Magersucht: Ursachen

Experten gehen davon aus, dass die Essstörung Magersucht verschiedene Ursachen hat: Gesellschaftliche, psychologische, anlagebedingte und biologische Faktoren spielen eine Rolle
aktualisiert am 27.05.2014

Vor allem Mädchen in der Pubertät sind gefährdet, an Magersucht zu erkranken

Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

Magersucht tritt vor allem in der Pubertät in Erscheinung. Psychische Ursachen, aber auch Gewohnheiten innerhalb der Familie, biologische und gesellschaftliche Einflüsse können bei der Entstehung der Essstörung eine Rolle spielen und sich gegenseitig beeinflussen.

Gesellschaftliche Faktoren

Models – die Idole vieler Mädchen – wiegen heute oft deutlich weniger als der Durchschnitt gleichaltriger junger Frauen. Der Computer macht selbst schlanke Menschen auf Fotos noch dünner und langbeiniger, bevor die Bilder in Magazinen oder auf Plakatwänden erscheinen. Aktuelle Modetrends werden nicht selten an realitätsfernen Körperformen präsentiert.

Durch Werbung und Medien entsteht leicht der Eindruck, dass nur Menschen mit strengen Idealmaßen erfolgreich und attraktiv sind. Kinder und Jugendliche können über "Schlankheitskuren" allmählich in die Essstörung rutschen. Um abzunehmen, beginnen sie ihren Speiseplan rigide zu kontrollieren. Nach und nach verlieren sie das Gespür für ein natürliches Essverhalten, für Hunger und Sättigung. Gleichzeitig bekommen sie Anerkennung für ihre Abnehmerfolge. Sie entdecken, dass sie den eigenen Körper scheinbar nach Belieben kontrollieren und manipulieren können, und dass sie damit zunächst Bestätigung erlangen.

Sportarten oder Berufe, die ein sehr niedriges Körpergewicht verlangen, erhöhen das Risiko für eine Magersucht, zum Beispiel Ballett, Eiskunstlauf, Skispringen, Turnen, Leichtathletik, Model-Berufe.

Psychologische Faktoren und Persönlichkeitsmerkmale

Magersucht beginnt überwiegend in der Pubertät. Die Krankheit kann Ausdruck dafür sein, dass sich die Betroffenen den Anforderungen dieser Lebensphase nicht gewachsen fühlen. Hinzu kommt, dass Mädchen im Jugendalter einen höheren Körperfettanteil haben und gleichzeitig der Energieverbrauch niedriger ist als bei Jungen. Das erhöht das Risiko für den Start von Diäten und den Beginn einer Essstörung.

Es gibt unterschiedliche Konzepte über die Entstehung von Essstörungen. Psychoanalytische Theorien sehen in der Magersucht den unbewussten Wunsch, eine Kindergestalt beizubehalten, sexuelle Wünsche zu unterdrücken, die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen zu bremsen oder umzukehren.

Mögliche Auslöser können auch innerhalb der Familie der Betroffenen liegen. Es gibt jedoch nicht die Magersucht-Familie. Bei einem Teil handelt es sich äußerlich um "Bilderbuch-Familien". Die Betroffenen werden sehr stark von ihren Eltern behütet, Konflikte eher gemieden, es besteht großes Harmoniebedürfnis. Gleichzeitig setzen die Eltern hohe Erwartungen in ihren Nachwuchs.

Magersüchtige wirken oft angepasst, introvertiert und nicht selten perfektionistisch. Ihre Persönlichkeit kann zwanghafte Züge tragen. Viele haben auch Schwierigkeiten zu spüren, wie es ihrem Körper gerade geht. Sie fühlen zum Beispiel nicht, dass sie müde sind oder Schmerzen empfinden.

In manchen Fällen finden sich in der Biografie der Betroffenen schwere Traumen wie sexueller Missbrauch.

Essgewohnheiten in der Familie

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einstellung zu Nahrungsmitteln und Essgewohnheiten in der Familie. Eltern oder Geschwister können als Modell dafür dienen, wie mit Lebensmitteln umgegangen wird, ob beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden, weil sie einen tatsächlichen oder vermeintlichen "dickmachenden" Effekt haben können. Aus der Überzeugung heraus, sich nur "gesund" ernähren zu wollen, wird in manchen Familien der Verzehr von Gemüse, Obst und Salat besonders positiv verstärkt und beispielsweise der von Fleisch, Wurst oder Butter abgelehnt oder weitgehend vermieden – obwohl gerade im Kindes- und Jugendalter eine ausgewogene Ernährung mit einem ausreichend hohen Fett- und Proteinanteil für die gesunde Entwicklung notwendig ist.

Wie steht eine Familie zu Figur, Gewicht, sportlicher Aktivität, Fitness und häufigem Diätverhalten? Das kann eine Rolle spielen bei der Entwicklung von eigenen Überzeugungen darüber, was als schön und attraktiv gilt. Das bedeutet: Das Lernverhalten hat eine große Bedeutung beim Erwerb von Essgewohnheiten.

Anlagebedingte Faktoren

Anhand von Untersuchungen in Familien Betroffener und in Zwillingsstudien konnte gezeigt werden, dass Verwandte von Betroffenen mit Magersucht ein deutlich erhöhtes Risiko haben, ebenfalls eine Magersucht zu entwickeln. Dieses Risiko steigt mit engerem Verwandtschaftsgrad. Man nimmt heute an, dass verschiedene Gene (Träger der Erbsubstanz) zusammen zu diesem Risiko beitragen.

Biologische Faktoren

Verschiedene Botenstoffe und Hormone, die auf das Esszentrum im Gehirn wirken, sind wahrscheinlich bei der Entstehung, sicher aber bei der Aufrechterhaltung der Magersucht von Bedeutung. Einer dieser Botenstoffe ist das Serotonin. Dieser Neurotransmitter wird in Nervenzellen des Gehirns aus der Aminosäure Tryptophan gebildet, die mit der Nahrung zugeführt wird. Serotonin hat Einfluss auf das Hunger- und Sättigungsgefühl.


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