{{suggest}}


Medikamente: Beipackzettel verstehen

Bei Patienten ist die Gebrauchsinformation von Arzneien eher unbeliebt. Trotzdem enthält sie wichtige Informationen für den Umgang mit dem Arzneimittel, zum Beispiel zur richtigen Aufbewahrung und Anwendung

von Christian Krumm, 21.05.2019
Nebenwirkungen Beipackzettel

Mit seiner kleinen Schrift, komplizierten Sätzen und einer Fülle an Fachbegriffen ist der Beipackzettel nicht für jeden verständlich


Er steckt in jeder Medikamentenpackung, oft unhandlich gefaltet, und hat eigentlich die Aufgabe, Patienten umfassend über ihre Arznei zu informieren. Mit der kleinen Schrift, dem engen Zeilenabstand und dem dünnen Papier ist der Beipackzettel jedoch für viele vor allem ein Ärgernis.

Auch zu den großen Werken der Welt­literatur zählt er nicht. Im Gegenteil: "Lange, verschachtelte und komplizierte Sätze sowie unzählige Fachwörter tragen zu einer großen Verun­sicherung der Patienten bei", beklagt Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes. Der Experte hat gemeinsam mit seinem Team die Gebrauchsinforma­tionen der 30 meistverkauften Arzneimittel untersucht und festgestellt: Die Texte bestehen zu etwa fünf bis zehn Prozent aus Fachwörtern.

Beipackzettel

Dass Patienten Probleme haben, den Beipackzettel zu verstehen und die Informationen richtig einzuordnen, bestätigt auch Apothekerin Silke Hellberg aus Dornum: "Vor allem Patienten, die schon sehr viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen und von einem Facharzt dann ein neues Präparat verordnet bekommen, sind hinsichtlich der Wechselwirkungen verunsichert." Weil alle nur denkbaren Nebenwirkungen aufgelistet werden, sei die Therapietreue bisweilen sehr eingeschränkt, gibt die Pharmazeutin zu bedenken.

Beipackzettel - Die Kurzversion

Die Schwierigkeit sei, so Lehr, dass die Medikamentenhersteller sich rechtlich absichern müssten, um Klagen zu vermeiden. Außerdem gebe es gesetzliche Vorgaben der Zulassungsbehörden, die die Inhalte der Beipackzettel vorschreiben.

Mit seinem Team hat der Experte eine Kurzversion des Beipackzettels entwickelt – ähnlich den Kurzinformationen, die manchen Elektrogeräten beiliegen. Auf einer Seite wird alles Wesentliche dargestellt. Erste Tests zeigten, dass Patienten die Inhalte so besser verstehen konnten. Ob eine solche Kurzinformation einen Vorteil bringt und zum Beispiel die Therapie­­treue der Patienten fördert, wollen die Saarländer in einer weiteren Studie herausfinden.

So schnell wird sich an der Form der Beipackzettel wohl nichts ändern. Dennoch bleibt die Gebrauchsinformation ein wichtiger Bestandteil, der zur Arzneimittelsicherheit beiträgt. Bei Unklarheiten rät Silke Hellberg dazu, sich in der Apotheke beraten zu lassen. Dort können viele Fragen schnell und kompetent beantwortet werden.

So ist der Beipackzettel aufgebaut:

- Anwendungsgebiete

Hier steht, gegen welche Erkrankungen und Beschwerden das Medikament eingenommen werden darf. "Der Patient kann kontrollieren, ob seine Beschwerden verstanden wurden und er das richtige Medikament bekommt", sagt Apothekerin Hellberg. Nur in seltenen Fällen kommt es vor, dass die Angaben nicht übereinstimmen. Zum Beispiel beim sogenannten Off-Label Use: In diesen Ausnahmefällen dürfen Ärzte das Medikament für eine Erkrankung verordnen, für die es offiziell nicht ­zugelassen ist. Wer unsicher ist, sollte den Arzt darauf ansprechen.

- Warnhinweise

Hier lesen Patienten, was sie vor der Anwendung des Arzneimittels beachten müssen. Dazu zählen Gegenanzeigen (Kontraindikationen), also Krankheiten oder Beschwerden, bei denen das Medikament nicht angewendet werden darf. Unter dem Punkt Wechselwirkungen (Interaktionen) stehen Medikamente und Nahrungsmittel, die sich mit der Arznei nicht vertragen.

"Die Wechselwirkungen sind aber meist sehr komplex und zudem dosisabhängig. Der Patient ist eher verunsichert, als dass er das alles selbst beurteilen kann", sagt Silke Hellberg. Umso wichtiger ist die Beratung in der Apotheke. Auch Hinweise zur Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit sind hier zu finden.

- Anwendung

Der Abschnitt beschreibt, wie das Medikament richtig eingenommen und dosiert wird. Apothekerin Hellberg appelliert aber an die Patienten, sich an die Anwendungshinweise des Arztes zu halten: "Für abweichende Empfehlungen könnte er durchaus seine Gründe haben." Und unbedingt die angegebene Tageshöchstdosis beachten.

- Nebenwirkungen

Die Angaben zur Häufigkeit von Nebenwirkungen können viele ­Patienten nicht gut einordnen und werden dadurch verunsichert. Das Problem: Nicht alle gelisteten Nebenwirkungen werden zwangsläufig durch das Medikament verursacht. Das kritisieren auch Hamburger Gesundheitswissenschaftler. Sie fordern zusätzliche Angaben, die das klarer he­rausstellen.

Experte Lehr wünscht sich dagegen eher, die Häufigkeiten der Nebenwirkungen mit Ereignissen wie Blitzeinschlägen, Flugzeugabstürzen oder Lottogewinnen zu vergleichen. Das sei Laien besser vermittelbar. Apothekerin Hellberg kann die Ängste der Patienten verstehen und gibt eines zu bedenken: "Hätten die Tafel Schokolade oder das Glas Wein ebenfalls einen Beipackzettel, sähe dieser womöglich noch dramatischer aus. Man würde keine Schokolade mehr essen und keinen Wein mehr trinken."

- Aufbewahrung

Generell sollten Arzneimittel trocken, dunkel und bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Doch es gibt Ausnahmen, auf die der Patient achten sollte, damit die Arznei nicht an Wirkung verliert oder sogar Schaden anrichtet, beispielsweise weil sie verkeimt oder durch
chemische Abbauprozesse unverträglich wird.

– Weitere Hinweise

Informationen zum Aussehen der Tabletten, zur Dosierung oder zu den enthaltenen Hilfsstoffen können wichtige Hinweise für ­Patienten sein, die etwa Farbstoffe oder Gluten nicht vertragen.

Beipackzettel verlegt?

Hier können Sie direkt eine digitale Version der Packungsbeilage Ihres Medikaments einsehen.