Schwellung am Hals – Ursachen: Narben, Tumoren des Weichgewebes / der Haut

Weich(teil)gewebe umfasst unter anderem Bindegewebe, Fettgewebe, Sehnen, Muskeln. Entsprechende Geschwülste sind überwiegend gutartig. Und: Was es mit hypertrophen Narben und Keloiden auf sich hat

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 04.07.2018

"Knoten" am Hals sind überwiegend gutartig und nur sehr selten bösartig


Die Narben vorneweg: Wenn Wunden unschön verheilen

Nach Operationen am Hals, etwa Entfernung der Schilddrüse, einer Halszyste oder Halsfistel (siehe entsprechende Kapitel in diesem Beitrag) oder Schnittwunden können trotz narbensparender Schnittführung aus verschiedenen Gründen Schwellungen auftreten. Dadurch steht die Naht unter Spannung. In der Folge kann es zu Wundheilungsstörungen bis hin zur klaffenden Naht (Dehiszenz) und / oder zu verdickten, rötlich verfärbten (hypertrophen) Narben kommen.

Das bedeutet: Es entsteht zu viel Bindegewebe in der verzögert heilenden Wunde. Dennoch gehen hypertrophe Narben nicht über den ursprünglichen Schnitt hinaus. Häufig bilden sie sich im Laufe der Zeit von selbst zurück.

Therapie: Zur Behandlung frischer, geschlossener Narben kann behutsames Einmassieren eines Silikon-Gels helfen, das Narbenbild zu verbessern. Hypertrophe Narben kann der Arzt mit Einspritzen von Kortison und / oder eine Kältebesprühung (Kryotherapie) und / oder Kompressionstherapie (siehe nachfolgend: Keloid) behandeln. Kortison und Kompression können auch bei sich abzeichnender Narbenhypertrophie oder bei bekannter Tendenz dazu schon frühzeitig eingesetzt werden.

Gegebenenfalls kommt zusätzlich ein Laserverfahren zur Farbkorrektur oder zum Abtragen in Betracht. Später, etwa bei Narbenzug, sind Eingriffe wie spezielle plastische oder Hauttransplantationsverfahren möglich.

Übers Ziel hinausgeschossen: Keloide

Von hypertrophen Narben zu unterscheiden sind Keloide. Darunter versteht man gutartige, knotig-wulstige bis geschwulstartige Gewebewucherungen durch überschießende Produktion von Bindegewebe bei der Narbenbildung. Keloide wachsen längere Zeit über die ursprüngliche Verletzung oder den Schnitt hinaus. Unter anderem entstehen sie häufiger am Nacken oder im Bereich des Brustbeins.
Symptome: Die Rötung des entstellenden, geschwulstartigen Gebildes blasst zwar mit der Zeit etwas ab, doch dieses selbst bleibt erhalten. Zu Keloiden besteht eine Veranlagung. Die Gebilde entwickeln sich vor allem am Hals, im Brust- und Schulterbereich. Manchmal genügt auch nur eine kleine Verletzung, damit sie entstehen, etwa ein Insektenstich. Ein Keloid kann gelegentlich auch druckschmerzhaft sein, jucken, bei entsprechender Lage die Beweglichkeit von Gelenken einschränken und vor allem psychisch stark belasten.
Diagnose: Sie ergibt sich im Allgemeinen auf Anhieb aus den Begleitumständen und dem Erscheinungsbild.
Therapie: Bei Keloiden kommen folgende Therapiewege infrage: Injektionsbehandlung mit Kortison und bestimmten Zytostatika in niedriger Dosis, operative Therapie, Laser, Vereisung (Kryotherapie) von innen. Manche Betroffenen bestehen auf der chirurgischen Entfernung. Sie kann aber einen noch stärkeren "Rückfall" provozieren. Möglich ist dieser Weg am ehesten bei Keloiden, die nicht sehr breitbasig aufsitzen. Bei Narbenproblemen, insbesondere Keloiden, ist eine unter Spezialisten (interdisziplinär) abgestimmte Behandlung empfehlenswert.

! Tipps: Hygienischer und schonender Umgang mit der Naht, eventuell Narbenpflege mit speziellen Präparaten gemäß Empfehlung des Operateurs, sowie Rauchverzicht tragen zu einer möglichst störungsfreien Wundheilung bei. Vorsicht vor Sonnenbestrahlung, solange die Narbe nicht abgeblasst ist.

Gutartige Geschwülste am Hals

Echte Geschwülste, also Gewebeneubildungen am Hals, gehen an der Körperoberfläche mitunter vom sogenannten Weich(teil)gewebe aus. Dazu gehören unter anderem Bindegewebe, Fettgewebe, Sehnen, Muskeln, Nerven. Natürlich spielt auch die Haut als Sitz von Geschwülsten eine Rolle. Gutartige Gebilde sind beim Tasten von der Umgebung in der Regel gut abgrenzbar und "verschieblich". Oft kann der Arzt eine Blickdiagnose stellen, zum Beispiel bei Lipomen.

  • Fettgewebsknoten: Lipom, Lipomatose: Lipome bestehen aus Fettzellen, haben eine Kapsel und liegen normalerweise unter der Haut. Warum sie sich bilden, ist noch unklar. Unter anderem spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Mit der Höhe der Blutfette haben sie jedenfalls nichts zu tun. Sie sind immer gutartig. Gelegentlich finden sie sich auch in inneren Organen oder Muskeln. Manche Gebilde enthalten auch Nervenfasern wie die Neurofibrolipome oder sind sehr gefäßreich wie die Angiolipome. Am Rumpf, beispielsweise am Rücken, kommen Lipome häufiger vor als am Hals. Im Nacken findet sich gelegentlich ein sogenanntes Hybernom aus braunem Fett. Dieses sehr stoffwechselaktive Fett wandelt Nahrungsenergie direkt in Körperwärme um. Normalerweise ist es nur als schmaler Saum am Hals und in der Schlüsselbeingegend vorhanden. Bei einer Lipomatose nimmt das Fettgewebe an bestimmten Körperpartien deutlich und tumorartig zu. Ein Beispiel ist der Madelung'sche Fetthals. Das Lipomatosegewebe lässt sich beim Tasten schlecht vom umgebenden normalen Gewebe abgrenzen. Betroffen sind hauptsächlich Männer. Es gibt verschiedene Krankheitsformen. Ob eine familiäre Veranlagung und Verbindungen mit einigen Stoffwechselstörungen wie auch überhöhtem Alkoholkonsum bestehen, wird nochdiskutiert.
    Symptome:

    - Lipom:
    Ein Lipom lässt sich als elastisches, gut verschiebliches Gebilde unter der Haut tasten. Die Fettgewebsknoten können nach Zahl und Größe sehr variieren – von kleinen, aber lästigen Knubbeln bis zur deutlich vorgewölbten Beule. Reizt das Gebilde einen Nerven, kann es zu Schmerzen oder Missempfindungen kommen. Angiolipome sind relativ derb und druckschmerzhaft.
    - Lipomatose:
    Abgesehen von der regellosen Ausbreitung am Hals, die dazu führen kann, dass die Beweglichkeit des Halses mitunter beeinträchtigt ist, eventuell sogar das Sprechen oder Schlucken, kann sich eine Lipomatose zum Beispiel auch im Schulterbereich oder am Oberarm entwickeln.

