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Atemnot – Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege

Erkrankungen der unteren Atemwege betreffen neben der Luftröhre häufig die Bronchien. Wichtigste Ursachen von Atemnot hier: Asthma und chronisch-obstruktive Lungenkrankheit. Diese geht von fast ständig verengten Bronchien aus. Das schädigt die Lungen, häufig auch das Herz

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 08.03.2019
Mann mit Husten

Ständiger Husten mit Auswurf, später auch erschwertes Atmen, sind Kennzeichen einer chronischen und besonders einer chronisch obstruktiven Bronchitis


! Zur Info vorab: Der Begriff "Atemwegserkrankungen" bezieht auch die Lungen mit ein. Allerdings beginnen viele Lungenerkrankungen in den vorgeschalteten Bronchien. Dem haben wir bei der Gliederung dieses Ratgebers Rechnung getragen. Auch bei den Lungenerkrankungen selbst gibt es verschiedene Kategorien (und damit "Kapitel" in diesem Beitrag).

Die unteren Atemwege verlaufen zunächst von der Luftröhre über das gesamte, baumartig aufgebaute Bronchialsystem, die Bronchien (Einzahl: Bronchus; siehe auch Grafik weiter unten). Die Bronchien verzweigen sich immer weiter und werden dabei immer kleiner.

Am Ende der Verästelungen tritt die Atemluft in die beerenartig angeordneten Lungenbläschen (Alveolen) über. Diese sind also die Endstation der Atemwege und zugleich zentraler Teil des Lungengewebes. Denn hier findet der Austausch zwischen den Blutgasen statt (siehe auch Kapitel "Atemnot - Ursachen: Lungenerkrankungen"). Im Anschluss Informationen zu den wichtigsten Krankheitsbildern auf dieser Atemstrecke.

Bronchoskopie

Luftröhre (Trachea): Was hier die Atmung behindern kann

  • Verengung (Trachealstenose), Fremdkörper & Co.: Sowohl die Luftröhre als auch ein Bronchus können krankhaft eingeengt sein (Stenose) – von innen oder außen. Als ungefähres Maß, ab dem sich dies mit Symptomen bemerkbar macht, gilt ein um die Hälfte verengter Durchmesser. Auch nach der Länge unterscheiden Ärzte Stenosen. Bei starren Stenosen zum Beispiel, etwa durch Vernarbungen, beträgt die Grenze zwischen kurz und lang etwa vier bis fünf Zentimeter. Weiche Stenosen können ebenfalls eher kürzer oder länger ausfallen. 

    Beispiele: Gelegentlich finden sich angeborene Membranen als weiche Stenosen. Zu einer Erweichung des Luftröhrenknorpels (Tracheomalazie) kann es bei anhaltendem Druck durch eine vergrößerte Schilddrüse kommen. Die festen Knorpelspangen werden zu Bindegewebe, die Luftröhre ähnelt im betroffenen Bereich einem schlaffen Schlauch. Die Einbuße an Stabilität behindert die Atmung.

    Nach einem Eingriff, einer Verletzung, Bestrahlung, Langzeitbeatmung über einen eingelegten Schlauch (Tubus) oder nach einer Entzündung können starre Stenosen auftreten. Kurzstreckige Engstellen sehen oft sanduhrförmig aus. Mitunter kann ein Fremdkörper, der sich in die Atemwege verirrt hat (fachsprachlich wurde er dann aspiriert), den Luftweg verlegen. Tumoren können den Luftstrom ebenfalls behindern, im Bereich eines Bronchus zum Beispiel bei Lungenkrebs (Bronchialkarzinom).

    Mögliche Komplikationen sind je nach Ursache eitrige Einschmelzungen, Blutungen oder krankhafte Verbindungen (Fisteln) zu umgebenden Strukturen.

    Symptome:
    Abhängig von der Lage, Art und Ausmaß der Verengung / Verlegung treten starker Husten und Atemnot mit pfeifender (Aus-)Atmung (Stridor) auf. Starker Husten spiegelt den reflexhaften Versuch des Körpers, einen Fremdkörper wieder herauszubefördern. Wird ein Lungenflügel nicht mehr belüftet, ist die Atmung auf der entsprechenden Seite aufgehoben. Ein Notfall zeichnet sich insbesondere auch dann ab, wenn sich ein spitzer Fremdkörper im unteren Rachen oder Kehlkopf verkeilt und / oder eine Blutung auslöst. Heftiges Husten, Würgen, Erstickungsgefühl und Angst können einen reflexartigen oder durch den Blutverlust bedingten Blutdruckabfall und Kreislaufstillstand auslösen.

