Leukozytoklastische Vaskulitis

An den Unterschenkeln bilden sich punktförmige Rötungen, winzige Einblutungen oder tiefrote Knoten? Diese Symptome können auf eine Gefäßentzündung an der Haut hindeuten

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 15.11.2016
Leukozytoklastische Vaskulitis

Eine Vaskulitis geht von den Gefäßwänden aus und kann zum Beispiel an der Haut zu Rötungen führen. Auslöser können Krankheitserreger (blau) sein


Was ist eine leukozytoklastische Vaskulitis?

Eine Vaskulitis (lateinisch vas "Gefäß", vasculum "kleines Gefäß") ist eine Entzündung von Blutgefäßen. Unter einer Vaskulitis im engeren Sinne versteht man eine entzündliche Krankheit, die von den Gefäßwänden ausgeht. Die häufigste Form der Vaskulitis an der Haut ist die leukozytoklastische Vaskulitis.

Sie betrifft vor allem die mikroskopisch kleinen Venen, die das Blut aus den feinen Haargefäßen (Kapillaren) der Haut ableiten. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) vom Typ der neutrophilen Granulozyten wandern aus dem Blut in die Gefäßwände ein und zerstören diese. Wenn rote Blutkörperchen (Erythrozyten) aus den Gefäßen in die umgebende Haut austreten, werden punktförmige Einblutungen sichtbar.

Frau Angela Unholzer

Ursache: Wie die Gefäßentzündung entsteht

Die häufigste Ursache einer leukozytoklastischen Vaskulitis ist eine Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) des körpereigenen Abwehrsystems auf Bestandteile von Krankheitserregern oder auf Medikamente. Hierbei bildet das Immunsystem bestimmte Eiweißmoleküle (Antikörper), die an die Fremdstoffe binden: Es entstehen sogenannte Immunkomplexe aus Antikörpern und Fremdstoffen.

Wenn sich die Immunkomplexe an der Wand kleiner Blutgefäße ablagern, kommt es zu einer Immunkomplex-Vaskulitis. Diese wird auch leukozytoklastische Vaskulitis im engeren Sinn, Hypersensitivitätsvaskulitis oder Vaskulitis allergica genannt. Eine wichtige Sonderform der Vaskulitis allergica ist die Purpura Schoenlein-Henoch.

Neben der Immunkomplex-Vaskulitis sind Formen der leukozytoklastischen Vaskulitis bekannt, bei denen es zusätzlich zu den Immunkomplexen weitere Teilursachen gibt. Gelegentlich liegt auch eine ernste innere Krankheit zugrunde, wie zum Beispiel eine systemische Vaskulitis. Dies ist eine Entzündung der Blutgefäße, die verschiedene Organsysteme in Mitleidenschaft zieht.

Folgende Formen einer leukozytoklastischen Vaskulitis gibt es:

  • Immunkomplex-Vaskulitis = leukozytoklastische Vaskulitis im engeren Sinn = Hypersensitivitätsvaskulitis = Vasculitis allergica; Sonderform: Purpura Schoenlein-Henoch
  • Formen der leukozytoklastischen Vaskulitis mit weiteren Teilursachen zusätzlich zu Immunkomplexen:

        - Kryoglobulinämische Vaskulitis
        - Leukozytoklastische Vaskulitis im Rahmen von Kollagenosen wie Sjögren-Syndrom oder systemischem Lupus erythematodes sowie rheumatoider Arthritis
        - Leukozytoklastische Vaskulitis im Rahmen einer Behçet-Krankheit
        - Leukozytoklastische Vaskulitis im Rahmen einer systemischen Vaskulitis wie Wegener-Granulomatose, mikroskopische Polyangiitis oder Churg-Strauss-Syndrom

Bei einem Patienten mit einer leukozytoklastischen Vaskulitis veranlasst der Arzt je nach individueller Vorgeschichte verschiedene Untersuchungen. Diese dienen dazu, die genaue Form der Krankheit zu ermitteln, eine mögliche Beteiligung innerer Organe auszuschließen und die Ursachen abzuklären.

Die Therapie zielt darauf ab, den Auslöser zu beseitigen und eventuelle Grundkrankheiten zu behandeln. Im Falle einer unkomplizierten leukozytoklastischen Vaskulitis verordnet der Arzt meistens ein Kortisonpräparat (Glukokortikoid) in Form einer Salbe oder Creme. Zusätzlich empfiehlt es sich, die Unterschenkel mit elastischen Binden zu wickeln oder Kompressionsstrümpfe zu tragen. In schwereren Fällen muss der Patient zusätzlich für einige Tage ein Glukokortikoid als Tablette einnehmen.

Wichtig: Einblutungen in die Haut können zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um eine leukozytoklastische Vaskulitis. Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen!

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.