Den Arzt wechseln: Geht das so einfach?

Was Sie bei einem Hausarztwechsel, einer Facharztüberweisung und dem Einholen einer Zweitmeinung beachten sollten

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 24.11.2016

Gutes Verhältnis: Patienten müssen Vertrauen zu ihrem Arzt haben


Als Werner Hofer vor drei Jahren von Hamburg nach Berlin zog, wo seine Tochter lebt, musste er sich zwangsläufig einen neuen Hausarzt suchen – und wurde schnell fündig. Eine Praxisgemeinschaft, zu der auch ein Internist gehört, und das ganz in der Nähe seiner neuen Wohnung. Für den Rentner, der unter einer Herzschwäche leidet und deshalb nicht mehr so gut zu Fuß ist, zwei schlagkräftige Argumente.

Arztwechsel trotz Vertrag möglich?

Lange fühlte er sich dort gut aufgehoben. Doch dann diagnostizierte sein Arzt einen harmlosen grippalen Infekt, der sich aber zu einer schweren Lungenentzündung auswuchs. Werner Hofer glaubt nicht einmal, dass der Arzt wirklich einen Fehler gemacht hat, aber trotzdem "ging dadurch mein Vertrauen in ihn verloren", sagt er. Deshalb möchte Hofer jetzt zu einem anderen Hausarzt wechseln, den ihm Bekannte wärmstens empfohlen haben. Aber geht das überhaupt? Und wenn ja, was muss man dabei beachten?

Mit diesen Fragen wird Heike Morris, juristische Leiterin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), häufiger konfrontiert. "Die Patienten sind zunehmend verunsichert, ob ein Wechsel unkompliziert möglich ist, insbesondere seitdem die gesetzlichen Krankenkassen Hausarztverträge und sogenannte Disease Management Programme anbieten."  

Freie Arztwahl gesetzlich verankert

Dabei ist die Gesetzeslage zunächst eindeutig, denn in Deutschland besteht das Recht auf freie Arztwahl. Das heißt, jeder bei den gesetzlichen Krankenkassen versicherte Patient darf sich unter den niedergelassenen, an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Hausärzten den aussuchen, zu dem er gehen möchte. Und er darf den Arzt jederzeit wechseln, auch im Quartal, "eine Begründung oder Erklärung ist nicht nötig", wie Heike Morris betont.

All das gilt gleichermaßen für Privatversicherte. Morris rät allen Patientinnen und Patienten, bei Bedarf von diesem Recht Gebrauch zu machen. "Denn das Arzt-Patienten-Verhältnis setzt Vertrauen voraus. Ist dieses nachhaltig erschüttert, so fehlt der Grundpfeiler für die Behandlung."

Nimmt der Patient an einem Haus- oder Primärarztmodell teil (sogenannte hausarztzentrierte Versorgung, die Teilnahme ist freiwillig), wird das Wechseln komplizierter. Bei diesem Versorgungskonzept, das die gesetzlichen Krankenkassen seit Juni 2009 in ihrem Angebot haben müssen, fungiert ein Arzt als erster Ansprechpartner und Lotse durch den Dschungel des Gesundheitswesens.

Dieser Primärarzt bleibt zwar weiterhin frei wählbar. "Für die Vertragslaufzeit ist dann zunächst immer dieser Arzt aufzusuchen", erläutert Morris. Im Gegenzug können die Kassen dem Versicherten Sonderleistungen und Prämien anbieten. Auch bei den Privaten ist die Hausarztvariante günstiger als die normale Krankenversicherung.

Im Vertrag auf Kündigungsfristen achten

Die Laufzeiten liegen je nach Krankenkasse zwischen einem und drei Jahren. Genaueres steht im Vertrag. Ebenso wie die Kündigungsfristen, die – will man aus dem Programm aussteigen – unbedingt beachtet werden sollten, denn sonst verlängert sich die Laufzeit automatisch. Den Primärarzt im Zeitraum der Vertragsbindung einfach wechseln, dürfen die Teilnehmer nicht. Beziehungsweise nur, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Dazu zählen die Kassen zum Beispiel den Umzug der Arztpraxis oder des Versicherten selbst.

