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Atemnot – Ursachen im Bereich der Lungengefäße

Lungenembolie, Lungenhochdruck, Lungenödem ("Wasser in der Lunge"): Drei völlig verschiedene, aber bedenkliche Störungen des Kreislaufs in den Lungengefäßen. Mehr über die Ursachen, Symptome und Hilfen

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 08.03.2019
Mann greift sich an die Brust

Die Lungen mit dem Bronchialbaum


Oft mit Atemnot verbunden: Lungenembolie und Lungenhochdruck

Krankheiten des Lungengewebes beeinträchtigen nicht selten die Lungengefäße und schließlich das Herz, vor allem die rechte Herzhälfte. Umgekehrt können Herzerkrankungen die Lungen(-gefäße) in Mitleidenschaft ziehen und mit der Zeit auch der Atmung zusetzen.

Ein Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß verstopft (Embolus; der Vorgang heißt Lungenembolie), stammt in aller Regel aus einer Thrombose in einer Bein- oder Beckenvene. Die Gefäße in der Lunge können auch bei Autoimmunkrankheiten oder anderen sogenannten Systemkrankheiten wie Kollagenosen angegriffen sein. Dabei kann es auch zu Lungenhochdruck kommen. Um diese Zusammenhänge geht es in diesem Kapitel.

  • Lungenembolie: Ein Embolus ist ein Blutgerinnsel. Es gelangt meistens als Teil eines Pfropfens (Thrombus), der eine tiefe Beinvene verschlossen hat (Beinvenenthrombose), in die Lungen. Dabei kann das Gerinnsel eine Lungenarterie verstopfen und einen Lungeninfarkt mit Gewebeschädigung auslösen. Je nachdem, wie klein oder groß das verstopfte Gefäß beziehungsweise der damit verbundene Schaden ist, variiert der Schweregrad der Lungenembolie von unbemerkt über mild bis lebensbedrohlich.

    Tatsächlich können kleine Lungenembolien nahezu symptomlos verlaufen. Da ein gefährlicher Verlauf aber nicht immer auszuschließen ist, sollte beim geringsten Verdacht eine zielgerichtete Diagnostik stattfinden. Lässt sich eine Lungenembolie nachweisen, wird der Arzt eine Behandlung einleiten, indem er zum Beispiel die Blutgerinnung herabsetzt (sogenannte Blutverdünnung, Fachbegriff: Antikoagulation).

    Das Risiko für eine Beinvenenthrombose und in der Folge eine Lungenembolie steigt unter anderem bei Austrocknung, Bettlägerigkeit, Verletzungen, Operationen, Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall, bestimmten Bluterkrankungen und Gerinnungsstörungen. Hormonbehandlungen, etwa hormonelle Empfängnisverhütung (besonders bei Frauen, die rauchen und über 35 Jahre alt sind), eine Schwangerschaft, Fettleibigkeit, Lebererkrankungen, chronische Lungenerkrankungen wie die COPD, Krebserkrankungen und ein Lebensalter über 60 Jahren erhöhen das Risiko ebenfalls.

    Symptome:
    Das sind akute Atemnot, Brustschmerz, der auch in den Oberbauch ausstrahlen kann, Schmerzen besonders auch bei der Einatmung, schnelle Atmung, beschleunigter Herzschlag, Angst, Beklemmung, Schweißausbruch, blutiger Auswurf, "Blausucht" (Zyanose, zum Beispiel bläulich verfärbte Lippen). Bei Atemnot gilt: Lagerung mit aufrechtem Oberkörper, beruhigend auf den Patienten einwirken, Sauerstoff geben, falls zur Hand, sofort Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren. Bei Herz-Kreislaufstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.

    Die Hauptursache der Embolie, eine Beinvenenthrombose, ist nicht immer leicht zu erkennen. Sie kann, muss aber nicht, mit einer Schwellung am Unterschenkel, Schmerzen oder Spannungsgefühl in der Wade, in der Kniekehle oder Leiste einhergehen. Selten kommt es zu einer Verfärbung, Schwellung und Schmerzen des gesamten Beins. Ebenfalls eher selten, aber mit zu berücksichtigen ist eine oberflächliche Venenentzündung (Thrombophlebitis) als möglicher Ausgangspunkt einer Thrombose in tieferen Beinvenen.

    Mehr dazu, insbesondere auch zur Therapie und weiteren Vorbeugung, unter "Lungenembolie".
  • Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie): Normal liegt der mittlere Druck im sogenannten kleinen Kreislauf in den Lungen unter 20 mmHg. Bei pulmonaler Hypertonie, die bei etwa bei einem Druck ab 25 mmHg beginnt, kann er auf weit über das Doppelte ansteigen.

