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Überblick mit dem E-Medikationsplan

Der E-Medikationsplan soll Patienten bei der Einnahme ihrer Mittel unterstützen und bei Arzt und Apotheker für mehr Transparenz sorgen. Wann er kommt und was er kann

von Tina Haase, 27.02.2020
Frau überreicht ihre Krankenkassenkarte

Immer dabei: Willigt der Patient ein, können Arzt oder Apotheker einen E-Medikationsplan auf der Gesundheitskarte anlegen


Alle Arzneimittel in einer Liste, die vom Arzt verordneten und die selbst gekauften: Patienten kann das die Einnahme erleichtern. Medi­zinern und Apothekern hilft es, den Überblick zu ­behalten und gefährliche Wechselwirkungen zu entdecken.

Medizinisches Datenpaket für Patient und Arzt

Menschen, die dauerhaft mehr als drei Arzneien zulasten der gesetzlichen Krankenkasse einnehmen oder anwenden, haben bereits seit 2016 Anspruch auf den bundeseinheitlichen Medikationsplan. In der Regel erstellt ihn der Arzt, der Patient bekommt einen Ausdruck, Apotheker und Mediziner aktualisieren ihn. Manchmal geschieht das handschriftlich, der Plan wird eventuell unübersichtlich.

Das soll sich mit der Einführung der elektronischen Variante ändern. "Ab dem zweiten Quartal 2020 haben Ärzte und Apotheker die Möglichkeit, ihren Patienten einen digitalen Medikationsplan anzubieten", sagt ­Sabine von Schlippenbach.

Sie ist Produktmanagerin für digitale medizinische Anwendungen bei der Gesellschaft Gematik in Berlin. Diese Firma entwickelt die ­sogenannte Telematik-Infrastruktur des Gesundheits­wesens. "Hinter dem E-Medikationsplan steckt ein Datenpaket, das alle Informationen zur aktuellen Medikation eines Patienten umfasst und auf der elektronischen ­­Gesundheitskarte gespeichert wird", erläutert die ­E-Health-Expertin.

Überblick für Patienten

Der E-Medikationsplan enthält Angaben zum Patienten wie Name, Adresse und Geburtsdatum sowie zu den Arzneimitteln, die er anwendet, also etwa zur Dosis und zum Zeitpunkt der Einnahme. Auch medikations­relevante Informationen wie Allergien, Arzneimittel­unverträglichkeiten oder Nierenfunktionswerte sind dort gespeichert.

Die Heilberufler aktualisieren ihn, wenn ein Medikament dazukommt, nicht mehr angewandt oder ausgetauscht wird oder wenn sich eine ­Dosierung ändert. "Dem Patienten verschafft der Plan einen Überblick darüber, wann, wie und wofür er welches Medikament einnehmen muss", sagt Mathias Arnold, Apotheker und Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. "Je mehr Medikamente ein Mensch braucht, desto wichtiger ist der Plan."

Gesundheitskarte

Doch der elektronische Medikationsplan wird nur erstellt, wenn der Versicherte das möchte. Damit Arzt, Zahnarzt oder Apotheker ihn freischalten und be­arbeiten kann, braucht der Patient zusätzlich zu seiner Gesundheitskarte seine Zugangsdaten von der Krankenkasse.

Zugang mit PIN und Heilberufsausweis

"Um die Daten vor Unbefugten zu schützen, muss der Patient bei jedem Zugriff seine PIN eingeben", erklärt Dr. Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin. "Zudem müssen Arzt oder Apotheker den elektronischen Heilberufsausweis nutzen, um Zugang zu erhalten."

Seinen Plan selbst digital einsehen – das kann der Versicherte allerdings zunächst nicht. Er erhält weiterhin einen Ausdruck. Das soll sich erst mit Einführung der elektronischen Patientenakte ändern, geplant für nächstes Jahr. In dieser Akte werden zum Beispiel Befunde, Diagnosen, Impfungen oder Arztbriefe abgelegt – sofern der Versicherte das wünscht.

Medikationsplan immer dabei

"Entscheidet sich der Patient für eine E-Patientenakte, über die er seine Gesundheitsdaten mithilfe des Smartphones verwalten kann, findet er darin auch ­eine Kopie des aktuellen E-Medikationsplans", erklärt Sabine von Schlippenbach. Aber worin liegt dann im Moment der Vorteil des E-Medikationsplans?

Über seine Gesundheitskarte hat der Patient jederzeit seinen aktuellen Plan dabei. Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und auch Psychotherapeuten ­können sich so immer umfassend und aktuell über die medikamentöse Behandlung informieren und diese ­gegebenenfalls anpassen.

"Der Apotheker kann rezeptfreie Medikamente ergänzen, die auch teils relevant für gefährliche Wechselwirkungen sind", sagt Experte ­Mathias Arnold. "In dem Plan hat er alles aufgelistet, und er kann damit leichter einen Arzneimittelsicherheits­­check durchführen."

Verlust ohne Sicherheitsrisiko

Verliert der Patient seine Gesundheitskarte samt digitalem Medikationsplan, ist das ärgerlich. "Ein Sicherheitsrisiko besteht aber nicht, denn ohne einen Heilberufsausweis kann niemand auf den Plan zugreifen", sagt Digital-Expertin Sabine von Schlippenbach.

Der Versicherte fordert eine neue Gesundheitskarte bei seiner Krankenkasse an. Damit geht er zu dem Arzt oder Apotheker, der den E-Medikationsplan zuletzt bearbeitet hat. Dieser hat eine Kopie davon in seinem Verwaltungssystem gespeichert und kann sie auf die neue Karte ziehen.