Keine Angst vorm Beipackzettel!

Hersteller müssen in der Packungsbeilage jede Nebenwirkung auflisten. Diese Liste verunsichert viele Patienten. Deshalb soll das Dokument verständlicher werden
von Christian Krumm , 13.11.2015

Kleingedruckt, schwer verständlich, manchmal furchteinflößend: der Beipackzettel

W&B/Adam Pentos

Für viele, die Medikamente einnehmen müssen, ist er bloß ein Ärgernis: Nach kurzem Lesen wird der Beipackzettel deshalb wegen der komplizierten Faltung notdürftig in die Packung zurückgestopft oder gleich weggeworfen. "Die Hersteller setzen auf kleine Schachteln, weil sie so Kosten für Verpackung und Logistik sparen. Für die Nutzung der Beipackzettel ist das aber nicht zielführend", meint Professor Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.

Professor Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker

W&B/Steffen Roth

Zudem lassen sich Patienten schnell verunsichern durch die teilweise lange Liste möglicher Nebenwirkungen. Eine repräsentative Umfrage der GfK im Auftrag der Apotheken Umschau hat gezeigt, dass fast 40 Prozent der Deutschen nach dem Lesen im Beipackzettel beschriebenen Nebenwirkungen das Medikament erst gar nicht einnahmen. "Das ist die falsche Reaktion", warnt Experte Schulz. "Wer Bedenken hat, sollte mit seinem Arzt oder seinem Apotheker darüber sprechen und abwägen: Mit welchen Konsequenzen muss ich tatsächlich rechnen, und was wären die Folgen ­einer unbehandelten Krankheit?"

Jede Nebenwirkung wird aufgeführt

Meist entsprächen die Formulierungen zur Häufigkeit von Nebenwirkungen nicht dem üblichen Sprachgebrauch, sagt der Arzneimittelexperte. Generell seien die Hersteller schon aus haftungsrechtlichen Gründen verpflichtet, jede Nebenwirkung aufzuführen, die im Rahmen klinischer Prüfungen beobachtet wurde – selbst wenn sie während der Einnahme eines Placebos häufiger auftrat.

Wer befürchtet, mit der Lektüre des Beipackzettels überfordert zu sein, sollte sich mit dem Aufbau vertraut machen, dessen inhaltliche Reihenfolge ein Gesetz vorschreibt. "Für den Patienten ist besonders jener Teil wichtig, in dem steht, wie das Arzneimittel angewendet werden soll", so Schulz. Wesentlich sind zudem die Wechselwirkungen – also mit welchen anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln sich das Präparat nicht verträgt. Bei Unklarheiten solle man den Apotheker fragen. Das gilt auch, wenn ein Symptom auftritt, das nicht im Beipackzettel aufgeführt ist. Andere Patienten könnten von dem Hinweis profitieren.

Lesbarkeitstests und Broschüren

Viele Hersteller geben sich zunehmend Mühe, die Beipackzettel klarer und verständlicher zu gestalten. Mitunter werden zusätzlich kleine Patientenbroschüren beigelegt. Seit einigen Jahren sind auch Lesbarkeitstests für alle Neuzulassungen von Arzneimitteln vorgeschrieben. "Es hat sich schon einiges verbessert", sagt Schulz. "Die Angaben sind strukturierter und besser auf­findbar. Zudem werden medizinische Fachbegriffe und lange Schachtelsätze vermieden." Trotzdem sieht er noch Nachholbedarf bei der Gestaltung der Gebrauchsinformationen: "Vor allem die Angaben, in welcher Dosierung, wie lange und wie ein Arzneimittel anzuwenden ist, müssen viel deutlicher herausgestellt werden."

So häufig sind Nebenwirkungen

Sehr selten: Die Neben­wirkung tritt seltener als in 0,01 Prozent der Fälle auf, also bei weniger als 1 von 10.000 Behandelten.

Selten: 0,01 bis 0,1 Prozent, also bei mehr als 1 von 10.000, aber weniger als 1 von 1000 Behandelten.

Gelegentlich: 0,1 bis 1 Prozent, also bei mehr als 1 von 1000, aber weniger als 1 von 100 Patienten.

Häufig: 1 bis 10 Prozent, also bei mehr als 1 von 100, aber weniger als 1 von 10.

Sehr häufig: Über 10 Prozent, also bei mehr als 1 von 10 Patienten.

 


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