    Es gibt verschiedene Formen und Ursachen. Ein direkt in den Lungengefäßen selbst entstandener Hochdruck kommt eher selten vor. Mehrheitlich sind Erkrankungen des linken Herzens verantwortlich. Natürlich spielen auch Lungenerkrankungen, die zu einem Sauerstoffmangel führen, wie auch dieser selbst, eine Rolle.

    So gibt es Zusammenhänge auch mit schlafbezogenen Atemstörungen (obstruktives Schlafapnoe-Syndrom) und dem dabei wiederholt auftretenden Sauerstoffmangel in der Nacht. Eine weitere, eher seltene Ursache sind wiederholte Lungenembolien (mehr zur Lungenembolie siehe oben). Den damit verbundenen Lungenhochdruck nennen Ärzte chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH). Hier bleiben Abschnitte der Lungenstrombahn trotz längerer gerinnungshemmender Behandlung verschlossen.

    Schließlich können die Lungengefäße durch Erkrankungen im Brustraum unter Druck geraten. Mitunter liegt eine Systemerkrankung des Bindegewebes (Kollagenose) zugrunde, die auch die Gefäße mit einbezieht. Auch Störungen der Schilddrüse oder der Leber werden mit Lungenhochdruck in Verbindung gebracht. Schließlich spielen bestimmte Medikamente eine Rolle, etwa Appetitzügler.

    Lungenhochdruck ist im Prinzip eine fortschreitende Erkrankung, die nicht heilbar ist. Auch kann der erhöhte Lungendruck mit der Zeit das Herz, vor allem die rechte Hälfte, überlasten (Lungenherz oder Cor pulmonale). Bei ausgeprägten Veränderungen kann es zu einem Herzversagen kommen.

    Symptome:
    Anfangs fehlen Symptome, sofern nicht Beschwerden durch eine Grunderkrankung vorhanden sind. Wenn Betroffene sich zum Beispiel bei normaler körperlicher Tätigkeit leicht kurzatmig fühlen und trockenen Husten haben, kann das sowohl von einer Atemwegserkrankung herrühren als auch auf einen Lungenhochdruck hinweisen. Wiederholtes Herzklopfen oder Brustenge kann natürlich auch auf eine Herzerkrankung hindeuten. Mitunter kommt es zu Schwindel und kurzen Ohnmachten (Synkopen).

    Wenn der Druck in den Lungengefäßen weiter steigt und sich ein Lungenherz entwickelt, lässt die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich nach. Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und Atemnot in Ruhe unterstreichen die Schwäche vor allem der überlasteten rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Am Hals können sich überfüllte Venen abzeichnen. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt eine vergrößerte Leber tasten. Mitunter kommt es auch zu einer Bauchwassersucht, außerdem ist ein Rippenfellerguss (siehe unten) möglich.


    Therapie: Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, am besten an ein erfahrenes Zentrum angebunden, können, abhängig von der Krankheitsform und dem Gesundheitszustand eines Betroffenen, helfen. 

    Wichtig ist immer die intensive Behandlung der häufig begleitenden Lungen- und Herzerkrankungen. Spezielle Medikamente, auch als Kombination von zwei bis drei Präparaten verabreicht, können zudem den erhöhten Druck in den Lungengefäßen senken. Sauerstoffgabe, Korrektur einer eventuellen Blutarmut, Schutzimpfungen und ein kontrolliertes körperliches Training sind ebenfalls wichtige Aspekte bei der Therapie.

    In schweren Fällen kommt bei einer CTEPH (siehe oben) eine operative Maßnahme wie die pulmonale Endarterektomie infrage, falls eine gerinnungshemmende Therapie keinen Erfolg bringt. Bei dem Eingriff wird Narbengewebe, das die betroffenen Lungengefäße verstopft, herausgeschält – in etwa so, als ob ein innerer "Ausguss" entfernt würde. Die Möglichkeit einer Lungenverpflanzung werden die Ärzte individuell als äußerste Option sorgfältig prüfen. Überbrückend oder "ersatzweise" kann ein Eingriff namens atriale Septostomie angeboten werden. Dabei wird mittels eines Ballonkatheters eine Öffnung in der Trennwand zwischen den beiden Herzvorhöfen angelegt. Dadurch können sich die Sauerstoffversorgung und die Funktion des rechten Herzhälfte verbessern. Alle genannten Eingriffe haben ihre Risiken. Daher prüfen die Ärzte bei jedem Patienten vorher sorgfältig, welche Methode sich am besten eignet, und klären darüber auf.

    Der Ratgeber "Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)" beschreibt das Krankheitsbild näher.

