Atemnot – Ursachen: Rippenfellerkrankungen

Die Lungen werden durch das Brustfell (Pleura) geschützt, zwei durch einen Unterdruck nahezu „unzertrennliche" Hüllen. Husten, Brustschmerzen und Atemnot sind auch Symptome von Pleuraerkrankungen

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Eine Rippenfellentzündung ist meist Folge einer anderen (Atemwegs-)Erkrankung


Das Lungenfell überzieht die Lungen. Als Rippenfell liegt es den Rippen innen an, umschließt außerdem den Lungenflügel nach oben, unten und innen, zum Brustraum hin. Dort sitzt der Lungenstiel, wo das Fell umschlägt, sich einstülpt und so die innere und die äußere Schicht bildet (ähnlich wie bei einem eingestülpten Strumpf).


Zwischen beiden Schichten der Doppelhülle, die fachsprachlich Pleura heißt, befindet sich ein luftleerer Raum (Pleuraspalt) mit einem Flüssigkeitsfilm. Hier herrscht ein Unterdruck. Beim Einatmen nimmt der Unterdruck zu, und Luft wird in die Lungen gesaugt. Gerät Luft in den Spalt hinein, kann die betroffene Lunge kollabieren (Pneumothorax). Bei einer Entzündung (Rippenfellentzündung) kann sich ein Erguss bilden (Rippenfellerguss).

  • Rippenfellerguss (Pleuraerguss): Von einer Rippenfellentzündung ist häufiger die Rede. Zum Beispiel kann eine Entzündung auf das Rippenfell übergreifen (Rippenfellentzündung). Auch bestimmte Virusinfektionen, sodann die Tuberkulose, Systemerkrankungen des Bindegewebes wie die schon öfter in diesem Beitrag genannten Kollagenosen, Erkrankungen im Oberbauch wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder ein Abszess können zu einer begleitenden Rippenfellentzündung führen. In der Folge kann sich auch ein Erguss bilden.

    Bei Krebserkrankungen können Tochtergeschwülste, die sich am Rippenfell angesiedelt haben, dieses reizen, was manchmal ebenfalls zu einem Erguss führt. Auch an der Pleura selbst kann Krebs entstehen (Mesotheliom; siehe im unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen", Abschnitt "Lungenfibrose, Asbesterkrankungen") – mit denselben Folgen. Weitere mögliche Ursachen  von Rippenfellentzündungen sind zum Beispiel eine entgleiste Herzschwäche, verschiedene Störungen, die zu einem ausgeprägten Eiweißmangel führen, und bestimmte Eierstockgeschwülste (Meigs-Syndrom).

    Eine bakterielle Entzündung kann vereitern (Empyem). Die Keine streuen dann auch oft, und als mögliche Komplikation droht eine Blutvergiftung. Andererseits kann sich eine Schwarte aus Narbengewebe um die Lunge legen. Ein Erguss ist mitunter auch blutig, oder es kommt zu einer Einblutung in die Pleura, etwa bei Verletzungen. Die Lunge kann durch einen Erguss beengt und das Atmen erschwert sein.

    Symptome:
    Eine Entzündung (Pleuritis) geht mit starken Schmerzen beim Atmen einher. Folgt ein Erguss, lassen die Schmerzen häufig nach. Jedoch können Fieber und bei einem größeren Erguss Atemnot auftreten. Je nach Ursache sind weitere Symptome möglich. 

    Die Diagnose ergibt sich aus dem körperlichen Befund und der Untersuchung der Lungen, Röntgen- und Ultraschallbildern. Weitere Untersuchungen zielen auf die Ursache, soweit diese noch nicht bekannt ist. Sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken werden der Erguss und / oder die Pleura punktiert, also Flüssigkeit entnommen.

    Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Eventuell sind wiederholte Entlastungspunktionen erforderlich. Bei einem Empyem ist eine Drainage, Spülung und eventuell auch das Einbringen spezieller Medikamente nötig, um nach Möglichkeit zu verhindern, dass sich eine Pleuraschwarte bildet. Denn die kann eine weitere Behandlung erforderlich machen, um die Atmung zu verbessern.
  • Pneumothorax: Darunter versteht man die Ansammlung von Luft im Pleuraspalt, kurz: Pneu (der Wortstamm -thorax, gr., bedeutet Brustkorb). Dies kann passieren, wenn zum Beispiel eine Emphysemblase platzt (zum Emphysem / COPD siehe oben). Auch andere Lungenerkrankungen können einen Pneumothorax begünstigen. Ein Pneu kommt bisweilen spontan bei gesunden, sehr schlanken, großwüchsigen jungen Männern vor, sodann traumatisch, also bei Verletzungen, oder nach verschiedenen Behandlungsmaßnahmen im Brustraum und an den Atemwegen. Der Pneu kann geschlossen oder offen sein, mit Verbindung nach außen oder nach innen, zum Bronchialsystem. Achtung, akute Lebensgefahr: Dramatisch wird es, wenn durch einen Ventilmechanismus mit jedem Atemzug neue Luft in den Pleuraspalt gelangt, die nicht mehr entweichen kann (Spannungs-Pneumothorax). Der Überdruck drückt auf die betroffene Lunge und andere Brustorgane.

    Symptome: Ein geringfügiger Pneumothorax kann auch einige Tage unentdeckt bleiben, wenn Beschwerden wie leichte Atemnot und Reizhusten nicht ernst genommen werden. Plötzlich auftretende Atemnot, beschleunigte Atmung und Husten, wie sie ansonsten häufig bei einem Spontanpneumothorax auftreten, führen dagegen schnell zum Arzt. Auf der betroffenen Seite kommt es meist auch zu stechenden Schmerzen. Die Atembewegung verläuft nicht synchron mit derjenigen auf der gesunden Seite. An der verletzten Stelle kann ein Hautemphysem, eine knisternde Schwellung, vorhanden sein. Bei einem Spannungspneumothorax nimmt die Atemnot immer mehr zu, es kommt zu einer Zyanose, schnellem Puls, das Blut staut sich vor dem Herzen (Einfluss-Stauung), und es droht ein Blutdruckabfall und Schock.

    Die körperliche Untersuchung kann deutliche Anhaltspunkte auf einen Pneu geben, ein Röntgenbild sichert die Diagnose. Beim Spannungspneumothorax muss sofort eine Punktion mit einer ausreichend großen Kanüle durchgeführt und ein Notfallventil aufgesetzt werden, das die Luft heraus-, aber nicht hereinlässt. Ansonsten wird eine Drainage mit Saugung über zwei Tage in den Pleuraspalt gelegt oder eine Punktion und Absaugung durchgeführt. Kleine Pneus resorbieren sich von selbst. Begleitprobleme wie Infektionen erfordern eine gezielte zusätzliche Therapie. Bei einer zugrunde liegenden Lungenerkrankung ist häufig ein Eingriff wie eine Thorakoskopie durch einen Lungenfacharzt angezeigt.