Wie dosiert man flüssige Arzneimittel?

Tropfen sind leichter zu schlucken als Tabletten. Die richtige Dosierung kann aber schwierig sein, etwa weil das Medikament zu schnell aus der Flasche träufelt. Was Patienten beachten sollten

von Christian Krumm, 26.07.2018
Flüssige Arzneien richtig dosieren

Beim Dosieren von flüssigen Arzneien kommt es auf die richtige Tropfengröße an. Dabei spielt auch die Art der Flasche eine Rolle


Sie sind individuell dosierbar, wirken oft besonders schnell und eignen sich für alle, die Probleme haben, Tabletten oder Kapseln zu schlucken. Flüssige Arzneimittel wie Tropfen sind deshalb wichtige Darreichungsformen – bei deren Einnahme jedoch häufig Fehler passieren. Nicht immer gelingt es beispielsweise, die für die richtige Dosis erforderlichen Tropfen exakt abzuzählen. Dazu braucht der Patient Zeit, Konzentration und gute Augen.

Mitunter fallen die Tropfen viel zu schnell oder zu langsam aus der Flasche. Das passiert meist dann, wenn Flüssigkeit in die feinen Belüftungsröhrchen der Tropfkonstruktion gelangt, etwa weil die Flasche geschüttelt oder liegend aufbewahrt wurde. Was tun?

So tropft die Flasche wieder richtig

Meist genügt ein leichtes Antippen des Flaschenbodens mit einem Finger. Alternativ die aufrecht stehende Flasche mit einem kräftigen Ruck auf die Tischfläche klopfen, um die Belüftungsröhrchen zu leeren. "Keinesfalls die Tropfvorrichtung an der Flasche manipulieren", sagt Nikolai Kupsch, Apotheker in Berlin. Auch ein zu kräftiges Klopfen oder Schütteln kann die Dosierung des Arzneimittels verändern.

Für eine exakte Anwendung rät Kupsch den Patienten, die Anweisungen in der Packungsbeilage zu beachten oder den Apotheker zu fragen. Je nach Konstruktion des Tropfers muss man beispielsweise die Flasche in ­einer bestimmten Position halten. Dabei lassen sich zwei Systeme unterscheiden, die Fachleute als Rand- und Zentraltropfer bezeichnen.

Tropfenvarianten

Zentraltropfer senkrecht, Randtropfer schräg halten!

Für Letztere ist ein feines Röhrchen in der Mitte der Tropfvorrichtung charakteristisch. "Solche Tropfer müssen unbedingt senkrecht gehalten werden, damit sie die richtige Tropfengröße abgeben", so Kupsch. Die selteneren Randtropfer dagegen müssen schräg gehalten werden. Das Volumen der Tropfen hängt nicht nur von der Flüssigkeit, sondern auch von der Abtropffläche ab.

Wie wichtig die richtige Tropfengröße ist, betont auch Dr. Wolfgang Kircher, Arzneiformen- Experte aus dem oberbayerischen Peißenberg: "Das Tropfenvolumen kann bei einer falschen Anwendung um bis zu 25 Prozent differieren."

Bei pflanzlichen oder homöopathischen Präparaten sei das für die Therapie nicht bedeutsam, so Kircher. Sehr wohl aber bei stark wirksamen Medikamenten, etwa Psychopharmaka. 

Im Zweifelsfall in der Apotheke nachfragen

Auch wer schon länger Tropfen einnehmen muss, kann plötzlich vor Problemen stehen – etwa wenn Patienten aufgrund von Rabattverträgen das Medikament eines anderen Herstellers bekommen. Dann sind vielleicht auch die Tropfer anders konstruiert. In der Apotheke kann man Fragen dazu beantworten. 

Am unkompliziertesten ist die Dosierung bei speziellen Flaschen mit Dosierpumpen. Einige Pharmafirmen bieten ihre Medikamente inzwischen auch in dieser Darreichungsform an. Vor allem bei starken Schmerzmitteln wie Opioiden ist das für Patienten eine wichtige Unterstützung.

Augen- und Ohrentropfen sind leichter zu dosieren

Im Gegensatz zu Präparaten, die geschluckt werden müssen, kommt es bei Augen- und Ohrentropfen nicht unbedingt auf das exakte Tropfenvolumen an. Überschüssige Flüssigkeit spült etwa das Auge nach der Anwendung umgehend wieder durch die Tränenkanäle aus. Nur etwa 7,5 Mikroliter beträgt das Volumen des Tränenfilms im Auge. Zum Vergleich: Der Tropfen eines Arzneimittels ist etwa vier- bis fünfmal so groß.

Somit genügt es also, bei jeder Anwendung einen einzigen Tropfen ins Auge zu bringen. Am besten gelingt das über den Bindehautsack. Manche Patienten tun sich mit Tropfaufsätzen leichter, die es in der Apotheke gibt. Allerdings ist auch damit etwas Übung erforderlich. Wichtig: Nicht alle Augentropfen vertragen sich problemlos mit Kontaktlinsen. Fragen Sie vorher in der Apotheke, wenn Sie nicht sicher sind. Oder weichen Sie für die Dauer der Therapie auf eine Brille aus.

Nikolai Kupsch

Schwindel? Ohrentropfen vorab anwärmen!

Ohrentropfen sind ebenfalls meist recht unproblematisch anzuwenden. Apotheker Nikolai Kupsch empfiehlt, die Tropfflasche zuvor in der Hand auf Körpertemperatur anzuwärmen, um einen unangenehmen Kältereiz im Ohr zu vermeiden. Ein solcher Reiz könnte schmerzhaft sein und eventuell sogar Schwindel hervorrufen.

Beim Einträufeln gilt: den Kopf leicht auf die Seite neigen und die Ohrmuschel etwas nach hinten oben ziehen. Das sorgt dafür, dass der normalerweise gekrümmte Gehörgang gerade liegt. So gelangen die meist zähflüssigen Tropfen gut an den Wirkort.

Beachten Sie bei Flüssigarzneimitteln die Aufbrauchfrist

  • Nach Anbruch halten die meisten Flüssigarzneimittel nicht mehr lange. Notieren Sie daher das Anbruchdatum auf der Packung.
  • Vor allem Augen- und Ohrentropfen sind trotz Konservierungsmitteln oft nur sehr kurz haltbar.
  • Die Packungsbeilage informiert über Haltbarkeitsdauer und Aufbrauchfrist.
  • Entsorgen Sie das Medikament anschließend mit dem Restmüll, keinesfalls über die Spüle oder die Toilette, um das Abwasser nicht zu belasten.