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Zuzahlungen für Medikamente sparen

Für Arzneimittel wird bei gesetzlich Versicherten ein Eigenanteil fällig. Experten verraten Tipps, wie sich die Kosten senken lassen

von Barbara Kandler-Schmitt, 26.09.2019
Apotheker mit Kundin

Fünf bis zehn Euro für die Krankenkasse: Ab dem 18. Geburtstag können für Patienten beim Medikamentenkauf zusätzliche Gebühren anfallen. Doch der finanzielle Mehraufwand lässt sich umgehen


Die Zuzahlungen von gesetzlich Krankenversicherten sind laut Bundesregierung in den vergangenen zwei Jahren um fast neun Prozent gestiegen – auf ingesamt 4,21 Milliarden Euro im Jahr 2018. Damit mussten die Patienten rund 108 Millionen Euro mehr zahlen als 2017 und sogar 342 Millionen Euro mehr als 2016. "Diese Entwicklung macht vor allem Älteren und chronisch Kranken zu schaffen," sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Warum muss ich für Arzneimittel zuzahlen?

Wenn Apotheker für jedes auf Kassenrezept verordnete Medikament fünf bis zehn Euro kassieren, tun sie das nicht, um daran zu verdienen. "Wir leiten die Gebühren in vollem Umfang an die Krankenkassen weiter", betont Susanne Nowotnick, Apothekeninhaberin aus dem thüringischen Hermsdorf.

Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren müssen einen Teil ihrer Arzneimittelkosten selbst übernehmen. "Der Eigenanteil beträgt zehn Prozent des Preises, mindestens fünf und maximal zehn ­Euro pro Packung", erklärt Nowotnick. Verschreibt der Arzt ein günstigeres Medikament, fallen also unter Umständen auch geringere Zuzahlungen an. Kostet das Medikament aber weniger als fünf Euro, trägt der Patient die Kosten allein.

Tipp: Wenn Sie für Arzneimittel zuzahlen müssen, bewahren Sie die Belege für Ihre Steuererklärung auf. Zuzahlungen können Sie als außergewöhn­liche Belastung absetzen.

Frau sitzt zwischen Papieren

Kann ich mich von der Zuzahlung befreien lassen?

Kein Patient muss unbegrenzt zuzahlen. "Übersteigen die Kosten zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, kann man sich bei seiner Krankenkasse von den Zuzahlungen befreien lassen", sagt Apothekerin Nowotnick. Für chronisch kranke Menschen gilt eine reduzierte Zuzahlungsgrenze von einem Prozent der jährlichen Einnahmen.

Wer einen Befreiungsantrag stellt, muss die Zuzahlungsquittungen sammeln und zusammen mit Nachweisen über Gehalt, Rente und Mieteinnahmen bei seiner Krankenkasse einreichen. "Lassen Sie in der Apotheke Name und Geburtsdatum auf die Belege schreiben, sonst erkennt die Kasse sie nicht an", rät Nowotnick.

Wer seine jährliche Belastungsgrenze bereits überschritten hat, bekommt den zu viel bezahlten Betrag zurück. Die Zuzahlungsbefreiung muss jedes Jahr neu beantragt werden, am besten schon Mitte Oktober.

Tipp: Wer eine Stammapotheke mit Kundenkarte hat, kann sich seine ­­Zuzahlungsbelege einfach ausdrucken lassen und spart sich das lästige Sammeln einzelner Quittungen.

Apothekerin Susanne Nowotnick

Ich habe einen Befreiungsausweis. Wieso muss ich doch manchmal zahlen?

Um ihre Arzneimittelausgaben zu senken, haben die gesetzlichen Krankenkassen für zahlreiche Wirkstoffe sogenannte Festbeträge festgelegt. "Liegt der Preis des verordneten Präparats über dem jeweiligen Festbetrag, muss der Patient die Differenz selbst bezahlen – und zwar zusätzlich zur gesetz­lichen Zuzahlung von fünf bis zehn ­Euro", erklärt Nowotnick.

Solche sogenannten Aufzahlungen können auch für Kinder und zuzahlungsbefreite Patienten anfallen. "Wer das Arzneimittel zum Festbetrag nicht verträgt, zahlt also die Differenz selbst", sagt VdK-Präsidentin Bentele. Diese Eigenanteile seien selbst für chronisch Kranke nicht begrenzt. Ärzte müssen ihre Patienten allerdings über die anfallenden Mehrkosten informieren.

Tipp: Verschreibt der Arzt ein Präparat über Festbetrag, fragen Sie nach Alternativen. Wenn der Arzt den Austausch nicht per Aut-idem-Kreuz ausgeschlossen hat und der Wirkstoff nicht auf der Substitutionsverbotsliste steht, dürfen Apotheker wirkstoffgleiche Präparate ohne Aufzahlung abgeben.

Warum muss ich für andere Arzneien auch ohne Befreiung nichts zahlen?

Der GKV-Spitzenverband kann besonders preisgünstige Mittel von der gesetzlichen Zuzahlung befreien. "Der Abgabepreis muss dann aber mindestens 30 Prozent unter dem vereinbarten Festbetrag liegen", so Nowotnick.

Auch im Rahmen von Rabattverträgen verzichte manche Kasse auf Zuzahlungen. "Je nachdem, mit welchen Herstellern eine Kasse Rabattverträge abgeschlossen hat, können für das gleiche Präparat unterschiedlich hohe Kosten anfallen." Und ändert die Kasse den Vertragspartner, können vorher zuzahlungsbefreite Medikamente wieder kostenpflichtig werden.

Tipp: Erkundigen Sie sich beim GKV-Spitzenverband nach zuzahlungsfreien Medikamenten (auf www.gkv-spitzenverband.de gelistet unter "Services"). Und fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse, mit welchen Herstellern sie Rabattverträge abgeschlossen hat. Wer auf bestimmte Medikamente dauerhaft angewiesen ist, sollte das bei der Wahl seiner Krankenkasse berücksichtigen.