Lupus erythematodes: Therapie

Lupus erythematodes kann mit Medikamenten behandelt werden. Wichtig sind außerdem Sonnenschutz und Rauchverzicht

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 05.01.2017

Bei systemischem Lupus erythematodes kann der Arzt Medikamente verordnen


Es gibt einige Basismaßnahmen, die sich bei Lupus erythematodes empfehlen. Daneben kann der Arzt eine medikamentöse Behandlung beginnen. Sie richtet sich nach der genauen Form der Erkrankung.

Allgemeine Basismaßnahmen

  • Sonnenschutz: Sowohl bei kutanem als auch bei systemischem LE ist Schutz vor ultraviolettem (UV-) Licht sehr wichtig. Bereits eine geringe UV-Exposition kann sowohl einen kutanen LE verschlechtern als auch einen Schub eines systemischen LE auslösen. Dies gilt für UVA- und UVB-Strahlung. Patienten verwenden am besten unabhängig von der Jahreszeit jeden Tag eine Sonnencreme, die sehr gut vor UVA- und UVB-Licht schützt. Arzt und Apotheker helfen bei der Auswahl geeigneter Produkte.
  • Kältschutz: Im speziellen Fall eines Chilblain-Lupus erythematodes empfiehlt es sich, zusätzlich Hände und Füße sorgfältig vor Kälte schützen.
  • Rauchverzicht: Dass Nikotin die Gefäßschäden bei Lupus erythematodes verstärkt, ist schon lange bekannt. Neuen Studien zufolge begünstigt Rauchen zusätzlich die Entzündungsreaktion im Rahmen des Lupus erythematodes. Deshalb sollten Patienten auf das Zigarettenrauchen ganz verzichten.
  • Passende Verhütungsmethode wählen: Patientinnen mit LE besprechen am besten mit dem Arzt, welche Verhütungsmethode im individuellen Fall geeignet ist. Hormonelle Verhütungsmethoden wie östrogenhaltige "Pillen", die "Drei-Monats-Spritze" oder die "Hormonspirale" können die Krankheit-Symptome womöglich verschlimmern. Die gestagenhaltige "Minipille" ist frei von Östrogenen und eine mögliche Alternative.

Behandlung: Was hilft bei kutanem Lupus erythematodes?

Creme oder Salbe: Bei gering ausgeprägten Formen eines kutanen Lupus erythematodes versucht der Arzt zunächst für einige Wochen eine örtliche Behandlung mit einem Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form einer Creme oder Salbe.

Reicht dies nicht aus oder bestehen im Rahmen eines subakut kutanen Lupus erythematodes (SCLE) neben den Hautveränderungen auch Gelenkschmerzen, verordnet der Arzt Tabletten.

Wichtig zu wissen: Derzeit ist kein Medikament zur innerlichen Anwendung offiziell für die Behandlung des kutanen LE zugelassen. Arzt und Patient müssen also gemeinsam ausführlich besprechen, ob die innerliche Therapie im Einzelfall trotzdem infrage kommt, welche Risiken bestehen und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Medikamente der ersten Wahl bei kutanem LE sind die Antimalariamittel Hydroxychloroquin und Chloroquin. Vor der ersten Einnahme lässt der Arzt üblicherweise Blutbild, Leber- und Nierenwerte bestimmen und veranlasst eine augenärztliche Untersuchung. Während der Therapie wiederholt der Arzt die Untersuchungen, um sicherzugehen, dass das Medikament auch weiterhin gut vertragen wird. In der Regel bessern sich die Hautveränderungen nach sechs- bis achtwöchiger Einnahme. Sind sie ganz abgeheilt, kann das Medikament im darauf folgenden Winter versuchsweise abgesetzt werden. Falls erforderlich, wird die Behandlung im Frühjahr fortgesetzt.

Patienten, die auf Antimalariamittel nicht oder nicht ausreichend ansprechen, können je nach Untertyp des kutanen LE alternativ bestimmte Medikamente der zweiten Wahl erhalten. Auch diese sind nicht offiziell für die Behandlung des kutanen LE zugelassen, darunter zum Beispiel Vitamin A-Säure-Abkömmlinge (Retinoide), Thalidomid, Azathioprin, Mycophenolatmofetil oder Methotrexat. Je nach Wirkstoff sind bei der Behandlung besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Der behandelnde Arzt informiert dazu.

