Atemnot – Ursachen im Bereich der Lungengefäße

Zu mitunter schwerwiegenden Gefäßerkrankungen in der Lunge gehören die Lungenembolie und der Lungenhochdruck. Ein Lungenödem ("Wasser in der Lunge") ist immer ein Notfall
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Die Lungen mit dem Bronchialbaum

W&B/J. Steffens, Medical Art Service

Krankheiten des Lungengewebes beeinträchtigen nicht selten die Lungengefäße und schließlich das Herz. Umgekehrt können Herzerkrankungen auf die Lungen(-gefäße) schlagen und mit der Zeit auch der Atmung zusetzen.

Ein Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß verstopft (Embolus; das Ergebnis heißt Lungenembolie), stammt in aller Regel aus einer Thrombose in einer Bein- oder Beckenvene. Auch Autoimmunkrankheiten oder andere sogenannte Systemkrankheiten können Gefäße in der Lunge angreifen. Um diese Wechselwirkungen geht es nachfolgend.

  • Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie): Normal liegt der mittlere Druck im sogenannten kleinen Kreislauf in den Lungen unter 20 mmHg. Bei pulmonaler Hypertonie, die bei etwa bei einem Druck ab 25 mmHg beginnt, kann er auf weit über das Doppelte ansteigen.

    Es gibt viele Ursachen. Ein direkt in den Lungengefäßen selbst entstandener Hochdruck kommt nur sehr selten vor. Häufiger sind Erkrankungen des linken Herzens schuld. Natürlich spielen auch Lungenerkrankungen, die zu einem Sauerstoffmangel führen, wie auch dieser selbst, eine Rolle. So gibt es Zusammenhänge auch mit schlafbezogenen Atemstörungen (obstruktive Schlafapnoe) und dem dabei wiederholt auftretenden Sauerstoffmangel in der Nacht. Eine weitere Ursache sind wiederholte Lungenembolien (mehr zur Lungenembolie weiter unten). Den damit verbundenen Lungenhochdruck nennen Ärzte chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie.

    Schließlich können die Lungengefäße durch Erkrankungen im Brustraum unter Druck geraten. Mitunter liegt eine Systemerkrankung des Bindegewebes (Kollagenose) zugrunde, die auch die Gefäße mit einbezieht. Auch Störungen der Schilddrüse oder der Leber werden mit Lungenhochdruck in Verbindung gebracht. Lungenhochdruck schädigt auf Dauer das Herz (Lungenherz oder Cor pulmonale).

    Symptome:
    Anfangs fehlen Symptome, sofern nicht Beschwerden seitens einer Grunderkrankung vorhanden sind. Wenn Betroffene sich zum Beispiel bei normaler körperlicher Tätigkeit leicht kurzatmig fühlen und Husten haben, kann das sowohl von einer Lungen- oder Herzerkrankung herrühren als auch auf einen Lungenhochdruck hinweisen. Dasselbe gilt für immer wieder deutlich empfundenes Herzklopfen oder Herzstolpern und einen beschleunigten Herzschlag. Dabei kann es auch zu Schwindel kommen und dieser sogar kurze Ohnmachten (Synkopen) auslösen – nicht ganz untypisch für einen Lungenhochdruck.

    Wenn der Druck in den Lungengefäßen weiter steigt und sich ein Lungenherz entwickelt, lässt die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich nach. Schwellungen in den Beinen (Ödeme) und Atemnot in Ruhe unterstreichen die Schwäche vor allem der überlasteten rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Am Hals können sich überfüllte Venen abzeichnen. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt eine vergrößerte Leber tasten. Mitunter kommt es auch zu einer Bauchwassersucht, außerdem ist ein Rippenfellerguss (siehe unten) möglich.


    Der Ratgeber "Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)" beschreibt das Krankheitsbild näher und erklärt, wie es festgestellt und behandelt wird.

    Bei chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie bleiben Abschnitte der Lungenstrombahn trotz längerer gerinnungshemmender Behandlung verschlossen. Neuere Therapieverfahren sind die operative pulmonale Endarterektomie, ein Eingriff, bei dem verstopfendes Narbengewebe aus betroffenen Lungengefäßen herausgeschält wird, ein gefäßerweiterndes Medikament namens Riociguat sowie gegebenenfalls eine Lungenverpflanzung.
  • Lungenembolie: Ein Embolus ist ein Blutgerinnsel. Es gelangt meistens als Teil eines Pfropfens (Thrombus), der eine tiefe Beinvene verschlossen hat (Beinvenenthrombose), in die Lungen. Dabei kann das Gerinnsel eine Lungenarterie verstopfen und einen Lungeninfarkt mit Gewebeschädigung auslösen. Je nachdem, wie klein oder groß das verstopfte Gefäß beziehungsweise der Schaden ist, variiert der Schweregrad der Lungenembolie von mild bis lebensbedrohlich. Tatsächlich können kleine Lungenembolien nahezu symptomlos verlaufen. Da ein gefährlicher Verlauf aber nicht immer auszuschließen ist, sollte beim geringsten Verdacht eine zielgerichtete Diagnostik stattfinden. Lässt sich eine Lungenembolie nachweisen, wird der Arzt eine Behandlung einleiten, indem er zum Beispiel die Blutgerinnung herabsetzt (sogenannte Blutverdünnung, Fachbegriff: Antikoagulation).

