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Coronavirus: Maßnahmen in Deutschland

Labortests, Isolierung, Flughäfen: Ämter und Ärzte setzen auf erprobte Eindämmungs-Mechanismen, um eine Ausbreitung der Lungenepidemie in Deutschland zu verhindern

von dpa, 29.01.2020
Mundschutz Ausverkauft Apotheke AU Coronavirus Übertragung Schützen

Ansturm auf Apotheken: Im Raum München ist der Mundschutz schon vielerorts ausverkauft. Verdachtsfälle sollten den Mundschutz tragen, um ihre Mitmenschen zu schützen


Mediziner und die Behörden hat es nicht überrascht: Die neue Lungenkrankheit ist mit den ersten Nachweisen in Bayern nun auch in Deutschland angekommen. Die Gefahr, dass sich das neuartige Coronavirus hierzulande weiter verbreitet, sei aber «nach wie vor gering», erläutert das Bundesgesundheitsministerium. Dafür gibt es eingeübte Abläufe und Meldewege sowie auch erste Vorkehrungen - und gesetzliche Grundlagen für mögliche weitergehende Krisenmaßnahmen.

Vorgehen bei einem Verdachtsfall

Wenn es einen Verdachtsfall gibt, sind zunächst bestimmte Kriterien abzuchecken: Zeigt jemand Merkmale einer Atemwegserkrankung wie Husten oder eine Lungenentzündung? Und war er in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet in China wie der Region Wuhan? Oder aber in den vergangenen 14 Tagen in Kontakt mit einem Erkrankten? Wenn ja, wird der Patient ärztlich untersucht, wobei Hygienemaßnahmen wie ein Schutz über Mund und Nase dazugehören. Hintergrund für den Zeitraum von 14 Tagen ist, dass die Inkubationszeit - die Spanne zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - 2 bis 14 Tage beträgt.

Wenn Patienten mit solchen Verdachtskriterien zum Arzt gehen, sollten sie aber vorher anrufen. Dann können in der Praxis oder in der Klinik Vorkehrungen gegen weitere Ansteckungen wie etwa Hygienemaßnahmen getroffen werden, wie das Ministerium erläutert. Bei der Untersuchung wird idealerweise je eine Probe aus den unteren und oberen Atemwegen genommen. Das Virus ist etwa im Hustenauswurf. Die Auswertung dauert knapp fünf Stunden, dazu kommt noch die Zeit für Kuriertransporte ins Labor. Bisher gebe es etwa eine Handvoll Labore, die Tests anbieten, sagt Lars Schaade vom Robert Koch-Institut (RKI).

Behandung bei einer nachgewiesenen Infektion

Wenn das Virus nachgewiesen wird, soll der Patient «isoliert» werden. Er wird dann in einem Einzelzimmer im Krankenhaus untergebracht und behandelt, das Klinikpersonal muss Schutzkleidung tragen. Menschen, die engen Kontakt zu Betroffenen hatten, sind zu informieren und durch das zuständige Gesundheitsamt zu beobachten. Sie würden dann zunächst namentlich registriert, gefragt werde nach Symptomen, und es würden gegebenenfalls auch Labortests gemacht, erklärt der Berliner Virologe Christian Drosten. Das RKI empfiehlt eine Isolierung im Krankenhaus auch, solange nicht klar ist, ob eine als Verdachtsfall eingestufte Person das Virus in sich trägt. Bei einem positiven Testergebnis würde die Isolierung dann bestehen bleiben.

Isolation: Je nach Erreger unterschiedlich

Muss ein infizierter Patient isoliert werden, gibt es unterschiedliche Stufen. Für hochansteckende Erreger wie etwa Ebola gibt es sieben Behandlungszentren mit Sonderisolierstationen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart.

Das Coronavirus gehört aber nicht zu diesen hochansteckenden Erregern. Betroffene Patienten können grundsätzlich in jedem Krankenhaus isoliert werden. Dazu braucht es lediglich ein Einzelzimmer. Manche Kliniken haben spezielle Isolierzimmer, die über eine Schleuse betreten werden. Das ist aber nicht unbedingt erforderlich. Wichtig ist, dass Basishygienemaßnahmen wie Handdesinfektion und Mundschutz eingehalten werden und das Personal Schutzkleidung trägt, sobald es engen Kontakt mit dem Patienten hat.

Das Gesundheitsministerium verweist darauf, dass solche Maßnahmen 2002/2003 bei der ebenfalls von Asien ausgehenden Lungenkrankheit Sars funktioniert haben. Eine Weiterverbreitung des Sars-Erregers, der auch aus einer Corona-Familie stammte, habe verhindert werden können. Damals gab es demnach am Ende neun wahrscheinliche Fälle in Deutschland, davon wurden vier positiv getestet. Zu Todesfällen kam es nicht. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der aktuellen Erkrankung gibt es nicht, die Symptome können aber mit Medikamenten abgemildert werden.

Zusätzliche Schutzvorkehrungen

Aktuelle amtliche Schutzvorkehrungen sehen vor, dass an einigen Flughäfen Informationsmaterial für ankommende Passagiere aus China vorbereitet wird. Dazu stimmen sich Gesundheitsbehörden der Flughäfen von Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt/Main, München und Berlin mit dem RKI und dem Bundesverkehrsministerium ab, wie das Gesundheitsressort erklärt. Im RKI ist eine Koordinierungsstelle eingerichtet worden, die sich auch mit den Länderbehörden abstimmt. Austausch gibt es zudem etwa mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und mit den anderen EU-Ländern. Das Auswärtige Amt empfiehlt vorerst, nicht notwendige Reisen in die chinesische Region Wuhan zu verschieben.

Weitergehende amtliche Schutzvorkehrungen sind grundsätzlich möglich. Ob sie nötig sind, beurteilt das örtliche Gesundheitsamt «nach den konkreten Umständen des Einzelfalles», wie das Ministerium erläutert. Das Infektionsschutzgesetz legt etwa fest, dass Länderbehörden Veranstaltungen und andere größere Menschenansammlungen beschränken oder verbieten können. Badeanstalten und Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas, Heime und Ferienlager können ganz oder teilweise geschlossen werden. Behörden können Quarantäne für Menschen anordnen, die krank, krankheitsverdächtig oder ansteckungsverdächtig sind. Es kann ihnen untersagt werden, bestimmte Berufstätigkeiten auszuüben.

Auch Einschränkungen von Grundrechten sind möglich

Die zuständige Behörde kann prinzipiell auch Personen verpflichten, «den Ort, an dem sie sich befinden, nicht zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte nicht zu betreten, bis die notwendigen Schutzmaßnahmen durchgeführt worden sind». Insofern könnten damit grundsätzlich auch Grundrechte der Freiheit der Person, der Versammlungsfreiheit und der Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt werden. Aber: «Eine Heilbehandlung darf nicht angeordnet werden», heißt es im Gesetz.

Von abgeriegelten Millionenstädten wie in China ist hierzulande nicht die Rede. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verweist etwa auf Masern, die deutlich ansteckender seien als das Coronavirus. «Und wir bekommen auch einen Masern-Ausbruch in Deutschland mit deutlich milderen Maßnahmen in den Griff, als wir sie derzeit in China sehen.»