    Diagnose, Therapie:
    Im Notfall, etwa bei Aspiration eines Fremdkörpers oder Schock mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen und den Rettungsdienst (Notruf 112) alarmieren (Helfer). Es sind schnellstmöglich fachärztliche Behandlungsschritte (Bronchoskopie, Operation) geboten, um den Fremdkörper oder ein anderes Hindernis in den Atemwegen zu beseitigen. Auch sonst richtet sich die Behandlung wenn möglich nach der Ursache. Außerhalb eines Notfalls überprüft der Arzt die Lungenfunktion und setzt bildgebende sowie endoskopische Verfahren ein, um die Verengung abzuklären. Mehr dazu unter "Atemnot – Diagnose" in diesem Beitrag.
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Röntgenbild: Die Röntgenaufnahme der Lunge wird von Ärzten ausgewertet

Bronchien: Die wichtigsten Erkrankungen auf einen Blick

  • Asthma bronchiale: Asthma ist die Folge einer überempfindlichen Reaktionsbereitschaft und meist variablen Verengung (Obstruktion) der Bronchien. Der behinderte Luftstrom macht das Atmen sehr anstrengend, Atemnot wird zum vorherrschenden Problem. Ärzte unterscheiden ein allergisches (extrinsisches) Asthma und ein nicht allergisches (intrinsisches) Asthma. Im letzteren Fall sind wiederholte Atemwegsinfekte mit Entzündungen, sodann die sogenannte Rückflusskrankheit (Stichwort Sodbrennen) und anderes mehr im Spiel. Es gibt Mischformen zwischen "allergisch" und "intrinsisch", außerdem Überschneidungen mit dem Krankheitsbild der chronischen obstruktiven Lungenkrankheit (COPD, siehe unten).

    Anstrengungsasthma
    kann im Zusammenhang mit einem allergischem Asthma auftreten. Betroffen sind häufiger bewegungsaktive oder sportlich engagierte Kinder, aber auch junge erwachsene Leistungssportler. Sie reagieren besonders oder sogar nur bei körperlicher Anstrengung mit Husten und Atemnot. Allergieauslöser (Allergene) und Schadstoffe in der Atemluft Kälte und, Lufttrockenheit begünstigen ein Belastungsasthma. Eine gute therapeutische Kontrolle bei Asthma ist auch gut mit Sport vereinbar, natürlich immer so, wie es dem individuellen Trainingszustand entspricht.

  • Symptome: Asthma geht mit Atemnot unterschiedlicher Schweregrade und Dauer, meist anfallsartig, phasenweise auch mit Verschlechterungen (Exazerbationen: erhöhter Therapiebedarf, eventuell auch in der Klinik) einher. Pfeif- und Brummgeräusche bei der Ausatmung, die länger braucht, weil sie gegen einen erhöhten Widerstand arbeitet, Husten (manchmal auch als dominierendes Symptom) und ein Engegefühl in der Brust sind kennzeichnend. Viele Asthma-Patienten kennen auch nächtliche Atemnot.

    Im Anfall stützen sich die Betroffenen oft mit den Armen auf, um mehr Luft zu bekommen – sie nutzen so die Hilfsmuskeln der Atmung, die das Atmen erleichtern. Der Herzschlag ist beschleunigt. In ausgeprägten Fällen kann der Betroffene erschöpft, zugleich unruhig, eventuell auch verwirrt wirken. Bei einem sehr schweren Asthmaanfall kann es zu lebensbedrohlicher Luftnot bis hin zum akuten Atemversagen kommen. Diese Gefahr ist heute wegen verbesserter Behandlungsmöglichkeiten aber deutlich niedriger als früher.

    Bei lange bestehendem Asthma setzt sich mitunter die Neigung zur entzündlichen Verengung der Bronchien fest. Zunehmend verlegt dann ein zäher Schleim, der nicht mehr richtig abgehustet werden kann, die Bronchien (siehe auch Abschnitt über COPD weiter unten).