    Das Risiko einer Beinvenenthrombose und Lungenembolie steigt unter anderem bei Austrocknung, Bettlägerigkeit, Verletzungen, Operationen, Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall, bestimmten Bluterkrankungen und Gerinnungsstörungen. Hormonbehandlungen, etwa hormonelle Empfängnisverhütung (besonders bei Frauen, die rauchen und über 35 Jahre alt sind), eine Schwangerschaft, Fettleibigkeit, Lebererkrankungen, chronische Lungenerkrankungen wie die COPD, Krebserkrankungen und ein Lebensalter über 60 Jahren erhöhen das Risiko ebenfalls.

    Symptome:
    Das sind akute Atemnot, Brustschmerz, der auch in den Oberbauch ausstrahlen kann, Schmerzen besonders auch bei der Einatmung, schnelle Atmung, beschleunigter Herzschlag, Angst, Beklemmung, Schweißausbruch, blutiger Auswurf, blaue Lippen (Zyanose). Bei Atemnot gilt: Lagerung mit aufrechtem Oberkörper, beruhigend auf den Patienten einwirken, Sauerstoff geben, falls zur Hand, sofort Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren. Bei Herz-Kreislaufstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.

    Die Hauptursache der Embolie, eine Beinvenenthrombose, ist nicht immer leicht zu erkennen. Sie kann, muss aber nicht, mit Schmerzen, Spannungsgefühl und Schwellung in der Wade, Kniekehle oder Leiste, Überwärmung des Beines und Druckschmerzen am Bein (über der betroffenen Vene tief im Bein) einhergehen.

    Mehr dazu, insbesondere auch zur Therapie und weiteren Vorbeugung, unter "Lungenembolie".
  • Lungenödem: Lungenödem oder "Wasser in der Lunge": Das ist ein bedrohlicher Zustand mit schwerster Atemnot. Es tritt Flüssigkeit aus den feinen Kapillargefäßen in das Gewebegerüst (Interstitium) und schließlich in die Lungenbläschen über, in denen der Gasaustausch stattfindet. Der wird durch den Flüssigkeitsandrang natürlich massiv behindert.

    Hauptursache ist ein akutes Pumpversagen der linken Herzhälfte, zum Beispiel infolge eines Herzinfarktes und / oder einer schweren Herzrhythmusstörung. Dadurch steigt der Druck im Lungenkreislauf akut an. Die feinporigen Gefäße lassen vermehrt Flüssigkeit in die Lymphe übertreten, um sich zu entlasten. Ist die Transportkapazität des Lymphsystems ausgeschöpft, bleibt Flüssigkeit liegen. Sie kann dann nur noch in die Bronchien ausweichen. Das führt zum eingangs in diesem Beitrag beschriebenen Herzasthma (Asthma cardiale). Und es kann zur Folge haben, dass die Atmung drastisch behindert wird oder sogar versagt (siehe auch ARDS, weiter oben). Andere Ursachen für ein Lungenödem sind ausgeprägte Nierenschwäche, schwere akute allergische Reaktionen oder Vergiftungen.

    Symptome:
    Die Betroffenen haben schwerste Atemnot und oft Todesangst. Das Gesicht ist sehr fahl und die Lippen sind blau (Zyanose); auch die Hände, Nägel und die Zunge sind bläulich verfärbt. Manchmal husten die Patienten ein schaumiges, eventuell auch leicht blutiges, hellrotes Sekret ab. Wegen Lebensgefahr müssen sie unverzüglich notfallmäßig behandelt und in eine Klinik gebracht werden.

Untrainiert auf den Gipfel? Vorsicht!

Thinkstock/Goodshot
  • Höhenlungenödem: In Höhen ab etwa 2000 Metern nimmt der Sauerstoffpartialdruck ab. Nicht akklimatisierte Alpinisten laufen Gefahr, bei Aufenthalten ab etwa 3000 Meter Höhe ein Lungenödem zu entwickeln. Dazu kommt es häufig in den ersten beiden Tagen, wenn der Körper sich auf die Höhenlage umstellen muss. Durch verschiedene Mechanismen steigt der Druck in Lungengefäßen, und die empfindlichen Membranen in den Gausaustauschzonen werden geschädigt. In der Folge tritt Flüssigkeit in die Lungenbläschen über.

    Symptome:
    Auffallender Leistungsabfall, Atemnot, Husten, Blauverfärbung der Lippen. Es kann auch hohes Fieber auftreten.


    Erste Hilfe besteht, wenn möglich, in der Gabe von Sauerstoff. Zudem muss der Betroffene sofort in eine tiefere Lage gebracht und ärztlich behandelt werden.

    !
    Patienten mit Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten sollten sich nicht in Höhen deutlich über 2000 Metern aufhalten. Was im Einzelfall empfehlenswert ist, sollten sie mit dem Arzt klären, zum Beispiel auch die Frage, ob der Gesundheitszustand eine Flugreise erlaubt.

    Weiteres steht im Beitrag "Lungenödem".

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