastützpunkt auch Leistungssportlerinnen gynäkologisch. Dabei beobachtet die Ärztin, dass diese deutlich seltener unter einem PMS leiden.

Ein ausgeprägtes prämenstruelles Syndrom kann körperlich und psychisch sehr belastend sein. "Gibt es nur einzelne Symptome wie zum Beispiel Unterbauchbeschwerden oder Wassereinlagerungen an bestimmten Tagen, dann kann man versuchen, symptomatisch statt ursächlich zu behandeln", sagt Frank-Herrmann. Betroffene Frauen können zum Beispiel Hausmittel oder pflanzliche Präparate ausprobieren. Wie gut sie helfen, ist wissenschaftlich oft noch nicht hinreichend belegt. Vor der Anwendung sollten Frauen Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin halten. So können zum Beispiel entwässerndes Gemüse wie Spargel, Teemischungen mit Frauenmantel, Wärme oder Schmerzmittel hilfreich sein. "Zudem können pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer oder Cimicifuga (Traubensilberkerze) gut wirken, wenn sie lange genug und in geeigneter Konzentrationen aufgenommen werden", weiß Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. Gegen leichte depressive Verstimmungen sind Johanniskraut-Präparate empfehlenswert.

Pille kann Zyklusbeschwerden stoppen

Wenn all diese Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt erzielen, können Hormone das PMS stoppen. "Mit der Pille setzt man den eigenen Zyklus außer Kraft, fährt die körpereigenen Hormone nach unten und führt welche von außen zu – und zwar täglich die gleiche Dosis", sagt Frank-Herrmann. Besonders geeignet sind Präparate mit jeweils einem Anteil der Hormone Östrogen und Gestagen. Die Hormonschwankungen während des Zyklus als Ursache des PMS werden komplett verhindert. "Die Frauen erleben dieses Verschwinden ihrer schweren körperlichen und psychischen Symptome als sehr wohltuend", berichtet Albring aus seiner Praxis. Dabei muss es nicht unbedingt die Pille sein. Auch Hormonring und -pflaster könnten den gewünschten Effekt bringen, so Frank-Herrmann. In der Regel jedoch nicht die Hormonspirale. Bei ihr gelangt das Gestagen in zu niedriger Dosierung in den Organismus. Ob ein Hormonpräparat das Mittel der Wahl ist, sollte mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin jedoch gründlich abgewogen werden. Bei diesen handelt es sich um Medikamente, deren Anwendung zu Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, sexueller Unlust oder einem erhöhten Thromboserisiko führen kann.

PMS und Depression

Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist eine Form des PMS, bei der es zu schweren psychischen Verstimmungen kommt. Sie ist häufig genetisch beeinflusst. In diesen Fällen können Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschrieben werden. "Die Einnahme beginnt kurz vor dem erwarteten PMS und endet mit dem Beginn der Regelblutung", so Experte Albring. Eine solche temporäre Einnahme zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms ist anhand von Studien mittlerweile gut belegt. Betroffene sollten sich vor der Einnahme bei Arzt oder Ärztin ausführlich über mögliche Nebenwirkungen informieren.