    Der Ratgeber "Asthma bronchiale" informiert ausführlich über das Krankheitsbild.
Lungenkrankheit COPD
  • Chronische (obstruktive) Bronchitis / chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Husten, Auswurf, Atemnot sind typisch!
    COPD gehört weltweit zu den häufigsten Lungenkrankheiten. Da sie in den Bronchien beginnt, wird sie in diesem Kapitel beschrieben. Von einer chronischen Bronchitis, also einer chronischen Entzündung der Bronchien, ist auszugehen, wenn ein Patient in mindestens jedem von zwei aufeinander folgenden Jahren während drei Monaten Husten und Auswurf hat.

    Eine chronische Bronchitis ist im Prinzip rückbildungsfähig, etwa nach Rauchstop. Häufig geht sie aber in eine Atemwegsverengung (Obstruktion) über oder folgt ihr. Mit der Zeit kann eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung entstehen (engl. Abkürzung: COPD). Allerdings haben nicht alle Patienten mit COPD auch eine chronische Bronchitis.

    ! COPD ist vermeidbar, denn Rauchen (auch Passivrauchen) ist mit Abstand der bedeutsamste Risikofaktor. So bildet häufig der Raucherhusten den Auftakt bei der Entwicklung einer COPD. Neben Rauchen tragen andere Umweltbelastungen (Luftverschmutzung) und weitere Faktoren ihren Teil zu der Krankheit bei. Dazu gehört auch Bronchialasthma (siehe oben), sprich: eine übermäßige Reaktionsbereitschaft auf Reizungen der Bronchien.

    Gemeinsam halten all diese Faktoren die in den kleinen Bronchien schwelende Entzündung aufrecht. In der Folge produzieren sie viel zähen Schleim und sind anfällig für bakterielle Infektionen. Schließlich verengt sich ein Teil der Bronchien dauerhaft (Obstruktion), die Lungenbläschen nehmen Schaden. Die "innere Atemoberfläche" für den Gasaustausch verkleinert sich. Mehr und mehr verbleibt Luft beim Ausatmen in der Lunge, sodass sie überbläht wird (Emphysem, mehr dazu wiederum im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen"). Später leiden häufig auch die Lungengefäße (siehe Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße") und das Herz unter den Veränderungen.

    Symptome: Bei chronischer Bronchitis sind wiederholter Husten und Auswurf ein vorübergehendes Phänomen. Hat der Auswurf eine gelbe oder grüne Farbe, sind bakterielle Erreger am Werk. Kommt es über Jahre hinweg zu Husten und Auswurf,  zudem wechselnd stark (besonders morgens) von Atemnot begleitet, kann das auf eine obstruktive Form der Bronchitis hindeuten. Mal steht mehr die obstruktive Bronchitis mit Auswurf und Husten im Vordergrund, mal das Emphysem mit deutlich erschwerter Atmung bis Atemnot und eingeschränkter Belastbarkeit. Atemnot bei Belastung ist im Übrigen ein charakteristisches Symptom (auch) der COPD. Im weiteren Verlauf ist zunehmende Atemnot bei Belastung und in Ruhe möglich.

    Zum Nachlesen: Ratgeber "Chronische Bronchitis".
  • Bronchiektasen: Wenn größere Bronchien sich sackförmig erweitern, liegen Bronchiektasen vor. Ursache für die Aussackungen sind entzündungsbedingte Wandschäden. Bei Kindern beruhen sie auf angeborenen Erkrankungen wie Immunmangelkrankheiten oder Mukoviszidose (auch zystische Fibrose) mit ständigen Infekten. Im Laufe des Lebens "erworbene" Bronchiektasen sind ebenfalls Folge wiederholter Atemwegsinfekte, meist im Rahmen einer chronisch-obstruktiven Bronchitis beziehungsweise COPD (siehe oben) oder anderer Atemwegserkrankungen. Umgekehrt begünstigen Bronchiektasen wiederum wiederholte bakterielle Infektionen der Atemwege.

