Rückruf von Blutdrucksenker angekündigt

Einige Chargen des Blutdruckmittels Valsartan sind mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt. Experten raten aber davon ab, das Mittel vorschnell abzusetzen. Stattdessen bei der Apotheke nachfragen

von dpa & www.apotheken-umschau.de, 06.07.2018

Patienten mit Bluthochdruck wird oft ein Blutdrucksenker mit dem Wirkstoff Valsartan verschrieben


Bonn (dpa) - Die Behörden wollen Blutdrucksenker, die auf dem Wirkstoff Valsartan basieren, teilweise zurückrufen. Die Arzneimittel könnten mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt sein. Konkret geht es laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um Medikamentenchargen, deren Wirkstoff vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt wurde.

Derzeit wird ermittelt, welche Chargen von welchen Herstellern möglicherweise betroffen sind und die Apotheken informiert. Patienten, die Valsartan einnehmen, können bei der Apotheke nachfragen, ob ihre Packung dazugehört. Gegebenenfalls kann dann in Rücksprache mit dem Arzt ein Rezept für eine neue Packung ausgestellt werden.

Bundesinstitut: "Kein akutes Risiko"

«Bislang liegen noch keine Erkenntnisse darüber vor, ob und in welchen Konzentrationen die Verunreinigung in den hieraus hergestellten Arzneimitteln enthalten ist», sagte Institutssprecher Maik Pommer vom BfArM am Donnerstag in Bonn. Valsartan sei relativ weit verbreitet. Aber: «Ein akutes Patientenrisiko besteht nicht.»

Laut BfArM ist der blutdrucksenkende Wirkstoff produktionsbedingt mit N-Nitrosodimethylamin verunreinigt. Die Substanz könnte laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend sein. Europaweit werde nun untersucht, ob möglicherweise andere Arzneimittel betroffen sein könnten, die chemisch verwandte Wirkstoffe enthalten.

Hochdruckliga: "Mittel nicht eigenmächtig absetzen"

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt verunsicherten Patienten, ihre blutdrucksenkenden Arzneimittel nicht eigenmächtig und ohne Rücksprache mit ihrem Arzt abzusetzen. «Wir gehen davon aus, dass sehr rasch die Liste der betroffenen Medikamente vorliegen wird und eine koordinierte Rückrufaktion erfolgen wird», teilte die Organisation in Heidelberg mit. Auch das Bundesinstitut warnte: «Das gesundheitliche Risiko eines Absetzens liegt um ein Vielfaches höher als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung.»