Ein Lungenödem kann lebensbedrohlich sein

  • Lungenödem: "Wasser in der Lunge": Das ist ein akut bedrohlicher Zustand mit schwerster Atemnot. Es tritt Flüssigkeit aus den feinen Kapillargefäßen in das Gewebegerüst (Interstitium) und schließlich in die Lungenbläschen über, in denen der Gasaustausch stattfindet. Der wird durch den Flüssigkeitsandrang natürlich massiv behindert.

    Hauptursache ist ein akutes Pumpversagen der linken Herzhälfte, zum Beispiel infolge eines Herzinfarktes und / oder einer schweren Herzrhythmusstörung. Dadurch steigt der Druck im Lungenkreislauf akut an. Die feinporigen Gefäße lassen vermehrt Flüssigkeit in die Lymphe übertreten, um sich zu entlasten. Ist die Transportkapazität des Lymphsystems ausgeschöpft, bleibt Flüssigkeit liegen. Sie kann dann nur noch in die Bronchien ausweichen. Das führt zum eingangs in diesem Beitrag beschriebenen "Herzasthma" (Asthma cardiale, ein eher veralteter Begriff). Und es kann zur Folge haben, dass die Atmung drastisch behindert wird oder sogar versagt (siehe auch ARDS, Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen"). Andere Ursachen für ein Lungenödem sind beispielsweise ausgeprägte Nierenschwäche, schwere akute allergische Reaktionen oder Vergiftungen.

    Symptome:
    Die Betroffenen haben schwerste Atemnot und oft Todesangst. Das Gesicht ist sehr fahl und die Lippen sind häufig blau (Zyanose); auch die Hände und Nägel sind oft bläulich verfärbt. Im Falle einer zugleich vorhandenen schweren Lungenerkrankung kann auch die Zunge bläulich verfärbt sein. Manchmal husten die Patienten ein schaumiges, eventuell auch leicht blutiges, hellrotes Sekret ab. Wegen Lebensgefahr müssen sie unverzüglich notfallmäßig behandelt und in eine Klinik gebracht werden.

    Der Ratgeber "Lungenödem" informiert ausführlicher über das Krankheitsbild.
Bergsteiger
  • Höhenlungenödem: In Höhen ab etwa 2000 Metern nimmt der Sauerstoffpartialdruck ab. Nicht akklimatisierte und /oder aber zu einem Höhenlungenödem neigende Alpinisten laufen Gefahr, bei Aufenthalten ab etwa 3000 bis 4000 Metern Höhe ein Lungenödem zu entwickeln. Dazu kommt es häufig in den ersten beiden Tagen, wenn der Körper sich auf die Höhenlage umstellen muss. Wer sich durch angemessene Aufstiegsgeschwindigkeit und passende Höhenlage beim Übernachten gut akklimatisiert hat (meist nach etwa fünf Tagen der Fall), bekommt auf dieser Höhe sehr wahrscheinlich kein Lungenödem.

    Durch verschiedene Mechanismen steigt bei der Entwicklung eines Lungenödems der Druck in den Lungengefäßen als Folge des Sauerstoffmangels in der Höhe übermäßig. Im ungünstigen Fall werden die empfindlichen Membranen in den Gausaustauschzonen geschädigt. In der Folge tritt Flüssigkeit in die Lungenbläschen über.

    Symptome:
    Auffallender Leistungsabfall, Atemnot, zunächst trockener Husten. Bei Verbleib auf der entsprechenden Höhe oder gar weiterem Aufstieg nimmt die Atemnot zu, der Betroffene atmet auch in Ruhelage schwer, benötigt sogar die Atemhilfsmuskeln (siehe Kapitel: "Atmen ohne Not: Wie es uns atmet") und entwickelt eine "Blausucht, atemt hörbar "rasselnd", und hat eventuel blutigen Auswurf. Bei sich verstärkendem Sauerstoffmangel droht die Gefahr einer Hirnschwellung (Hirnödem).


    Erste Hilfe besteht, wenn möglich, in der Gabe von Sauerstoff. Zudem muss der Betroffene sofort in eine tiefere Lage gebracht und behandelt werden.

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    Patienten mit Herz- und Lungenkrankheiten können schon in Höhen ab 1500 Metern Probleme mit Atmung, Herz und Kreislauf bekommen. Was im Einzelfall empfehlenswert ist, sollten sie vorher mit dem Arzt klären. Gesunde Menschen, die Bergwandern oder trekken möchten und bisher noch keine Höhenerfahrung haben, sollten sich vorher fachkundig, je nach Reiseziel und Anforderungen des geplanten Programms am Berg auch höhenmedizinisch gut beraten lassen.

    Ob bei Vorliegen einer Herz- oder Lungenkrankheit zum Beispiel eine Flugreise erlaubt ist, sollten Betroffene ebenfalls mit dem Arzt klären.