Das hartnäckige Suchen nach einem Mittel für mehr Liebeskraft

Schon lange sucht der Mensch nach Mittelchen, die der Leidenschaft auf die Sprünge helfen. Als potenzsteigernd galten schon Avocados, Extrakte aus Meerschweinchenhoden und Flügel der Spanischen Fliege

von Dr. Christian Heinrich, 08.12.2016

Die Geschichte der Menschheit ist auch eine Geschichte der Liebe. Seit Anbeginn wünschen wir uns Mittelchen, mit denen sich die Leidenschaft der oder des Geliebten entfachen lässt – oder die der eigenen Liebeskraft auf die Sprünge helfen.

Auf der Suche nach Aphrodisiaka und Potenzmitteln wähnten sich die Menschen schon oft am Ziel. Im 16. Jahrhundert amüsierten sich zum Beispiel spanische Forschungsreisende in Mexiko über die an den Bäumen baumelnden Früchte. Als sie erfuhren, dass "Avocado" in der Sprache der Einheimischen "Hoden" bedeutet, waren sie begeistert. Wenig später schmierten sich in Europa Menschen Avocadopaste auf die Genitalien.

Wegen eines Missverständnisses galt auch die Tomate einmal als Potenzmittel. Weil die Mauren das Gemüse nach Europa gebracht hatten, hieß es in Frankreich "Pomme de Maure" (Apfel der Mauren), die Engländer verstanden aber "Pomme d’Amour" (Liebesapfel).

Zu extremen Methoden griff der französische Chirurg Serge Voronoff (1866 bis 1951). Er injizierte sich im Selbstversuch Extrakte aus den Hoden von Hunden und Meerschweinchen. Weil das nicht wirkte, stieg er auf Affenhoden um und machte selbst vor den Genitalien hingerichteter Verbrecher nicht halt, die er seinen "Patienten" implantierte.

Eine Substanz aus den Flügeln der Spanischen Fliege war seit der Römerzeit bis ins 20. Jahrhundert das am weitesten verbreitete Potenzmittel. Wie die Legende in die Welt kam, dass dieses Mittel aphrodisisch wirkt, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass nichts dran ist.

Die Spanische Fliege hat dafür einige unangenehme Wirkungen: Sie reizt den Harntrakt, führt zu Brechreiz und Durchfall, und sie kann die Nieren dauerhaft schädigen. Auch bei Herzrhythmusstörungen mit Todesfolge wurde die Spanische Fliege schon als Auslöser identifiziert.

Dabei steckt ein hervorragendes Aphrodisiakum in jedem von uns: Die als "Bindungshormon" bekannte Substanz Oxytocin wird beim Orgasmus ausgeschüttet. Es erzeugt ein Gefühl persönlicher Verbundenheit und steigert nachweislich die Lust – auch dann, wenn es als Nasenspray zugeführt wird.