Magersucht: Symptome

Das Leben und Denken Magersüchtiger dreht sich nur noch um Themen wie Kalorien, Abnehmen, Ernährung und Gewicht. Auffälligstes Merkmal der Krankheit ist deutliches Untergewicht
aktualisiert am 27.05.2014

Oft kochen Magersüchtige mit Eifer für andere

Thinkstock/Goodshot

Charakteristisches Zeichen der Magersucht ist Untergewicht, das nicht etwa durch eine Krankheit ausgelöst ist, sondern meist innerhalb kurzer Zeit absichtlich herbeigeführt wird.

Doch auch das Verhalten der Betroffenen ändert sich in typischer Weise. Je nachdem, welche Symptome vorherrschen, unterscheiden Experten verschiedene Formen der Krankheit (siehe weiter unten).

Das viel zu niedrige Gewicht und eine anhaltende Mangelernährung wirken sich negativ auf viele Körperfunktionen aus. Mehr dazu im Kapitel "Folgen".

Wichtigstes Merkmal – Untergewicht

Ob sich das Körpergewicht im Normalbereich oder darunter bewegt, lässt sich am Körpermasse-Index (Body-Mass-Index = BMI) ablesen. Berechnet wird dieser Wert als Quotient aus Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße (kg/m²). Tipp: Ihren BMI können Sie hier online berechnen. Für erwachsene Frauen beginnt das Normalgewicht ungefähr bei einem BMI von 19 kg/m² und darüber. Untergewicht liegt bei einem BMI < 17,5 kg/m² vor. Für Kinder und Jugendliche ist der BMI allerdings nicht ohne weiteres anwendbar. Anhand von BMI-Perzentilenkurven kann der Arzt feststellen, ob das Gewicht altersgerecht oder zu niedrig ist.

Formen der Magersucht

Experten unterscheiden zwei Formen der Krankheit:

1) Restriktive Anorexia nervosa: Die Betroffenen versuchen auf unterschiedlichen Wegen, Gewicht zu verlieren. Sie hungern, betreiben exzessiv Sport oder unterwerfen sich einer strengen Diät, bis sie extrem – oft lebensbedrohlich – schlank geworden sind. Typischerweise meiden sie besonders kalorienreiche Lebensmittel. Manche jüngere Mädchen oder Jungen versuchen, ihr aktuelles Körpergewicht nur zu halten und nicht weiter zuzunehmen, obwohl sie sich in der Wachstumsphase befinden. Sie nehmen also für ihr Alter zu wenig zu. Andere Betroffene ziehen sich absichtlich zu kalt an, um durch Frieren noch mehr Energie zu verbrennen oder sie rauchen, um ihren Stoffwechsel zu steigern.

2) Purging-Typ: Magersüchtige aus der anderen Gruppe versuchen zusätzlich zu den oben beschriebenen Symptomen aktiv ihr Gewicht zu reduzieren. Sie missbrauchen zum Beispiel Abführ- oder Entwässerungsmittel, oder sie erbrechen nach dem Essen, um ihr Gewicht weiter zu senken oder um eine weitere Gewichtszunahme zu vermeiden. Durch lange Fastenperioden kann es auch zu Heißhungerattacken mit Essanfällen kommen. Mediziner nennen diese Form der Magersucht "Purging-Typ", vom englischen Wort "to purge" = abführen, oder auch die bulimische Form der Anorexie. Patienten aus dieser Gruppe haben ausgeprägtere negative körperliche Folgen der Krankheit zu befürchten. Insgesamt ist die Prognose bei dieser Gruppe etwas schlechter als bei der ersten Gruppe.

Typische Anzeichen der Magersucht

  • Körperschemastörung: Trotz ihres Untergewichts glauben Magersüchtige, noch immer zu dick zu sein, sie nehmen ihren Körper verzerrt wahr. Im Blickpunkt stehen dabei vor allem Oberschenkel, Bauch und Hüften. Hier sehen die Betroffenen weiterhin störende Fettpolster, obwohl längst keine mehr da sind. Experten nennen dieses Phänomen Körperschemastörung.
  • Angst vor Gewichtszunahme: Magersüchtige haben panische Angst zuzunehmen. Sie kontrollieren Ihr Gewicht penibel, manchmal mehrmals am Tag. Sie wiegen Lebensmittel ab, zählen akribisch Kalorien, studieren stundenlang die Angaben auf der Verpackung und kennen den Nährwert zahlreicher Produkte auswendig.
  • Auffällige Essrituale: Nicht selten essen Magersüchtige auffällig langsam, "stochern" im Essen, trinken viel Wasser, um den Magen zu füllen oder folgen selbst erdachten Essritualen. Manche legen heimliche Lebensmittelvorräte an oder schwindeln, wenn sie zu ihren Essensmengen befragt werden.Viele essen nur noch selten und ungern gemeinsam mit anderen. Oft "bekochen" sie aber mit großem Eifer Familienangehörige und Freunde ohne selbst zuzugreifen. Sie beschäftigen sich in der Theorie viel mit Ernährungsfragen, sammeln oder tauschen beispielsweise Kochrezepte.
  • Gedanken kreisen um Gewicht und Essen: Die Themen "Gewicht", "Kalorien" und "Essen" beherrschen das Leben und die Gedanken der Patienten. Viele Magersüchtige ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück, lassen Kontakte zu Freunden einschlafen, vernachlässigen andere Interessen.

Magersüchtige empfinden sich meistens nicht als krank. Sie weisen den Verdacht weit von sich, sie könnten an einer Essstörung leiden. "Iss doch etwas mehr!", "Du solltest wirklich ein wenig zunehmen" – solche gut gemeinte Ratschläge zeigen keinerlei Wirkung.

Der Begriff "Anorexia" bedeutet wörtlich übersetzt "Appetitlosigkeit", was eigentlich nicht treffend ist. Denn obwohl Magersüchtige kaum noch Nahrung zu sich nehmen, haben viele zunächst noch einen normalen oder manche sogar großen Appetit. Diesen verleugnen sie allerdings mit enormer Selbstbeherrschung. Manche entwickeln Zwänge oder leiden an depressiven Verstimmungen.

Die Erfahrung, sich selbst beherrschen, selbstbestimmt Kontrolle über den eigenen Organismus ausüben zu können, verschafft oft ein Gefühl von Autonomie. Jedes Kilo weniger auf der Waage ist dann wie ein Beleg für die tägliche Selbstüberwindung, eine Bestätigung.

Je ausgeprägter das Untergewicht wird, desto mehr bekommen außerdem biologische Faktoren eine starke Bedeutung. Im Zustand der Unterernährung kann das Gleichgewicht zwischen den körpereigenen Hormonen und Botenstoffen gestört sein. So kann zum Beispiel das Hungergefühl vollständig verloren gehen. Schließlich wird ein Grenzpunkt erreicht, von dem aus Betroffenen es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, wieder an Gewicht zuzunehmen.


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