Gelegentlich sind die Hautverändeurngen eines kutanen LE so stark entzündet, dass die Entstehung unschöner Narben droht. Besonders häufig kommt dies beim diskoiden Lupus erythematodes (DLE) vor. In solchen Fällen verordnet der Arzt für einige Wochen zusätzlich ein Kortisonpräparat (Glukokortikoid), um einer weiteren Vernarbung vorzubeugen.

Sind bereits Narben oder dauerhafte Veränderungen der Hautpigmentierung entstanden, hilft ein spezielles, stark abdeckendes Make-up (Camouflage).

Behandlung: Was hilft bei systemischem Lupus erythematodes?

Welches Medikament der Arzt für einen individuellen Patienten mit systemischem Lupus erythematodes auswählt, hängt vom Ausmaß der Entzündungsreaktion und von den betroffenen Organen ab.

Bei leichten Formen des systemischen LE mit vorwiegender Beteiligung von Haut und Gelenken sind die Antimalariamittel Hydroxychloroquin und Chloroquin die Medikamente der ersten Wahl. Diese beeinflussen die Aktivitäten des Abwehrsystems, unterdrücken sie jedoch nicht. Vor und während der Therapie lässt der Arzt verschiedene Blutwerte sowie die Augen kontrollieren.

Ist die Entzündungsreaktion stärker ausgeprägt, kann der Arzt zusätzlich ein Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form von Tabletten verordnen. Diese Akuttherapie führt im Allgemeinen rasch zur Besserung. Anschließend reduziert der Arzt die Glukokortikoid-Dosis schrittweise. Bei vielen Betroffenen kann das Medikament nach und nach ganz abgesetzt werden. Gelegentlich ist eine Dauertherapie mit einer niedrigen Dosis erforderlich.

SLE: Was tun bei starker Entzündung?

Im Fall einer besonders starken Entzündungsreaktion verabreicht der Arzt gleichzeitig mit dem Glukokortikoid ein Medikament, das die Immunreaktion unterdrückt (Immunsuppressivum) und das über einen längeren Zeitraum eingenommen werden kann. Durch regelmäßige Blutuntersuchungen vergewissert sich der Arzt, dass der Patient den Wirkstoff auch langfristig verträgt. Als Immunsuppressivum kommt bei schwereren Formen des systemischen LE vor allem Azathioprin in Betracht, bei besonders ausgeprägtem Gelenkbefall auch Methotrexat (MTX). Bei akuten, lebensbedrohlichen Verläufen oder schwerer Nierenbeteiligung verabreicht der Arzt Cyclophosphamid.

Führt der systemische LE zu einer ausgeprägten Verminderung der Blutzellen, empfiehlt der Arzt eventuell anstelle eines Immunsuppressivums eine Infusionsbehandlung mit speziellen körpereigenen Eiweißsubstanzen (Immunglobulinen) in hoher Dosierung. Dabei handelt es sich um eine Mischung von Antikörpern aus dem Blut zahlreicher Menschen. Diejenigen Bestandteile, die die Antikörper miteinander gemeinsam haben, binden an bestimmte Strukturen (Rezeptoren) an der Oberfläche von verschiedenen Zellen des Immunsystems. Dabei beeinflussen sie in komplexer Weise die Aktivitäten dieser Zellen, unterdrücken die Entzündungsreaktion in Haut und inneren Organen und hemmen die Bildung von Autoantikörpern.

Patienten mit einem sehr schweren systemischen LE können zusätzlich zu einem Immunsuppressivum und / oder Glukokortikoid-Tabletten einen Antikörper gegen den Botenstoff B-Lymphozyten-Stimulator (BLyS) erhalten. Dieser Antikörper wird als Infusion verabreicht und verhindert, dass der Botenstoff Immunzellen zur Bildung von Autoantikörpern anregt. Erfahrungsgemäß wirkt das Medikament gut gegen die Entzündung an den inneren Organen, weniger gut gegen die Entzündung an der Haut.

Lupus erythematodes und Schwangerschaft

Ein systemischer LE kann während einer Schwangerschaft zu verschiedenen Komplikationen führen. Umgekehrt kann eine Schwangerschaft die Entzündungsaktivität der Krankheit erhöhen, und nicht alle Medikamente sind für werdende Mütter geeignet. Daher sollten sich Frauen mit einem systemischen LE ihren Kinderwunsch möglichst in Krankheitsphasen erfüllen, in denen die Entzündungsaktivität eher gering ist. Vor einer geplanten Schwangerschaft ist eine gute Beratung durch den behandelnden Arzt wichtig. Er kann zum Beispiel Kontrolluntersuchungen vornehmen, um das Risiko für Mutter und Kind gering zu halten.