So halten wir unsere Körpertemperatur

Der Mensch hält seine Kerntemperatur von 37 Grad nach Möglichkeit immer stabil, auch wenn es in seiner Umgebung deutlich kälter ist oder er selbst viel Wärme erzeugt. Wie das funktioniert

von Dr. Christian Guht, aktualisiert am 03.12.2015

Ist der Mensch Kälte ausgesetzt, steuert der Körper dem Temperaturabfall entgegen


Allzu viel Spielraum gibt es nicht: Gerade mal um ein Grad soll die Körperkerntemperatur schwanken – egal ob der Mensch drückender Hitze oder klirrender Kälte ausgesetzt ist. 37 Grad beträgt der innere Wert, den es einzuhalten gilt. Andernfalls kommt der Stoffwechsel zum Erliegen, und empfindliche Zellstrukturen nehmen Schaden.

Doch nicht nur gegen sein äußeres Milieu muss der gleichwarme Organismus anregulieren, auch gegen sein inneres. Die Körperwärme entsteht durch Stoffwechselaktivität in den Organen und Muskeln. Heizt hohe Aktivität den Körper zu sehr auf, muss Wärme abgegeben werden. Droht hingegen bei äußerer Kälte zu starker Verlust von Wärme, muss sie gehalten werden. Beides erfolgt bedarfsweise über Mechanismen, die das Gehirn wie ein Thermostat steuert: Der Hypothalamus misst die Temperatur des Bluts. Weicht diese vom Sollwert ab, leitet dieser Gehirnbereich über vegetative Nerven Reaktionen ein, die Wärme abgeben, isolieren oder erzeugen.

Was passiert, wenn die Bluttemperatur unter 36,5 Grad Celsius sinkt?

Bei Wärmeverlust an eine kältere Umgebung kommt es zu Gegen­reaktionen: Die Wärmeabgabe sinkt. Muskelzittern erzeugt Wärme, die dem Temperaturverlust bei äußerer Kälte entgegenwirkt. Der Reflex wird bereits bei Erkaltung der Haut ausgelöst, um einem ­Abfall der Kerntemperatur vorzubeugen.

Die Hautgefäße werden enger gestellt. Das hält Wärme zurück, indem das Blut verstärkt in das Körperinnere verschoben wird. Die Haut wird blass und kalt.

Wie reagiert der Körper, wenn die Bluttemperatur 37,5 Grad Celsius übersteigt?

Droht Überhitzung, reagiert der Organismus mit Maßnahmen, die Wärme abgeben und kühlen.

Schwitzen kühlt die Haut, indem die abgegebene Flüssigkeit verduns­tet. Dieser Effekt greift bei hoher Außentemperatur oder starker Aktivität.

Weite Hautadern führen Wärme zur Körperoberfläche. Von dort wird sie über die Luft abgeleitet, wenn diese kälter als der Körper ist. Die Haut gibt auch Wärmestrahlung ab.