{{suggest}}


Body-Plethysmografie: COPD früher erkennen

Die chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) wird oft zu spät entdeckt, wenn den Patienten schon die Luft wegbleibt. Ein Lungenfunktionstest bringt bereits vorher Klarheit

von Bettina Rackow-Freitag, 08.10.2019
Lungenfunktionstest

Ab in die Kabine: Lungenärzte testen den Atemfluss


Gerade der undramatische Beginn macht eine chronisch obstruk­tive Lungenerkrankung (COPD) so dramatisch. Unmerklich nimmt die Leistung der Lunge über Jahre langsam ab. "Das macht sie so tückisch", sagt Dr. Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner.

Kommt man eine Treppe nur mit Pausen und schnaufend hoch, schiebt man es gern auf Alter oder Gewicht. Morgendliches Abhusten von Schleim, ständiges Hüsteln verdrängen Betroffene, weil sie sich daran gewöhnt haben."Wenn wir eine COPD diagnostizieren, ist die Lungenfunktion meist schon um die Hälfte eingeschränkt", berichtet Barczok. Einen Abfall merke man erst, wenn man sich anstrenge und mehr Atemvolumen benötige.

Schäden durch Dämpfe

Die Krankheit kann grundsätzlich jeden treffen, der oft schädigende Dämpfe einatmet. Besonders gefährdet sind aber Raucher, auch passive und ehemalige. "Es reicht bereits eine Zigarette, um die Bronchialschleimhaut für Stunden zu lähmen", sagt Barczok.

Diese arbeitet mit ihren Flimmerhärchen wie ein Förderband, das Schleim, Fremdkörper und Krankheitserreger aus den Lungen transportiert. "Steht diese Müllabfuhr ständig still, hat das Folgen", warnt der Experte. Die Schleimhaut entzündet sich chronisch, die Bronchien verengen sich dauerhaft, un­umkehrbare Schäden entstehen.

Dr. Michael Barczok

Barczok setzt sich daher für ein "anlassloses Untersuchen der Risikoklientel" ein, damit die COPD früher erkannt wird – am besten schon vom Hausarzt. "Die Lunge wird als lebenswichtiges Organ bei Vorsorgeuntersuchungen vernachlässigt", so der Ulmer Arzt.

Lesen aus dem Atemfluss

Diese Auffassung teilt Professor Klaus F. Rabe von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: "Man bekommt eher ein EKG als eine Lungenfunktionsmessung." Dabei helfen die Ergebnisse einer solchen Lufu, wie sie in Kurzform genannt wird, bei der Diagnose. Sie erleichtert vor allem die Abgrenzung zu anderen Atemwegs­erkrankungen wie Asthma.

Hausärzte können eine "kleine Lungenfunktionsmessung" durchführen; für die "große", die sogenannte Bodyplethysmografie, müssen Patienten zu einem Lungenfacharzt gehen. Man sitzt dafür in ­einer Glaskabine und atmet durch ein Mundstück unterschiedlich lang und stark ein und aus. Aufgezeichnet werden die Druckveränderungen in der Kabine (siehe Grafik), die Diagramme wertet der Arzt aus.

Infografik Lungenfunktionstest

Ganzkörperplethysmografie: Der große Lungenfunktionstest

Wichtige Diagnosewerte für die COPD:

 

  • Forciertes Einsekunden-Volumen: Der FEV1-Wert gibt die Luftmenge an, die nach maximaler Einatmung innerhalb einer Sekunde so schnell wie möglich ausgeatmet werden kann. Damit wird der Schweregrad einer COPD festgestellt.
  • Forcierte Vitalkapazität: Der FVC-Wert ermittelt den Atemfluss und gibt an, wie schnell die gesamte Luft ausgeatmet werden kann. Liegt das Verhältnis von FEV1 zu FVC unter 0,7, ist das ein klarer Hinweis auf eine COPD.
  • Residualvolumen: Der RV-Wert zeigt die Luftmenge an, die nach vollständiger Ausatmung in der Lunge bleibt. Ist er erhöht, weist das auf geschädigte Lungenbläschen hin.

Ein wichtiger Wert ist dabei das Forcierte Einsekunden-Volumen (FEV1). Er gibt die Luftmenge an, die nach maximaler Einatmung innerhalb einer Sekunde so schnell wie möglich ausgeatmet werden kann. Damit wird der Schweregrad einer COPD bestimmt. Liegt der Wert unter 80 Prozent, ist das ein Hinweis auf ein mittelschweres Krankheitsstadium.

Im Lauf der Zeit gerät der Patient immer stärker in Luftnot. Im schweren fortgeschrittenen Stadium genügt bereits das Ausziehen des T-Shirts, um außer Atem zu sein. Dann hilft neben der medikamentösen Therapie zusätzlich eine Sauerstoffzufuhr.

Mit Rauchstopp vorbeugen

Je nach Symptomen und Stadium kommen in erster Linie bronchien­erweiternde und kortisonhaltige Sprays zum Einsatz. Ausdauertraining wie Radfahren hilft, das Fortschreiten der COPD zu verzögern.

"Man kann das Lungenvolumen mit Sport zwar nicht steigern, aber der Körper lässt sich so trainieren, dass er mit weniger Sauerstoff besser zurecht­kommt", erklärt Pneumologe Barczok. Außerdem wird COPD-Patienten empfohlen, sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen, denn akute Atemwegsinfekte können zu Verschlechterungen führen. Wichtig ist, dass sie dann rasch zum Arzt gehen.

Obwohl mehr als sechs Millionen Deutsche an COPD leiden, rund 13 Prozent aller über 40-Jährigen betroffen sind und sie hierzulande die vierthäufigste Todesursache darstellt, wird die Erkrankung von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Eine Umfrage des "Forum of International Respiratory Societies" zeigt, dass COPD nicht zu den Leiden gehört, vor denen sich viele Menschen fürchten.

Wer vorbeugen oder den Verlauf der Lungenerkrankung positiv beeinflussen will, dem hilft nur ein Rauchstopp. "Ob eine oder zehn Zigaretten am Tag, der lähmende Effekt auf die Schleimhäute bleibt fast gleich", so Barczok. Unter anderem sind Nikotinpflaster, Nikotinpräparate wie spezielle Kaugummis und ein Entwöhnungsprogramm als erste Maßnahmen empfehlenswert.

Die gute Nachricht, so der Mediziner: "Wer bei der Diagnose sofort aufhört zu rauchen, die medikamentöse Therapie einhält und sich ausreichend bewegt, der kann trotz Einschränkungen alt werden."

AU Wirkt Lokal

Individuelle Betreuung von COPD-Patienten

Apotheken helfen beim Rauchstopp und dem Umgang mit Sprays:

 

  • Inhalatoren oder Sprays: "Wir erklären, wie es genau geht, denn bei der Anwendung kommt es auf die richtig abgestimmte Atmung an", sagt Arne Claude Reimann, Apotheken-Inhaber in Springe.
  • Raucherentwöhnung: "Ob Pflaster, Kaugummi oder spezielle Sprays – wir informieren über die Möglichkeiten und die Dosis", so Reimann.
  • Medikamenten-Management: "Viele COPD-Patienten leiden an mehreren Erkrankungen und benötigen oft unterschiedliche Arzneimittel. Wir beraten über die unerwünschten Neben- oder Wechselwirkungen."

Ändern Sie Ihr Verhalten aufgrund der stark gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen?
Zum Ergebnis