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Organspende: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Es ist kein angenehmes Thema, aber eines, das uns alle angeht: Die Möglichkeit, nach dem Tod oder zu Lebzeiten einem anderen Menschen durch die Spende von Organen ein besseres Leben zu ermöglichen

von Tanja Eckes, 05.10.2020

Warum sollte jeder von uns sich mit Organspende beschäftigen?

Weil durch Unfall oder Krankheit jeder Mensch schneller als gedacht in die Situation kommen kann, auf das gesunde Organ eines Spenders angewiesen zu sein oder selbst Organe spenden zu können.  "Organtransplantationen können Patienten retten, denen auf andere Weise nicht geholfen werden kann", sagt Dr. Susanne Venhaus von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Frankfurt am Main.

Sie plädiert dafür, sich zu Lebzeiten mit dem Thema zu beschäftigen, denn: "Nur dann können Sie eine selbstbestimmte Entscheidung treffen. Im Fall einer möglichen Organspende nach dem Tode ist es für die Angehörigen eine große Hilfe, wenn sie wissen, wie der Verstorbene sich entschieden hatte."

Deshalb stellt ein schriftliches Dokument, eine Patientenverfügung oder ein Organspendeausweis, eine wichtige Entlastung für die Hinterbliebenen dar. Ein entsprechender Passus im Testament wird nicht empfohlen, da das in der Regel erst zu spät eingesehen wird.

Nur bei 15 Prozent der möglichen Organspender liegt derzeit eine schriftliche Willensbekundung vor. In rund 40 Prozent der Fälle entschieden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen und in rund 19 Prozent nach ihren eigenen Wertvorstellungen.

Wie viele Menschen warten aktuell auf eine Organspende und welche Organe können überhaupt transplantiert werden?

Rund 9000 Menschen stehen bundesweit auf der Warteliste für eine Transplantation und hoffen auf eine lebensverlängernde Transplantation, viele davon schon seit mehreren Jahren. Nach den geltenden Bestimmungen ist es möglich, Nieren, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Darm nach dem Tod zu spenden. Gewebespenden wie etwa die Hornhaut der Augen, Blutgefäße oder Teile der Haut sind ebenfalls nach dem Tod möglich. Als Lebendspende können eine der beiden Nieren und ein Teil der Leber von einem Gesunden auf einen Kranken übertragen werden. Dafür gelten eigene gesetzliche Vorgaben.

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland in 46 Zentren 3192 Transplantationen nach postmortaler Spende durchgeführt. Außerdem wurden 520 Nieren und 54 Teil-Lebern nach einer Lebendspende übertragen.

Gibt es Zahlen dazu, wie viele Menschen sich als Spender zur Verfügung stellen möchten? Und muss man sich verpflichten, sämtliche möglichen Organe zu spenden?

Momentan werden Spender nicht zentral registriert. Wie viele Menschen einen Spenderausweis bei sich tragen oder eine entsprechende Patientenverfügung ausgestellt haben, ist nur aus Umfragen bekannt. Bei einer Zustimmung zur Organspende ist es möglich, die Entnahme auf bestimmte Organe einzuschränken oder auch Organe auszuschließen.
Allerdings hat der Deutsche Bundestag am 16. Januar 2020 ein Gesetz verabschiedet, das die Einrichtung eines Organ- und Gewebespenderegisters vorsieht. Dieses Online-Register soll 2022 seinen Betrieb aufnehmen.

Ist es in höherem Alter, als Raucher oder mit bestehenden Vorerkrankungen überhaupt sinnvoll, einen Organspendeausweis auszustellen?

Auf jeden Fall, denn es besteht keine Altersgrenze. Bei allen möglichen Organspendern wird im Einzelfall entschieden, welche Organe voll funktionstüchtig und damit transplantierbar sind. Es ist sinnvoll Vorerkrankungen im Organspendeausweis zu notieren. "Eine Organentnahme wird grundsätzlich ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute maligne Tumorerkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen. Bei allen anderen Erkrankungen beurteilen die Ärzte nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme infrage kommen", so Susanne Venhaus.

Wo bekomme ich einen Ausweis?

Sie können den Ausweis beispielsweise unter www.apotheken-umschau.de/organspendeausweis herunterladen oder ihn gebührenfrei unter der Telefonnummer 0800/90 40 400 (Infotelefon der Deutschen Stiftung Organtransplantation) kostenlos bestellen. Krankenkassen und private Versicherungen bieten oft ebenfalls gratis Organspendeausweise an. Und in vielen  Einwohnermeldeämtern, Arztpraxen, Apotheken oder  Krankenhäusern sind sie auf Anfrage ebenfalls erhältlich.

Was, wenn ich einen Ausweis ausgefüllt habe, es mir aber wieder anders überlege?

Dann können Sie die Entscheidung jederzeit ohne Begründung ändern oder rückgängig machen, also den Ausweis vernichten oder die Passage in der Patientenverfügung streichen. Man kann auch ausdrücklich formulieren, dass man keine Organe spenden möchte.

Mich beängstigt die Vorstellung, dass ich als ausgewiesener Organspender bei Unfall oder schwerer Erkrankung nicht die bestmögliche medizinische Versorgung bekomme. Welche Absicherungen gibt es?

"Die Bemühungen von Notärzten, Rettungsteams und Intensivmedizinern sind allein auf das Ziel ausgerichtet, das Leben von Patienten zu retten", erklärt Susanne Venhaus. "Nur bei einer kleinen Gruppe von Menschen tritt ein unumkehrbarer Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns auf, Kreislauf und Atmung können dann noch künstlich durch Beatmung und Medikamente aufrechterhalten werden." In solchen Fällen muss der sogenannte "Hirntod" des möglichen Organspenders gemäß  Transplantationsgesetz von zwei dafür qualifizierten Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Diese Ärzte und Ärztinnen dürfen weder an der Entnahme, noch an der Übertragung der Organe des Organspenders beteiligt sein, noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen.


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