Was aber, wenn Patient oder Patientin sich beim erwählten Arzt einfach nicht gut aufgehoben und behandelt fühlt? In diesem Fall rät Heike Morris, sich zum einen an die eigene Krankenkasse zu wenden. Die Krankenkasse könne bei der Suche nach Lösungen behilflich sein. Bedingung bei einem Wechsel sei allerdings, dass der neue Arzt ebenfalls einen Vertrag mit der Kasse des Patienten hat.

Zum anderen können auch die Mitarbeiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland helfen, die Ratsuchende kostenlos und im gesetzlichen Auftrag beraten. So gebe es etwa die Möglichkeit, die Teilnahmeerklärung schriftlich zu widerrufen, "wenn zum Beispiel schon innerhalb der ersten zwei Wochen das Bauchgefühl nicht mehr stimmt", erklärt die Expertin.

Außerdem bleibt dem Patienten noch das Recht zur außerordentlichen Kündigung, etwa bei unüberbrückbaren Differenzen.

Patient hat Recht auf Herausgabe der Krankenakte

Um eventuelle Komplikationen zu vermeiden, empfiehlt die unabhängige Patientenberatung, beim Wechseln des Hausarztes sämtliche Unterlagen über Vorerkrankungen und frühere Untersuchungen am besten selbst mitzunehmen. Patienten haben generell Anspruch auf die Herausgabe ihrer Krankenakte, zumindest in Kopie. Der zweite Weg ist, den neuen Arzt zu bitten, die Unterlagen von der alten Praxis anzufordern. Manchmal wird dafür das schriftliche Einverständnis des Patienten gefordert, unbedingt nötig ist das aber eigentlich nicht.

Das Gebot der Freiheit gilt ebenso bei der Wahl eines Facharztes. Das wird schon daran ersichtlich, dass der Kranke nicht zu einer konkreten Person überwiesen wird, sondern vielmehr zu einem Arzt aus einer bestimmten Fachdisziplin. Personen ohne Hausarztvertrag dürfen auch ohne Überweisung zum Facharzt gehen. Nimmt man an einem Versorgungsprogramm teil, ist der direkte Gang nur zu Vertretern einiger Disziplinen erlaubt – zum Gynäkologen, Augenarzt oder Kinderarzt. Generell sind Hausärzte angehalten, ihren Patienten in einem Quartal nicht zwei Überweisungen für denselben Fachbereich auszustellen. Sollte das Verhältnis zu einem Facharzt so schlecht sein, dass eine optimale Behandlung dadurch unmöglich wird, gibt es aber auch hier Spielraum. Weil dann eine medizinische Notwendigkeit besteht, kann der Hausarzt eine weitere Überweisung ausschreiben.

Recht auf Zweitmeinung: Ja – vor bestimmten Operationen

Ganz ähnlich verhält es sich, wenn der Patient eine Zweitmeinung einholen möchte. Insbesondere vor eventuell anstehenden Operationen möchten sich viele Menschen durch die Einschätzung eines zweiten Fachmanns absichern. Die Expertin führt dazu aus: "Seit Mitte letzten Jahres haben gesetzlich versicherte Patienten einen rechtlichen Anspruch auf eine Zweitmeinung vor bestimmten planbaren und mengenanfälligen Operationen, wie zum Beispiel bei Hüftprothesen oder Bypässen."

Der Gesetzgeber habe erkannt, dass hier die Gefahr besteht, dass die Entscheidung über die Operation auch von wirtschaftlichen Interessen des Krankenhauses geleitet sein kann. Allerdings müssten jetzt noch Richtlinien dazu erlassen werden, welche Operationen konkret "planbar und mengenanfällig" sind. "Sobald diese feststehen, muss der erstbehandelnde Arzt seine Patienten sogar darauf hinweisen, dass sie eine Zweitmeinung einholen können", so Morris.

Auch Krankenkassen halten einen Zweitmeinungsservice vor

Einige gesetzliche Krankenversicherungen bieten Versicherten bereits jetzt als sogenannte Satzungsleistung die Möglichkeit zur Einholung einer Zweitmeinung zu medizinischen Maßnahmen an, etwa bei einschneidenden Diagnosen und Therapientscheidungen. Die Angebote unterscheiden sich jedoch von Krankenkasse zu Krankenkasse, daher sollten Versicherte auch hier nachfragen.


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