So wenden Sie Wirkstoffpflaster an

Wirkstoffhaltige Pflaster transportieren Arzneistoffe gleichmäßig durch die Haut ins Blut. Eine elegante Lösung, doch Fehler bei der Anwendung können gefährlich werden

von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 05.03.2018

Wichtig: Wirkstoffpflaster auf der Haut richtig anbringen


Starke chronische Schmerzen, Wechseljahresbeschwerden oder Raucherentwöhnung – für alle diese Fälle gibt es arzneistoff­haltige Pflaster, die ihren Inhalt über die Haut an das Blut abgeben. Das hat viele Vorteile: Die Pflaster setzen den Wirkstoff langsam und gleichmäßig frei und müssen oft erst nach drei bis vier Tagen gewechselt werden.

"Die mehrmals tägliche Tabletteneinnahme entfällt. Das entlastet vor allem Patienten mit chronischen Erkrankungen, die oft mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen", sagt der Berliner Apothekeninhaber Jonny Neumann. "Allerdings können die Arzneistoffe nur richtig wirken, wenn der Patient das Pflaster auch korrekt anwendet."

Es gibt zwei Typen von Wirkstoffpflastern

Nicht zu kurz andrücken

Transdermale therapeutische Systeme (TTS), wie sie in der Fachsprache heißen, sind nur auf den ersten Blick leicht zu handhaben. Die Patienten können viel falsch machen, weshalb der Beratungsbedarf in der Apotheke groß ist. "Oft drücken sie das Pflaster beim Aufkleben nicht lange genug auf die Haut, was seine Wirkung beeinträchtigen kann", sagt Neumann. "Deshalb sollte immer die vom Hersteller empfohlene Andrückzeit beachtet werden."

Bis auf wenige Ausnahmen dürfen Arzneipflaster nicht zerschnitten werden, da sonst der gesamte Wirkstoff auf einmal freigesetzt wird. "Vor allem bei dem starken Schmerzmittel Fentanyl, das den Großteil der verordneten Pflaster ausmacht, kann das zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen führen", warnt Dr. Dirk Keiner, Leiter der Zen­tralapotheke am Klinikum Weimar.

Auch der Patient selbst beeinflusst die Wirksamkeit. "Je nach Hauttemperatur, Hydrolipidfilm, Schweißbildung, Fettgewebe, Alter und genetischer Ausstattung kann die Wirkung erheblich schwanken", erklärt Pharmazeut Keiner, der einen Leitfaden zur Arzneimittelsicherheit wirkstoff­­haltiger Pflaster verfasst hat. Im Folgenden erläutern unsere Experten, worauf bei der Anwendung zu achten ist.

Aufkleben

Arzneipflaster werden meistens am Oberkörper auf­geklebt. Die Stelle sollte möglichst faltenfrei, ­unbehaart, nicht entzündet und unverletzt sein. Um die Haut nicht zu reizen, störende Haare mit der Schere abschneiden und bei jedem Pflasterwechsel eine andere Hautstelle wählen. Nach dem Öffnen die Pflaster sofort aufkleben und so lange andrücken wie im Beipackzettel angegeben. "Bei nachlassender Klebewirkung kann man die TTS zusätzlich mit Heftpflaster fixieren", rät Neumann.

Feuchtigkeit

Duschen, Baden und Schwimmen beeinträchtigen die Haftfähigkeit und damit auch die Wirkung von Arzneipflastern nicht. Wichtig: "Vor allem bei Schmerzpflastern darf das Wasser nicht wärmer als 37 Grad sein, da sonst der Wirkstoff zu schnell freigesetzt wird", betont Klinikapotheker Keiner.

Temperatur

Hohe Temperaturen können die Abgabe des Wirkstoffs deutlich erhöhen, was vor allem bei starken Schmerzmitteln möglicherweise zu lebensbedroh­lichen Überdosierungen führt. "Aufgeklebte Pflaster müssen von direkten äußeren Wärmequellen wie Wärmflaschen, Heizdecken, Friseur­hauben und Sitzheizungen ferngehalten werden", erklärt ­Keiner. Auch starke Sonneneinstrahlung  sowie Solarium- und Saunabesuche sind mit Pflaster unbedingt zu vermeiden.

Schwitzen und Fieber

Arzneipflaster eignen sich nicht für Menschen, die schnell und stark schwitzen, da sie dann nicht optimal halten. "Bei Fieber wird der Wirkstoff schneller freigesetzt und die Konzentration im Blut steigt stark an. Patienten mit fiebrigen Erkrankungen sollten sorgfältig beobachtet werden oder vorüber­gehend die Arzneiform wechseln", sagt Keiner.

Entsorgen

Nach dem Entfernen die Pflaster an den Enden zusammenkleben. Einige Firmen liefern spezielle Entsorgungsbeutel mit. "Restmengen und gebrauchte Pflaster mit dem Hausmüll entsorgen, damit sie nicht unsach­gemäß weiter verwendet oder mit normalem Heft­pflaster verwechselt werden", sagt Apotheker Neumann. "Auf keinen Fall dürfen sie in die Hände von Kindern gelangen."


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