    Symptome:
    Im Vordergrund stehen Auswurf in großen Mengen (starke Verschleimung) und Husten. Auch Atemnot kann sich entwickeln. Ansonsten bestimmt die Grunderkrankung die Beschwerden, Diagnose und Therapie.
  • Mukoviszidose: Eine der häufigsten erblichen Stoffwechselerkrankungen ist die Mukoviszidose (zystische Fibrose). Verantwortlich sind eine Reihe von Veränderungen (Mutationen) im sogenannten CFTR-Gen. Die Abkürzung steht für engl. "Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator". Dabei geht es um defekte Kanäle an der Zelloberfläche, die für den Ein- und Ausstrom von Salz und Wasser zuständig sind (Chloridkanäle).

    Ein Neugeborenenscreening auf die Erbkrankheit ist inzwischen auch in Deutschland eingeführt. Ein Gentest, der die häufigsten Mutationen erfasst, ist zwar bereits pränatal möglich, wird aber nur in speziellen Situationen angewandt, etwa bei familiärer Belastung mit der Krankheit.

    Kennzeichnend für die Mukoviszidose ist, dass der Salztransport in den Zellen aller sekretbildenden Drüsen gestört ist, etwa der Schweißdrüsen, Verdauungsdrüsen oder der Schleimdrüsen in Bronchien, Nasen und Nasennebenhöhlen. Je nach Funktion des Sekretes wirkt sich das ganz unterschiedlich aus. In den Bronchien entsteht ausgesprochen zäher Schleim. Der Sekretstau und begleitende bakterielle Infektionen schädigen das Gewebe. Es können sackförmige Erweiterungen (Bronchiektasen, siehe oben) und ein Emphysem entstehen – lufthaltige Lungenabschnitte sind dann unterschiedlich stark überbläht (siehe oben und wiederum unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen" in diesem Beitrag).

    Symptome:
    Erste Anzeichen treten oft schon kurz nach der Geburt auf, etwa Verdauungs- und Gedeihstörungen (verlangsamte Ausscheidung des ersten Stuhls, dann übelriechende Fettstühle, Bauchschmerzen, Wachstumsverzögerung). Die betroffenen Kinder leiden auch deutlich häufiger an Atemwegsinfekten als gesunde Kinder. Der zähflüssige Bronchialschleim löst zudem ständig Hustenanfälle aus. Weitere Beschwerden hängen von der individuellen (genetisch geprägten) Verlaufsform des Krankheitsbildes ab. Die chronische Krankheit ist nicht heilbar, inzwischen aber über längere Zeit gut beherrschbar.

    Therapie: Durch eine umfassende, konsequente Therapie, am besten in Anbindung an ein erfahrenes Zentrum, erreichen die Betroffenen heute eine deutlich verbesserte Lebensperspektive. Bei bestimmten Genmutationen wirken Medikamente, die die Chloridkanäle beeinflussen (sogenannten CFTR-Modulatoren) und letztlich den Chloridtransport verbessern.

    Mehr über das Krankheitsbild im Ratgeber "Mukoviszidose".
  • Bronchiolitis: Hierbei entzünden sich die kleineren Bronchien (Bronchiolen) und können sich sogar verschließen. Auslöser, zum Beispiel bei Säuglingen (Frühgeborenen) und Kleinkindern, sind unmittelbare Infektionen mit bestimmten Viren wie zum Beispiel RS-Viren (respiratorische Synzytial-Virusinfektionen). Sie treten besonders im Winter und Frühjahr auf.

    Zigarettenrauch kann die Kleinen empfänglicher machen. Auch Erwachsene können die Infektion bekommen, ähnlich wie Kleinkinder vor allem bei bestimmten Vorerkrankungen, etwa einer Immunschwäche, bei Herzfehlern und Lungenerkrankungen. Dazu zählt bei Säuglingen und Kleinklindern unter anderem die Mukoviszidose (siehe oben). Die Therapie orientiert sich an den Symptomen und möglichen Grunderkrankungen.

    Symptome: Bei starken Beschwerden ist das Kind sicherheitshalber besser in einer Klinik aufgehoben. Warnsymptome in dieser Richtung sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, Einziehungen der Rippen beim Atmen, Husten mit anschließendem Erbrechen, Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung. Rufen Sie den Notarzt (Rettungsdienst: Notruf 112). Sonst droht eine mögliche weitere  Verschlechterung mit gefährlicher Austrocknung, Atemnot, bläulicher Verfärbung der Haut, Zunge und Mundschleimhaut, Apathie und lebensbedrohlichen Unterbrechungen beim Atmen.