Welche Tabletten darf man teilen?

Studien zeigen: Jede vierte Tablette wird geteilt. Doch bei vielen Präparaten ist das eigentlich nicht vorgesehen und kann für den Patienten gefährlich werden
von Apothekerin Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 15.03.2017

Vielen Menschen bereitet es Probleme, eine Tablette zu halbieren. Oft bilden sich Brösel oder die Hälften sind unterschiedlich groß

istock/victorpr

Die Tabletten sind so groß, dass Sie sie kaum schlucken können. Das Medikament gibt es nicht in der Wirkstärke, die Sie benötigen. Der Arzt verschreibt gezielt ein Mittel in höherer Stärke, von dem Sie nur die Hälfte einnehmen müssen. So hält die Packung länger, was Kosten spart. Es gibt genügend Gründe, warum Patienten ihre Tabletten teilen beziehungsweise teilen sollen.

Eine Studie der Universität Heidelberg ergab, dass jede vierte Tablette geteilt wird. Vielen Menschen bereitet das Probleme: Es bilden sich Brösel, die Hälften sind ungleich groß, die Pillen sind winzig oder es fehlt eine Bruchkerbe. Eine Untersuchung an alten Menschen, die im Krankenhaus lagen, zeigte, dass über 70 Prozent von ihnen nicht in der Lage waren, ihre Tabletten zu halbieren.

Tabletten teilen: Die möglichen Risiken

Das Zerkleinern birgt Gefahren. In der einen Tablettenhälfte kann sich mehr Wirkstoff befinden als in der anderen. Dadurch kann das Mittel plötzlich stärker wirken und Nebenwirkungen hervorrufen. Oder es ist zu schwach dosiert und hilft nur unzureichend. Manche Arzneistoffe (zum Beispiel Omeprazol) werden von der Magensäure zerstört, weshalb die Tabletten mit einem magensaftresistenten Überzug versehen sind.

Zerkleinern Sie ein solches Präparat, fällt der schützende Effekt weg. Andere Mittel sollen ihre Wirkung über den ganzen Tag entfalten. Aus der speziell hergestellten Tablette entweicht gleichmäßig eine kleine Menge Wirkstoff. Brechen Sie eine solche Retardtablette auseinander, wird die Arznei unkontrolliert freigesetzt. Dies kann unter anderem bei Schmerzmitteln gefährlich werden.

Welche Tabletten sollten Sie nicht teilen?

Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft drückt sich da sehr vorsichtig aus: Besitzt die Tablette keine Bruchkerbe, dürfen Sie das Mittel normalerweise nicht zerteilen. Auch wenn im Beipackzettel nicht explizit steht, ob das Präparat teilbar ist, sollten Sie davon absehen. Sogenannte Weichgelatinekapseln und Dragees lassen sich meistens ebenfalls nicht zerkleinern. Als Laie können Sie kaum erkennen, ob eine Tablette mit einem speziellen Überzug versehen ist, der sie zum Beispiel magensaftresistent macht. Fragen Sie daher in der Apotheke nach, ob Sie das entsprechende Medikament halbieren dürfen.

Welche dürfen Sie zerkleinern?

Nur wenn sich im Beipackzettel ein entsprechender Hinweis findet, dürfen Sie die Tablette mit gutem Gewissen in zwei Hälften teilen. Bruchkerben lassen zwar vermuten, dass Sie das Präparat brechen dürfen, dies ist jedoch keine Garantie. Denn manche Tabletten enthalten eine Bruchkerbe nur, damit Sie sie von anderen Arzneien besser unterscheiden können.

Wie teilt man eine Tablette am besten?

Dies hängt zum einen von Größe und Form der Tablette ab. Zum anderen davon, mit welcher Technik Sie das Arzneimittel zerkleinern. Es erfordert eine gewisse Geschicklichkeit, um ein Präparat mit den Fingern zu halbieren. Wenn, dann sollten Sie mit den Fingerspitzen die Bruchrille fixieren und kurz und kräftig zudrücken. Bereitet Ihnen diese Methode Probleme, kann ein Tablettenteiler helfen. Lassen Sie sich die richtige Anwendung in der Apotheke erklären.

Von Küchen- und Besteckmessern raten die meisten Experten ab. Das Zentrallabor Deutscher Apotheker kam in einer Untersuchung allerdings zu eher positiven Ergebnissen: Die meisten Tabletten mit Bruchkerbe ließen sich gut mit dem Messer teilen. Wichtig sei, kein spitzes Messer zu verwenden, die Tablette auf eine weiche Unterlage zu legen und auf beiden Seiten des Messers gleichmäßig Druck auszuüben.


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