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Tablettentherapie durchhalten

Viele Patienten wenden ihre Arzneimittel nicht so an wie vom Arzt verordnet – aus unterschiedlichen Gründen. Apotheker können helfen

von Barbara Kandler-Schmitt, 13.05.2019
Hände mit Tabletten

Vergesslichkeit, ungenügende Aufklärung, Angst vor Nebenwirkungen oder zu hohe Kosten können Gründe sein, warum Patienten ihre Tabletten nicht wie verordnet einnehmen - mit Folgen für sie selbst und das Gesundheitssystem


Wer krank ist, möchte wieder ­gesund werden. Trotzdem lösen Patienten schätzungsweise jedes fünfte Arzneimittelrezept gar nicht erst ein, sie nehmen ihre Medikamente nicht regelmäßig oder setzen sie zu früh wieder ab. Für die Betroffenen hat das Folgen – die auch das Gesundheitssystem finanziell belasten. Häufig lassen sich Probleme bei der richtigen Anwendung von Arzneien jedoch rasch lösen. Ansprechpartner Nummer eins dafür sind die Apotheker. Hier geben sie Tipps.

1. Ursache: Vergesslichkeit und Stress

Es ist keineswegs nur ein Problem älterer Patienten: "Auch wer im Berufsleben steht und viele Termine hat, vergisst schon mal, seine Tabletten einzunehmen", sagt Dr. Miriam Ude, Apothekerin aus Darmstadt. Ihr Tipp: Medikamente dorthin legen, wo man sie auf jeden Fall sieht, etwa auf den Nachttisch oder neben die Kaffeemaschine. Auch Aufkleber auf dem Spiegel oder Notizen im Timer oder Kalender können an die Einnahme erinnern.

Dosiersysteme sehen viele Apotheker kritisch: "Werden die Tabletten zu früh aus der Originalverpackung entnommen, kann das zu Stabilitätsproblemen führen", sagt Ude. Und die Verwechslungsgefahr sei vor allem bei weißen Tabletten groß. Lassen Sie sich unbedingt beraten.

Wer oft vergisst, sich rechtzeitig ein neues Rezept zu besorgen, sollte nach dem Arztbesuch im Kalender eintragen, wie lange die Packung bei regelmäßiger Einnahme reicht. Und sich einige Tage vorher um ein Rezept kümmern.

2. Ursache: Fehlende Informationen

Je weniger Patienten über ihre Therapie wissen, umso schwerer fällt es ihnen, sich an die Anweisungen ihres Arztes zu halten. Zwar bringen schriftliche Einnahmehinweise mehr als mündliche. Doch der Medikationsplan vom Hausarzt ist oft nicht auf dem neuesten Stand – vor allem, wenn die Verordnungen von mehreren Ärzten stammen. Apothekerin Ude verwendet Dosierungsaufkleber: "Dann sieht der Patient sofort, wie er das Mittel einnehmen muss."

Apothekerin Miriam Ude

Bei jedem dritten Arzneimittel kann der Patient zudem aufgrund einer besonders erklärungsbedürftigen Arzneiform viel falsch machen. "Bei Asthmasprays etwa sollte man sich in der Apotheke die richtige Anwendung zeigen lassen", betont der Präsident der Bundesapothekerkammer Dr. Andreas Kiefer.

3. Ursache: Angst vor Nebenwirkungen

Wissen Patienten andererseits sehr viel über ihre Therapie, haben sie in der Regel auch größere Angst vor Nebenwirkungen. "Anstatt die abschreckend lange Liste im Beipackzettel zu studieren und die Tabletten dann aus Angst nicht zu nehmen, sollten sie uns bei Bedenken gezielt ansprechen", rät Apothekerin Ude. "Vor allem aber sollten Patienten ihre Krankheiten nicht googeln. Informationen aus dem Internet können stark verunsichern – oder sogar falsch sein." Fundierte Informationen finden Patienten auf www.apotheken-umschau.de.

Auch Arzneimittelskandale verunsichern viele. Ude beruhigt: "Zum Glück haben wir in Deutschland eine gute Arzneimittelüberwachung, die Meldungen zu Nebenwirkungen sammelt und im Notfall sofort reagiert."

4. Ursache: Fehlender Leidensdruck

Viele Erkrankungen verursachen im Frühstadium keine Beschwerden, Bluthochdruck zum Beispiel oder Diabetes. "Menschen ohne Leidensdruck zu einer Therapie zu motivieren ist schwer", berichtet Miriam Ude. Zumal es ihnen mit Medikamenten zunächst oft schlechter gehe. "Aber solche anfänglichen Nebenwirkungen legen sich meist schnell."

Um Folgeschäden zu vermeiden und weiter beschwerdefrei zu bleiben, sei es wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern. Nicht nur mit Medikamenten, sondern vor allem durch einen gesünderen Lebensstil. Den Therapieerfolg können die Patienten bei Bluthochdruck und Diabetes selbst messen – und sich so zum Durchhalten motivieren. In der Apotheke gibt es geeignete Messgeräte und ausführliche Anleitungen.

5. Ursache: Kosten scheinen nicht erschwinglich

Hier die Rezeptgebühr, dort eine Zuzahlung, und rezeptfreie Arzneimittel sind sowieso aus eigener Tasche zu zahlen. Für manche Patienten sicher ein Grund, das ein oder andere Rezept gar nicht erst einzulösen. "Für Menschen mit knapper Rente ist das ein Problem", weiß Ude.

Doch kein Patient müsse aus finanziellen Gründen auf eine notwendige Therapie verzichten: "Die Belastungsgrenze liegt bei zwei Prozent des jährlichen Haushalts-Bruttoeinkommens, bei chronisch Kranken sogar nur bei einem Prozent", erklärt die Apothekerin.

Sie empfiehlt, alle Quittungen zu sammeln. "Und wenn Ihre persönliche Belastungsgrenze erreicht ist, stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse für das laufende Jahr am besten einen Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung."