Magersucht: Körperliche Folgen

Der starke Gewichtsverlust und die meist damit verbundene Mangelversorgung bleiben auf Dauer nicht ohne Folgen für den Organismus

aktualisiert am 27.05.2014
EKG

Herzstromkurve: Bei schwerer Magersucht kann das Herz aus dem Takt geraten


Typischerweise sinkt bei einer Magersucht der Spiegel der Geschlechtshormone ab. Wenn weibliche Betroffene deutlich abnehmen, setzt ihre Regelblutung aus – vorausgesetzt sie nehmen nicht die "Anti-Baby-Pille", wodurch dem Körper eine gesunde Hormonproduktion vorgetäuscht wird. Der Zyklus normalisiert sich erst wieder, wenn das Gewicht wieder in den Normalbereich angestiegen ist. Betroffene verlieren oft das Interesse an Sexualität und männliche Magersüchtige leiden zusätzlich oft an Potenzstörungen.

Der Energiemangel bewirkt, dass der Körper auf "Sparflamme" schaltet. Die Körpertemperatur fällt ab, der Blutdruck sinkt, das Herz schlägt langsam. Viele Magersüchtige frieren schnell, haben kalte Hände und Füße. Weil die Betroffenen ihre Nahrungsaufnahme stark reduzieren, kommt es leicht zur Verstopfung.

Magersüchtige haben oft eine trockene und schuppige Haut. Darüber hinaus können die Nägel brüchig und die Haare dünner werden oder sogar ausfallen. An einigen Körperstellen, wie an den Armen, am Rücken und im Gesicht, entwickelt sich eine flaumartige, feine Behaarung (Lanugobehaarung). Sie soll bewirken, dass der Körper nicht so schnell auskühlt. Weil das Unterhautfettgewebe schrumpft, treten die Venen deutlich sichtbar hervor, die Haut an Händen und Füßen schimmert bläulich.

Wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Nährstoffe erhält, baut er Muskelmasse ab. Wachstum und Entwicklung geraten dann ins Stocken. In Verbindung mit einem Mangel an Kalzium, Phosphat und Vitamin D kommt es zu Störungen des Knochenstoffwechsels. Die Knochen werden brüchig, bekannt als Osteoporose. Auch die Zähne leiden, insbesondere, wenn häufiges Erbrechen dazukommt. Es drohen Karies oder sogar Zahnausfall. Bei einem starken Eiweißmangel lagert sich Flüssigkeit im Gewebe ab (Ödeme).

Im Zustand der Unterernährung wird ein Schwund des Hirngewebes beobachtet. Dieser Schwund äußert sich insbesondere in einer Verbreiterung der Hirnfurchen und einer Vergrößerung der inneren Gehirnkammern, die das Hirnwasser führen. Der Schwund des Hirngewebes geht mit Leistungseinbußen des Gehirns einher. Mit Gewichtsnormalisierung bildet sich der Hirnschwund in den meisten Fällen wieder zurück.

Extremes Hungern, Erbrechen und der Missbrauch von Abführmitteln können den Salzhaushalt des Körpers durcheinander bringen. Leicht entsteht ein Mangel an wichtigen Elektrolyten. Ein schwerer Kaliummangel ist besonders problematisch, denn er löst gefährliche Herzrhythmusstörungen aus. Ist die Magersucht ausgeprägt und lang anhaltend, nehmen die Nieren Schaden.

Unter einer Mangelversorgung leidet auch das Immunsystem. Der Körper wird anfällig für Infektionen. Sie sind bei sehr schwer verlaufender Magersucht ebenso wie Herzkomplikationen eine häufige Todesursache.