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Grünes Rezept für rezeptfreie Arzneien

Nicht blau, nicht rot, sondern grün: Frei verkäufliche Arzneimittel verordnet der Arzt oft auf einem grünen Rezept – aus gutem Grund

von Christian Krumm, aktualisiert am 27.08.2019
Grünes Rezept

Grünes Rezept: Nicht zwingend notwendig, aber durchaus nützlich


Seit 2004 müssen Patienten praktisch alle rezeptfreien Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. Kein ganz unproblematischer Beschluss, wie der Apotheker Marco Sliwa aus Berlin betont: "Auch diese Arzneien sind ein wichtiger Bestandteil vieler Therapien."

Daher haben Ärzte- und Pharmaverbände das grüne Rezept entwickelt. Darauf können Mediziner solche Präparate verordnen, die der Patient selbst bezahlen muss – obwohl sie für seine Gesundheit wichtig sind. Zum Beispiel Erkältungs- oder Schmerzmittel sowie entzündungslindernde Cremes. Hier erfahren Sie, warum das Formular mehr ist als eine Merkhilfe für Arzneimittelnamen.

Der Therapie treu bleiben

Bekommt der Patient beim Arztbesuch ein Rezept übergeben, hat das positive Auswirkungen auf seine Therapietreue, wie Apotheker Sliwa hervorhebt: "Ein grünes Rezept signalisiert, dass der Arzt die Anwendung des Arzneimittels aus medizinischer Sicht für notwendig erachtet." Dieser psychologische Effekt kann dazu beitragen, dass der Patient das Medikament zuverlässig einnimmt.

Arzt kann frei über Therapie entscheiden

Für den behandelnden Arzt bedeutet die Verordnung auf dem grünen Rezept, dass er seine Therapiefreiheit behält. "Er kann dem Patienten weiterhin die Medikamente aufschreiben, die er für die Behandlung für nötig hält – ohne sein Kassenbudget zu belasten", erläutert Sliwa. Außerdem behält er etwas mehr Kontrolle über die Arzneimittel, die der Patient einnimmt.

Kassen erstatten Kosten

Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten die Kosten für ein rezeptfreies Medikament sogar im Nachhinein – allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Das trifft in vielen Fällen auf Erkrankungen zu, bei denen rezeptfreie Präparate zum Therapiestandard zählen. Wie zum Beispiel Abführmittel bei bestimmten Darmerkrankungen oder Acetylsalicylsäure bei der Nachsorge von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Eine entsprechende Liste, OTC-Übersicht genannt, gibt es auf der Internetseite g-ba.de unter https://www.g-ba.de/richtlinien/anlage/17. Manche Kassen erstatten auch andere rezeptfreie Arzneien ganz oder teilweise.

Fragen Sie nach! Zur Erstattung wird das quittierte grüne Originalrezept eingereicht.

Grünes Rezept als Steuerbeleg

Wenn die Krankenkasse nicht zahlt, tut es vielleicht das Finanzamt. Denn entsprechend dem Einkommen können außergewöhnliche Belastungen bei der Steuererklärung berücksichtigt werden. "Dazu gehören grundsätzlich auch Krankheitskosten", erklärt Sina Rößler, Pressesprecherin des Bayerischen Landesamts für Steuern.

Das entsprechende Gesetz fordere zum Nachweis die Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Das grüne Rezept kann das leisten. Es belegt, dass der Arzt das Präparat im Rahmen einer sinnvollen medizinischen Therapie für erforderlich hält. Auch hier gilt: das quittierte grüne Rezept (gegebenenfalls mit Kassen- bon) bei den Steuerdokumenten aufbewahren.

Gültigkeit

Im Gegensatz zu anderen Rezeptformularen ist das grüne Rezept quasi unbegrenzt gültig. Denn rezeptfreie Arzneien können Sie jederzeit in der Apotheke bekommen. Einschränkun- gen gelten aber, wenn rezeptpflichtige Medikamente darauf verordnet sind – beispielsweise sogenannte Lifestyle-Präparate, die nicht von der Kasse bezahlt werden.

Dann muss das Rezept nach den Regeln für Privatrezepte innerhalb von drei Monaten eingelöst werden. Für die Erstattung durch gesetzliche Kostenträger gelten oft kürzere Fristen. Im Zweifel dort nachfragen!