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Coronavirus: WHO ruft Notstand aus

Staaten fliegen wegen des Coronavirus ihre Mitbürger aus China aus. Unternehmen schließen ihre Niederlassungen. Mittlerweile gibt es mehr Fälle als bei Sars 2002/2003. Nun verkündet die WHO den Notstand

von dpa, aktualisiert am 03.02.2020
Mundschutz London Coronavirus

Weltweite Besorgnis: Passantin mit Mundschutz in London


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus aus China zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung untereinander koordinieren.

WHO-Direktor: "Alle im selben Boot"

Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend nach der Sitzung eines Expertenausschusses. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. «Wir sitzen alle im selben Boot», sagte Tedros. Das Virus könne nur gemeinsam aufgehalten werden. «Das ist die Zeit für Fakten, nicht Angst.» Der Notstand heißt offiziell «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite».

Die Zahl der nachweislich mit dem neuen Virus Infizierten ist inzwischen auf weltweit mehr als 9600 gestiegen. Vor zwei Wochen waren erst 40 Fälle gezählt worden. Außerhalb Chinas sind in rund 20 Ländern mehr als 100 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Darunter sind neben Deutschland auch Frankreich, Thailand, Japan, Malaysia, die USA, Finnland, Australien, Südkorea, Indien und die Philippinen. Vielfach sind die Infizierten Reisende aus China, aber es kommt auch zu neuen Ansteckungen außerhalb des Landes.

Schnellere Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen

Die WHO empfiehlt nun unter anderem, dass Länder mit weniger entwickelten Gesundheitssystemen unterstützt werden sollen. Zudem soll die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen beschleunigt, Wissen und Daten geteilt und gegen Gerüchte vorgegangen werden. Gleichzeitig empfiehlt die WHO aber keine Handels- und Reisebeschränkungen.

Viele Länder haben in den vergangenen Tagen schon eigene Maßnahmen ergriffen. «Wenn jedes Land seine eigenen Maßnahmen verhängt, kann das das Rezept für ein Desaster sein, etwa wirtschaftlich», hatte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan zuvor erläutert. Die WHO kann aber kein Land zwingen, Maßnahmen zu ergreifen oder zu unterlassen.

Offizieller Name "2019-nCoV - akute Atemwegserkrankung"

Mittlerweile sind von dem Virus mehr Menschen betroffen als vor 17 Jahren bei der Sars-Pandemie. Damals wurde das Schwere AkutenAtemwegssyndrom (Sars) nach WHO-Statistiken bei 8096 Menschen nachgewiesen. Durch das neue Virus, das mit dem Sars-Erreger verwandt ist, sind bisher über 210 Menschen ums Leben gekommen. Die WHO nennt das neue Virus jetzt «2019-nCoV - akute Atemwegserkrankung».

Inzwischen fünf Patienten in Bayern

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen in Bayern ist auf fünf gestiegen. Ein Patient aus dem Landkreis Traunstein habe sich mit dem Virus aus China infiziert, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstagabend in München mit. Es handelt sich den Angaben zufolge wieder um einen Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der auch die vier bislang bekannten Fälle beschäftigt sind. Weitere Informationen wollte das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilen.

110 Kontaktpersonen aus der Firma werden dieser Tage auf das neuartige Virus getestet. Bis Donnerstagabend (20.00 Uhr) lagen bis auf die fünf nun bestätigten Fälle keine weiteren positiven Ergebnisse vor.

Telefon-Hotline

Für Nachfragen zum Thema Coronavirus hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eine Telefon-Hotline eingerichtet, die unter der Nummer  09131/6808-5101 erreichbar ist. Auch mehrere Krankenkassen bieten telefonische Auskünfte an.

Wegen des Coronavirus' rief das bayerische Gesundheitsministerium alle Krankenhäuser im Freistaat auf, sich auf die Aufnahme von begründeten Verdachtsfällen und Patienten mit einer bestätigten Infektion vorzubereiten.

Rückholaktion für Deutsche in Wuhan geplant

Die Bundesrepublik plant eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger aus der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan. Der Flug war zunächst für Samstag geplant. Sicher war das aber auch am Donnerstag noch nicht. Die Teilnahme ist freiwillig. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Die Rückkehrer sollen 14 Tage lang auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz in Quarantäne, wie zuerst die Zeitungen des Medienhauses VRM berichteten. Auch andere Länder planen solche Flüge.

Mundschutz Pilot Coronavirus Flughafen Wuhan

Auswirkungen für die Wirtschaft

BMW hat seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Der Volkswagen-Konzern setzt seine Produktion in China vorerst weiter aus. Der schwedische Autobauer Volvo verlängerte die zur chinesischen Neujahrsfest gewährte Produktionspause. «Es ist noch deutlich zu früh, um eine seriöse Analyse über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus erstellen zu können», sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

In China sagten die Behörden immer mehr Veranstaltungen ab, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Neben der Lufthansa und British Airways kündigten weitere Fluggesellschaften wie Air France, KLM, Finnair, American Airlines, SAS, die spanische Fluggesellschaft Iberia und die israelische El Al an, ihre Flüge nach China streichen.