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Wirkstoffpflaster richtig anwenden

Wirkstoffhaltige Pflaster transportieren Arzneistoffe gleichmäßig durch die Haut ins Blut. Eine elegante Lösung, doch Fehler bei der Anwendung können gefährlich werden. Tipps aus der Apotheke vor Ort helfen

von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 20.11.2019
Frau mit Pflaster auf dem Oberarm

Dran denken: Wirkstoffpflaster sollten wie alle Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahrt und entsorgt werden


Das steckt drin

Moleküle, die so klein sind, dass sie durch die Haut dringen. "Die Wirkung tritt mit zeitlicher Verzögerung ein, weshalb Pflaster sich nicht für die Akuttherapie eignen", erklärt Apothekeninhaber Dr. Philipp Saiko aus Wien. Zu den ­Anwendungsgebieten gehören starke Schmerzen, die Hormonersatztherapie oder Nikotinentwöhnung.

Infografik: Wirkstoffpflaster

Matrixpflaster sind dünner als Membranpflaster und werden deshalb häufiger verwendet. Bei ihnen ist der Wirkstoff in eine Klebematrix eingearbeitet und dringt gleichmäßig aus dieser Haftschicht in die Haut.

Membranpflaster enthalten ein Wirkstoffreservoir: Der Arzneistoff ist in einer Flüssigkeit gelöst oder verteilt. Eine Kontrollmembran steuert die Freisetzung des Wirkstoffs. Sie darf deshalb nicht beschädigt werden.

Die Pluspunkte

  • Da Pflaster ihre Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum abgeben, müssen die Patienten nicht an eine regelmäßige ­Tabletteneinnahme denken. Das wirkt sich positiv auf die Therapietreue aus.
  • Auch bei Schluckbeschwerden ist die Anwendung über die Haut von Vorteil.
Apotheker Dr. Philipp Saiko

Klebe-Knigge

  • Auf intakte, unbehaarte Haut am Rücken, Bauch, Oberschenkel oder Oberarm kleben. Die Stelle bei jeder Anwendung wechseln.
  • Die Stelle vorher mit Wasser, aber ohne Seife reinigen. "Nicht eincremen oder rasieren", rät Saiko. Cremes verschlechtern die Klebefähigkeit, eine Rasur kann Verletzungen verursachen, die die Wirkstoffaufnahme er­höhen. "Auch Seife und Kosmetika können die Haut ­reizen und gefährlich erhöhte Wirkstoffspiegel hervorrufen."
  • Pflaster nicht zerschneiden, da sonst bei Matrix­pflastern die Dosierungsgenauigkeit nicht gewährleistet und die Klebefähigkeit beeinträchtigt wird. Bei Membranpflastern kann es durch die Beschädigung der Membran zu einer unkontrollierten Wirkstoffabgabe kommen.

Vorsicht bei Wärme

Beklebte Stellen vor Wärmeeinwirkung schützen, etwa durch Sonnen­­einstrahlung, Wärmekissen und die Sitzheizung im Auto. Saiko: "Sonst werden vermehrt Wirkstoffe freigesetzt, was bei starken Schmerz­mitteln lebensgefährlich sein kann."

Vorteil Apotheke

Ein Forscherteam der Universität Heidelberg hat kürzlich eine Studie zu den Packungsbeilagen von 81 verschiedenen Wirkstoffpflastern veröffentlicht. Ergebnis: Kein einziger Beipackzettel enthielt alle aus pharmazeutischer Sicht notwendigen Anwendungshinweise. "Verlassen Sie sich nicht allein auf die Packungsbeilage, sondern lassen Sie sich die korrekte Anwendung in Ihrer Apotheke vor Ort demonstrieren", sagt Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer.


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