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Coronavirus: Wachsam sein ohne Panik

Warum Hysterie jetzt unangebracht ist, wir die Covid-19-Erkrankung aber dennoch ernst nehmen sollten. Und weshalb ein Lächeln zur Begrüßung rücksichtsvoller ist als ein Händedruck

von Tina Haase, 02.03.2020
Begrüßung Coronavirus ohne Händeschütteln

Aus Hygienegründen nicht jedem die Hand geben: Ein freundlicher Gruß aus der Ferne tut es auch


Die Angst vor dem Coronavirus ist groß in Deutschland. Wer derzeit niest und schnieft, erntet ängstliche Blicke seiner Mitmenschen. Die Regale in Supermärkten sind zeitweise leer gekauft, Menschen mit Atemschutzmasken begegnen einem in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Coronavirus ist auch in der Familie zum Dauerbrenner-Thema geworden.

Besser zunicken als Händeschütteln

Auf der einen Seite ist das gut, denn so prägt sich ein, welche Vorsichtsmaßnahmen jeder Einzelne treffen kann, damit sich das Virus langsamer ausbreitet. Die drei wichtigsten sind: gründlich die Hände waschen, in den Ellenbogen husten und Abstand halten. Man sollte Menschen, die einem die Hand zur Begrüßung ausstrecken, höflich mit "Corona, Stopp!" begegnen und ihnen freundlich zunicken, sagt Professorin Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin.

Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung ist auch wichtig, weil sich die Lage ständig ändert. "Wir haben es mit einem sehr dynamischen Geschehen zu tun", sagt der Präsident des Robert Koch-Instituts Professor Lothar Wieler. Das bedeutet, dass dort reagiert werden muss, wo neue Infizierte auftauchen: Erkrankte werden im Krankenhaus isoliert. Die Gesundheitsämter ermitteln, wer Kontakt zu den Betroffenen hatte. Zeigen diese keine Krankheitsanzeichen, bleiben sie in häuslicher Quarantäne, bis eine Infektion ausgeschlossen ist.

Oft verläuft die Erkrankung wie eine Erkältung

Auf der anderen Seite sollte die Angst nicht Überhand nehmen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beklagt "Warnungen von teilweise zweifelhaften Experten" und Professor Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité Berlin, kritisiert die "Überbetonung des Risikos", was das Coronavirus angeht.

Bei den meisten Menschen mache sich die Erkrankung lediglich durch eine Erkältung bemerkbar, viele hätten auch gar keine Symptome, so Professor Egbert Tannich, Vorstandsvorsitzender des Bernard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Wenige erkranken an einer Lungenentzündung. Die Sterblichkeitsrate ist beim Coronavirus nach jetzigem Kenntnisstand jedoch höher als bei der Grippe.

Mancherorts wird der Alltag eingeschränkt

Was also tun? Hygienemaßnahmen einhalten und dort reagieren, wo eine Infektionsgefahr besteht: "An bestimmten Stellen in Deutschland wird der Alltag ein Stück eingeschränkt sein müssen", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

In Heinsberg beispielsweise, wo es vergleichsweise viele Infizierte gibt, sind Schulen und Kindergärten geschlossen. Und in Baden-Württemberg, wo die Ferien gerade zu Ende gingen, sollen Rückkehrer aus Norditalien ihre Kinder vorsichtshalber nicht in Kindergarten und Schule schicken. "Infektionsketten zu unterbrechen" sei das Ziel, so der Gesundheitsminister. "Es zu verlangsamen, es einzudämmen und es vor allem damit besser handhabbar zu machen – für den Einzelnen, aber auch für die Gesamtgesellschaft."

Behörden versuchen, die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu drosseln

Der Chefvirologe der Charité sieht das genauso. Je langsamer sich das Virus ausbreitet, desto besser könne das Gesundheitssystem darauf reagieren. "Es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent der Menschen infizieren", sagt Christian Drosten. Passiere das in einem Zeitraum von zwei Jahren oder mehr, stelle das nach derzeitigem Wissen über das Virus kein großes Problem dar. Dann sei immer konstant eine bestimmte Anzahl an Menschen krank, die versorgt werden müsse. Wer infiziert war und wieder gesund ist, kann erstmal niemanden mehr anstecken. Problematisch werde es, wenn sich Infektionen in komprimierter, kurzer Zeit ausbreiten.

Damit das nicht passiert, versuchen Behörden beginnende Ausbrüche rasch zu erkennen und zu verlangsamen. Es stünden deutschlandweit 400 Gesundheitsämter bereit, die gut vorbereitet seien, so Dr. René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt. Und der Bundesgesundheitsminister betont, dass es nur wenige Länder gibt, die bezogen auf die Bevölkerung so viele Ärzte und Pfleger hätten wie Deutschland. "Wir können mit der Situation umgehen", so Jens Spahn.