    Diagnose
    : Sie ergibt sich aus dem Befund bei der körperlichen Untersuchung.
    Therapie:
    Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Entfernt werden Fettgewebsgeschwülste vor allem dann, wenn sie kosmetisch stören, sehr groß sind oder angrenzendes Gewebe irritieren. Vorzugsweise geschieht das durch einen Schnitt (Exzision mit Naht; Lipektomie). Dabei entsteht allerdings eine Narbe. Doch kann das Gewebe so komplett entfernt werden. Anschließend wird es feingeweblich untersucht. Bei sehr großen Lipomen erfolgt gegebenenfalls schon vor der Exzision eine Gewebeentnahme zu Diagnosezwecken und um den Eingriff optimal planen zu können. Eine weitere Möglichkeit ist die Absaugung (Liposuktion). Dabei bleibt die Geschwulstkapsel jedoch zurück. Mitunter bilden sich nach Entfernung erneut Lipome / Lipomatosen. Bei einer Lipomatose empfehlen Ärzte, auf Alkohol zu verzichten.
  • Grützbeutel (Atherom): Auch die gutartigen Atherome oder Grützbeutel erkennt der Arzt in der Regel auf Anhieb. Ausgangspunkt sind eine oder mehrere verstopfte Talgdrüsen von Haarwurzeln. Die Zysten mit abgeschilferten Hautzellen und Talg wachsen sehr langsam unter der Haut. Atherome kommen vor allem in talgdrüsenreichen Hautpartien, oft am Haaransatz, am Hals oder im Nacken vor. Menschen mit fettiger Haut neigen manchmal dazu. Auch Veranlagung spielt eine Rolle.
    Symptome:
    Da Atherome gut und gerne Haselnussgröße erreichen können, sorgen sie bei vielen Betroffenen für Beunruhigung. Mitunter erzeugen sie auch ein Spannungsgefühl, entzünden sich und stören je nach Sitz und Größe optisch. Therapie: Der Arzt entfernt den Grützbeutel vollständig einschließlich Kapsel (Exzision in örtlicher Betäubung). Ein stark entzündetes Atherom wird zunächst oft mit einem Antibiotikum behandelt und wie ein Abszess eröffnet. Ist die Entzündung abgeklungen, wird in einem kleinen Zweiteingriff auch die Kapsel entfernt. Bei belassener Kapsel bildet sich schon bald ein Atherom nach. Auch nach vollständiger Entfernung kann an anderer Stelle ein weiteres Atherom auftreten.
    !
    Achtung: Man sollte ein Atherom nie ausdrücken, weil es sich dann entzündet und die Behandlung komplizierter wird.
  • Vagusneurinom: Das Vagusneurinom ist ein sehr seltener Tumor, der vom nervenumhüllenden Bindegewebe des Vagusnervs ausgeht und nur langsam wächst. Der Vagusnerv, auch Parasympathikus, ist Teil des vegetativen Nervensystems.
    Symptome:
    Der Tumor tritt ab und zu im Halsbereich auf, kann schmerzhaft sein und je nach Lage zu Schluckstörungen, Heiserkeit und einer Schwellung führen. Beim Betasten fühlt er sich eher glatt begrenzt, aber derb an.
    Diagnose:
    Sie ergibt sich aus dem klinischen Befund und einer bildgebenden Untersuchung wie Sonografie oder Magnetresonanztomografie.
    Therapie:
    Operative Entfernung und feingewebliche Untersuchung, auch zwecks Unterscheidung von einem Paragangliom (siehe anschließend).
  • Paragangliom: Paragangliome sind seltene, genetisch bedingte oder spontan auftretende Tumore mit Bezug zum Hormon- und Nervensystem. Ihre Einordnung in gut-oder bösartig ist nicht einheitlich, aber sie sollen im Allgemeinen eine gute Prognose haben. Am Hals zum Beispiel finden sich vereinzelt sogenannte Glomustumoren, auch Glomus-caroticum-Tumor genannt. Im Kopf-Hals-Bereich stammen diese Tumoren in erster Linie von dem sogenannten parasympathischem Nervengewebe ab, aber nur die wenigsten sind hormonell aktiv. An anderen Körperstellen kommen auch hormonell aktive Paragangliome vor, zum Beispiel in den Nebennieren (Phäochromozytom).
    Symptome:
    Paragangliome vom Typ der Glomus-caroticum-Tumoren treten meist im Alter über 30 Jahren auf und macht sich im Laufe der Zeit am Hals als schmerzlose, langsam wachsende, teils pulsierende Schwellung bemerkbar. In der Folge kann es manchmal zu Schluckbeschwerden und Heiserkeit kommen. Paragangliome am Hals können bei Lage an der Gabelung der Halsschlagader die Kreislauffühler dort beeinflussen und so zu Kreislaufreaktionen und Schwindel führen.

    Diagnose:
    Neben der Anamnese und dem körperlichen beziehungsweise HNO-ärztlichen Untersuchungsbefund zieht der Arzt für die Diagnose bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Duplexsonografie und eine Magnetresonanztomografie (MRT) heran, außerdem eine spezielle szintigrafische Untersuchung mit den Ziel, den hormonell nicht aktiven Charakter der Geschwulst zu bestätigen. Gegebenenfalls sind auch bestimmte Kreislauftests notwendig. Mithilfe einer genetischen Testung lässt sich eine zugrunde liegende familiäre Genveränderung  erkennen.
    Therapie:
    Meistens wird eine Operation angestrebt, nicht zuletzt um die Diagnose auch feingeweblich zu sichern. Gegebebenfalls wird vorab eine spezielle Gefäßuntersuchung durchgeführt, die auch zum Ziel hat, das Blutungsrisiko zu senken (Angiografie mit Embolisation).

Bösartige Geschwülste am Hals

Am Hals sind bösartige Tumoren, zu denen beispielsweise Weichteilsarkome gehören, recht selten. Die entsprechenden Geschwülste zeigen sich manchmal als derbe, schmerzlose Knoten oder Schwellungen. Dazu gehört das Dermatofibrosarcoma protuberans. Da dieser Tumor nur selten streut, sondern vor allem am Ort der Entstehung aggressiv wächst, gilt er als bedingt bösartig. Es gibt jedoch auch Unterformen, die sich ungünstiger verhalten können.
Symptome: Der Tumor ist leicht erhaben, derb, hautfarben, braun-gelblich oder rötlich gefärbt, unregelmäßig begrenzt oder knotig.
Diagnose: Notwendig ist eine Gewebeprobe, die meist in einer sogenannten Inzisionsbiopsie erfolgt. Das heißt, es wird nur ein kleinerer Gewebeanteil entnommen.
Therapie: Der Tumor wird chirurgisch entfernt (Exzision), eventuell zusätzlich oder im weiteren Verlauf bestrahlt. Auch die Therapie mit einem sogenannten Tyrosinkinase-Inhibitor wie zum Beispiel Imatinib gehört zu den Behandlungsoptionen. Mehr zum Thema "Hauttumoren" in den Ratgebern "Hautkrebs" sowie "Hautknoten und Hautschwellungen".