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E-Rezept: Digitale Verordnungen

Das E-Rezept soll 2021 den rosafarbenen Papierschein in Apotheke und Arztpraxis ablösen, die ­Medikamentenabgabe sicherer machen und den Patienten Wege ersparen. Wir klären wichtige Fragen

von Tina Haase, 12.02.2020
Frau mit Smartphone

Vorbestellen: Der Patient erhält einen Code für das E-Rezept auf sein Handy und kann es seiner Apotheke zuweisen


Was ist das elektronische Rezept (E-Rezept)?

Die digitale Version der herkömmlichen Verschreibung. "Die ärztliche Verordnung eines rezeptpflichtigen Arzneimittels hat auch in Form des E-Rezepts den Rechtsstatus einer Urkunde", sagt Mathias Arnold, Apotheker und Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Wie soll das E-Rezept funktionieren?

Der Arzt erstellt in seinem Praxismanagement-System ein Rezept. Der Patient kann künftig entscheiden, ob es elektronisch bereitgestellt werden soll. "Wählt der Nutzer die digitale Version, bekommt er einen Zugriffscode auf sein Handy. Die Verordnung selbst wird in einem speziellen Fachdienst verschlüsselt gespeichert", sagt Hannes Neumann, E-Rezept-Projektleiter der Entwicklungsgesellschaft Gematik in Berlin.

"Der Patient kann mit dem Code von seinem Smartphone aus das Rezept verwalten und in einer Apotheke ein­lösen." Wie das im Detail funktioniert, wird derzeit erarbeitet. In Deutschland laufen verschiedene ­Modellprojekte, die die neuen Prozesse im Alltag erproben.

Was hat der Patient davon?

Das E-Rezept erspart ihm vor allem Wege. "Der Patient kann zukünftig über eine Anwendung auf dem Smartphone seine Wunschapotheke suchen und ihr das Rezept zuweisen", sagt Mathias Arnold. "Er fragt an, ob das Arzneimittel verfügbar ist. Falls nicht, bestellt die Apotheke es."

Wenn das Medikament bereitliegt, bekommt der Kunde eine Nachricht aufs Handy. Bietet die Apotheke einen Botendienst, kann er sich die Arznei auch liefern lassen. "Für Menschen, die nicht mobil sind, bedeutet das eine große Hilfe", betont Arnold.

Nach Einführung des E-Rezepts können Ärzte etwa nach einer Video­­sprechstunde direkt ein digitales Rezept ausstellen, ohne dass der Patient in die Praxis kommen muss.

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Gibt es weitere Vorteile?

Verordnete Arzneien sollen in Zukunft in den ebenfalls elektronischen Medikationsplan übernommen werden können. Darin sieht man alle Mittel, die man einnimmt, auf einen Blick. "Der Apotheker kann gefährliche Wechselwirkungen so schneller ­erkennen", erklärt Ralf König, Apotheker und Digital­experte am Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums.

Wann wird das E-Rezept bundesweit eingeführt?

Das steht noch nicht genau fest. Im Lauf des Jahres 2021 ist damit zu rechnen. "Bis Juli 2020 muss noch einiges geregelt werden", sagt Experte König. "Zum Beispiel wie ein E-Rezept genau aussieht, Fragen des Datenschutzes und wie die Übermittlung auch mithilfe der Telematik- Infrastruktur geschieht." Über diese Datenautobahn des deutschen Gesundheitswesens sollen unter anderem Ärzte und Apotheker Dokumente wie das E-Rezept ­sicher befördern können.

Kann jemand den Server hacken und das E-Rezept eines Patienten einsehen?

Das ist unwahrscheinlich. Das E-Rezept liegt dort verschlüsselt. Nur durch den Code des Patienten wird es lesbar. Den allerdings soll man auf das Handy erhalten, das für Sicherheitslücken bekannt ist. Datenpannen sorgen immer wieder für Aufsehen. Zuletzt verschaffte sich der Chaos Computer Club Zugang zur Telematik-Infrastruktur. Die Sicherheitslücke soll nun behoben werden.

Gibt es auch weiterhin Rezepte auf Papier?

Ja. Auf absehbare Zeit gibt es sie ebenfalls.