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Atemnot – Ursachen: Herzkrankheiten

Erkrankungen, die das Herz schwächen, führen neben anderen Beschwerden vor allem zu Luftmangel. Daher ist Atemnot auch ein Herzsymptom

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 08.03.2019
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Hinter Atemnot kann sich auch eine Herzerkrankung verbergen


Verschiedene Herzkrankheiten können Luftnot verursachen

Das Herz befördert das frisch mit Sauerstoff beladene Blut in den Körper. Wenn die Fördermenge nicht den Anforderungen entspricht, ist die Transportkapazität zu niedrig, und es wird Atemnot empfunden. Zunächst kommt das bei körperlicher Belastung zum Tragen, später auch in Ruhe.

Daher können alle Erkrankungen, die primär die linke Herzhälfte schwächen, zu einem Engegefühl im Brustraum und / oder Atemnot führen. Das sind bestimmte Herzklappenfehler, Herzkranzgefäßerkrankungen (Koronare Herzkrankheit), ein Herzinfarkt, Herzschäden durch Bluthochdruck sowie Entzündungen des Herzmuskels oder Herzbeutels (Myokarditis, Perikarditis).

Auch Herzrhythmusstörungen können die Herzkraft vermindern. Dabei können auch, müssen aber nicht, weitere Beschwerden auftreten, etwa ein Schwindelgefühl, Brustenge, ein Brustschmerz oder ein Kollaps (Synkope).

Herz-/Aortenklappen (Schematische Darstellung)

Ebenfalls ihre Spuren am Herzen hinterlassen manche Stoffwechselkrankheiten, Hormonstörungen, sogenannte System- und Speicherkrankheiten, Infektionskrankheiten, Medikamente und mitunter Bestrahlungsbehandlungen. Damit verbundene Herzleiden werden allgemein als Kardiomyopathien bezeichnet.

Linksherzschwäche: Atemnot bei Belastung und in Ruhe

Häufig entwickelt sich bei diesen Herzleiden eine Linksherzinsuffizienz. In der Folge wird die Lungenstrombahn überlastet, da die Transportleistung des Herzens nachlässt. Ärzte sprechen von einer chronischen Lungenstauung. Dadurch verändert sich auch das Lungengewebe. Die Dehnbarkeit der Lungen nimmt ab, der Gasaustausch wird erschwert. Stauungen in den Bronchien behindern auch den Atemfluss. So wird das Atmen immer beschwerlicher, es kommt zu Atemnot.

Sowohl bei schwerer, fortgeschrittener Herzinsuffizienz als auch bei akutem Herzversagen, zum Beispiel infolge eines Herzinfarkts, kann ein lebensbedrohliches Lungenödem auftreten (siehe auch unter "Atemnot – Ursachen: "Lungengefäße"). Dabei tritt relativ rasch Flüssigkeit aus den kleinen Lungengefäßen in das Gewebe, das die Lungenbläschen umgibt, später auch in die Lungenbläschen, und der Sauerstoffmangel wird kritisch.

Rechtsherzschwäche: Schwellungen an den Beinen

Manche Herzfehler schwächen die rechte Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz). Häufiger noch ist das bei Erkrankungen der Lungen, etwa einer fortgeschrittenen COPD, der Fall.

Eine zunächst nur die linke Herzhälfte betreffende Herzüberlastung kann auf Dauer auch auf das rechte Herz übergehen, sodass das Herz insgesamt geschwächt wird (Globalinsuffizienz). Das kommt häufiger vor als eine isolierte Rechtherzschwäche.

Der Flüssigkeitsstau in den Geweben ist ein wesentliches Merkmal der Herzinsuffizienz, kann allerdings auch bei anderen Erkrankungen auftreten. In der Folge steigt das Körpergewicht. Im Liegen zirkuliert das Blut stärker. Es kreist auch vermehrt in den Nieren, sodass die Betroffenen nachts häufiger auf die Toilette gehen müssen.

Symptome: Leitsymptom einer chronischen (Links-) Herzschwäche ist Atemnot, zunächst bei körperlicher Belastung. Das entspricht nach der offiziellen NYHA-(New York Heart Association-) Einteilung dem Stadium 2; das Stadium 1 lässt sich nur anhand bestimmter Untersuchungen erkennen. Die körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit nehmen allmählich ab. In den fortgeschrittenen Stadien (3, 4) kommt es auch in Ruhe und im Liegen zu Atemnot. Dazu bestehen weitere Symptome wie körperliche Schwäche, Müdigkeit, Brustschmerzen (Angina pectoris).

Früher war hier vom sogenannten Asthma cardiale die Rede, da die Atemnot bei Herzschwäche ähnlich wie bei Asthma häufig nachts einsetzt und sich wie Asthma mit einer zunächst ziehenden Ausatmung äußern kann. Die Betroffenen haben auch Hustenreiz und tun sich leichter, wenn sie mit erhöhtem Oberkörper und aufgestützten Armen (Orthopnoe) atmen. Allerdings liegt meist schon ein beginnendes Lungenödem vor (Notruf 112). Wird dem Patienten nicht umgehend medizinisch geholfen, besteht Lebensgefahr.

Der Übergang von der Schwäche des linken Herzens zur Rechtsherzschwäche (kombinierte Herzinsuffizienz) verläuft fließend, ist aber nicht zwingend, vor allem bei gezielter Therapie.

Bei vorwiegender Rechtsherzschwäche entwickeln sich Schwellungen an den Knöcheln und Unterschenkeln, manchmal auch im Kreuz. Am Hals und unter der Zunge zeichnen sich die überfüllten verdickten Venen ab. Lippen, Zunge und Mundschleimhaut sind häufig bläulich verfärbt (Zyanose), ebenso die Nagelbetten an Fingern und Zehen. Eine durch Blutüberfüllung "gestaute", vergrößerte Leber und andere Bauchorgane, die unter dem geschwächten rechten Herz leiden, verursachen Beschwerden im Verdauungstrakt, etwa Übelkeit, Appetitlosigkeit. In sehr ausgeprägten Fällen kann sich ein Brustfellerguss oder Herzbeutelerguss bilden.

Bei der Globalinsuffizienz summieren sich die Beschwerden. Der Schlaf ist stark beeinträchtigt. Auch das setzt dem Körper zu.

Je nach Ursache und Stadium lässt sich eine Herzinsuffizienz durch Behandlung der Grund- oder Begleitkrankheit verhindern oder günstig beeinflussen. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von herzchirurgischen oder Katheter-Eingriffen über Medikamente bis hin zu einer Herzverpflanzung.

Mehr Informationen dazu unter anderem in den Beiträgen "Herzschwäche (Herzinsuffizienz)", "Koronare Herzkrankheit (KHK)" und "Herzinfarkt".