Massage: Verspannungen lösen

Bei welchen Beschwerden eine professionelle Massage helfen kann, was die Kasse zahlt und wann Sie besser auf Krankengymnastik zurückgreifen sollten

von Bastian Fersch, aktualisiert am 13.12.2017

Massage – wohltuend, schmerzlindernd und entspannend


Ein harter Tag im Büro, der Rücken schmerzt, der Nacken ist steinhart – Muskelschmerzen kennt so gut wie jeder. Nicht ohne Grund zählt die Massage zu den ältesten Therapien, denn noch heute reagieren wir bei Muskelschmerzen intuitiv so, wie es schon unsere Urahnen taten: Wir streichen, reiben und kneten mit der Hand über die schmerzende Stelle. Oft unbewusst und ganz nebenbei. Oder auch ganz gezielt bei einem Masseur oder Physiotherapeuten. Die Experten beeinflussen bewusst den Spannungszustand der Muskulatur und des Gewebes.

Wie wirkt die klassische Massage?

Von der Hautoberfläche bis hin zu den tiefen Organaufhängungen: Nur wenige Therapieformen haben einen ähnlich breiten Wirkungsbereich wie die Massage. Die richtigen Handgriffe lockern nicht nur die Muskulatur und steigern die Durchblutung. Auch Stauungen des Zellgewebes und Lymphbereichs lassen sich beheben. Selbst Verklebungen, etwa bei Narbengewebe, können sich besser lösen. Die in den letzten Jahren weltweit gewonnenen Erkenntnisse aus dem Bereich der Faszien-Forschung zeigen darüber hinaus, welche Bedeutung die Weichteilstrukturen für den Bewegungsapparat und die Bewegungsfunktionen haben.

Ein positiver Effekt der Massage ist ihre schmerzlindernde Wirkung – und das nicht nur bei akuten Beschwerden.

"Sogar Patienten, die unter anhaltenden Schmerzen leiden, erfahren durch die Behandlung meist eine Durchbrechung ihrer ständigen Schmerzwahrnehmung, wodurch weitere Bewegungstherapien erst möglich werden", sagt Hans Ortmann, Physiotherapeut und Landesvorsitzender des Verbands für physikalische Therapie in Bayern. Der Hautkontakt, die Stoffwechselanregung und die Entspannung wirken sich zudem positiv auf die psychische Verfassung aus. Wenn es darum geht, die Körperwahrnehmung zu verbessern, etwa bei Depressionen oder Angststörungen, eignet sich die Massage daher als Therapieergänzung. "Darüber hinaus ist über nervale Reflexwege, wie wir sie unter anderem aus der Akupunktur kennen, auch eine indirekte Beeinflussung der Organe möglich", so Ortmann.

Wie läuft die klassische Massage ab?

In ihrer medizinischen Anwendung konzentriert sich die klassische Massage auf die Körperregion, in der die Beschwerden vorliegen. Die Behandlung beginnt in der Regel mit sanften Streichungen. "Hier erhält der Behandler ein erstes Feedback aus dem Gewebe und kann die Intensität seiner Griffe entsprechend anpassen – so stark wie nötig und so schwach wie möglich", erklärt Physiotherapeut Ortmann. Durch Streichen, Kneten, Reiben, Klopfen und Vibrieren dringt der Masseur schließlich zu tieferen Gewebeschichten hervor. Außerdem ist bei einer medizinischen Massage auch die Kommunikation mit dem Patienten wichtig: Sie sollte eine vollständige Anamnese beinhalten, sowie Empfehlungen zu ergänzenden Bewegungsübungen und eine Lebensstilberatung etwa zu Beruf oder Sport, um mögliche Fehlbelastungen dort zukünftig besser vermeiden zu können.

Wann ist eine klassische Massage sinnvoll?

Eine Massage kann bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen die Symptome lindern beziehungsweise eine Therapie unterstützen, zum Beispiel:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Arthrosen und rheumatische Erkrankungen
  • Psychosomatische Störungen und psychische Überlastungsreaktionen, zum Beispiel durch Stress oder Burnout

Wichtig: Manche Leiden sprechen gegen eine Massage – beispielsweise eine Thrombose oder akute fieberhafte Infekte. Fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt, ob eine Behandlung für Sie geeignet ist!

Wie viele Behandlungen übernimmt die Krankenkasse?

Damit eine Massage von der Krankenkasse übernommen wird, muss ein körperliches Leiden vorliegen, das eine Massagebehandlung rechtfertigt – in der Regel also Schmerzen und/oder Funktionsbeeinträchtigungen in den Muskeln oder am Skelett. Der sogenannte Heilmittelkatalog sieht für die Erstverordnung insgesamt maximal zehn Massagesitzungen vor, die auf zwei Rezepte verteilt werden müssen. "Sind die Beschwerden besonders ausgeprägt, darf der Arzt erneut bis zu zehn Sitzungen verordnen", so Ortmann.

Massage oder Krankengymnastik?

Massage ist nicht bei allen muskulären Beschwerden die Therapie der Wahl. Oft sollte sie nur unterstützend zum Einsatz kommen. "Gerade bei Nacken- und Rückenschmerzen wird oftmals vorschnell nur eine Massage verschrieben, obwohl eine Behandlung mit konsequenter Krankengymnastik angebracht wäre", warnt Eckhardt Böhle, Physiotherapeut und ehemaliger Generalsekretär des Deutschen Verbandes für Physiotherapie. Im Gegensatz zur Massage erfordert die Krankengymnastik die aktive Mitarbeit des Patienten und reguliert über die Bewegung der entsprechenden Gelenke den Spannungszustand der Muskulatur. So können schmerzhafte Verspannungszustände der Muskulatur beseitigt und zukünftig vermieden werden. Die Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz empfiehlt ausdrücklich die Durchführung von Bewegungstherapie, um Schmerz zu reduzieren und die körperliche Funktionsfähigkeit zu verbessern.

In vielen Fällen liegt bei muskulären Beschwerden eine Funktionsstörung in einem Gelenk oder Wirbelsäulenabschnitt vor. In der Folge nehmen Betroffene meist eine Schonhaltung ein, um den Schmerz zu vermeiden. So entsteht ein zunehmendes Ungleichgewicht, wodurch die Muskelverspannungen verstärkt werden. Behalten Sie daher immer im Hinterkopf, dass eine Massage zwar die Symptome behandelt, nicht aber die Ursache beseitigt. "Geht die Therapie zu lange an der Ursache vorbei, drohen die anfänglichen Beschwerden chronisch zu werden. Im schlimmsten Fall sind die Betroffenen lebenslang auf Schmerzmittel angewiesen", so der Experte.

Zur Vorbereitung auf eine Krankengymnastik ist die Massage hingegen ein probates Mittel. Denn sie kann Gewebeverhärtungen vorab lösen und die Durchblutung der Muskeln fördern, die später bei der Krankengymnastik beansprucht werden.