Was die Walnuss mit dem menschlichen Gehirn verbindet

Die Walnuss ähnelt vom Aussehen her unserem Gehirn. Folglich muss sie gegen Krankheiten, die unser Denkorgan betreffen, helfen – dachte sich zumindest der Alchemist und Arzt Paracelsus

von Dr. Christian Heinrich, 07.12.2016
Weihnachtsbuch

Alles hängt mit allem zusammen. Dieses Dogma war die Grundlage der Signaturenlehre des Arztes und Alchemisten Paracelsus (1493 bis 1541). Es ging dabei vor allem um die Form: Weil beispielsweise die Oberfläche einer Walnuss den Windungen des Gehirns ähnelt, hat sie der Signaturenlehre zufolge auch etwas mit dem Denkorgan zu tun. Das ist offensichtlich, oder?

Zumindest für Paracelsus lagen derartige Zusammenhänge nahe. In seiner Weltsicht ist der Mikrokosmos Mensch eingebettet in den Makrokosmos des Universums – und spiegelt sich demzufolge darin. Deshalb kann eine Bohne bei Nierenleiden wirksam sein, denn ihre Form ähnelt der einer Niere. Nach derselben Logik ist die Walnuss für Behandlungen des Gehirns prädestiniert.

Paracelsus sah unendlich viele solcher Zeichen und Zusammenhänge, die sich bei genauerer Betrachtung der Formen erschlossen und aus denen sich bei Erkrankungen des jeweiligen Organs eine der Signaturenlehre gemäße Therapie ableiten ließ. Diese Denkart, dass sich eine Form auf eine Funktion übertragen lässt, war bereits im späten Mittelalter weitverbreitet.

Konkret formuliert hat sie aber erst Paracelsus in der frühen Renaissance. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte wurde sie durch das Aufkommen des naturwissenschaftlichen Denkens allmählich widerlegt: Ein Zusammenhang von Ursache und Wirkung lässt sich in den meisten Fällen nicht nachweisen. Unter streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten sind die Folgerungen für eine medizinische Therapie völlig aus der Luft gegriffen.

Trotzdem ist die Signaturenlehre auch heute in der Alternativmedizin und Esoterik noch verbreitet. Ihre Verfechter berufen sich immer wieder auf die wenigen Beispiele, bei denen wissenschaftlich belegbare Wirkungen tatsächlich mit der Lehre des Paracelsus übereinstimmen. So enthält die Walnuss für das Gehirn wertvolle Fettsäuren. Auch die Herbstzeitlose – sie ist gemäß der Signaturenlehre ein probates Mittel gegen Gicht, da deren Zwiebel Ähnlichkeiten mit einer gichtkranken Zehe aufweist – liefert tatsächlich Wirkstoffe gegen die schmerzhafte Stoffwechselerkrankung.