Leberzirrhose: Ursachen und Risikofaktoren

Viele Faktoren können der Leber das Leben schwer machen – und zur Ursache einer Leberzirrhose werden

aktualisiert am 26.06.2017

Alkohol im Übermaß kann auf Dauer zur Leberzirrhose führen


Eine Leberzirrhose ist die Folge einer vorangegangenen chronischen Lebererkrankung. Zu den häufigsten Ursachen zählen Alkoholmissbrauch und chronische Virushepatitis. Seltener als Auslöser sind erbliche Stoffwechselkrankheiten, immunbedingte Leberentzündungen oder Herzprobleme mit Blutstau in die Leber. Auch Medikamente oder andere chemische oder Natur-Stoffe können der Leber schaden und eine Zirrhose auslösen.

Alkoholmissbrauch

In den westlichen Industrieländern ist übermäßiger Alkoholgenuss für 50 bis 60 Prozent der Leberzirrhosen verantwortlich. Alkohol bewirkt die Bildung von giftigem Azetaldehyd und von gefährlichen Sauerstoffradikalen in der Leberzelle. Innere Gifte und fehlgeleitete Zellsignale bewirken schädliche Wechselwirkungen von Leber-, Gewebs- und Immunzellen im Organ. Ein Zeichen der Schädigung ist, dass nach Alkoholwirkung der Abbau von Fett behindert wird. Es lagert sich in den Leberzellen ab und verursacht eine sogenannte Fettleber. Zu viele Fettmoleküle zeigen den Zellschaden an. Die Leberzellen sterben ab, werden durch Bindegewebe ersetzt und eine Zirrhose entsteht.

Hepatitis

35 von 100 Leberzirrhosepatienten sind zuvor an einer von Viren übertragenen chronischen Hepatitis vom Typ B oder Typ C erkrankt. Die Entzündung der Leber kann die Zellen so weit schädigen, dass sie absterben und die Leber vernarbt. Viren gelangen in das Erbgut der Leberzellen und zwingen sie zu krankhaftem Verhalten. So werden sie weiter vermehrt und Leberkrebs kann entstehen.

Immunbedingte Entzündungen

Die Autoimmunhepatitis, eine chronisch-aggressive Hepatitis-Form, die zu Leberzirrhose führen kann, bekommen vor allem Frauen. Dabei richtet sich das Abwehrsystem (Immunsystem) des eigenen Körpers gegen die Leber und verursacht Entzündungen.

Eine chronische Entzündung der Gallengänge (Cholangitis) kann ebenfalls zur Zirrhose führen. Ursache ist auch hier häufig eine "falsche" Immunreaktion des Körpers. Dadurch bilden sich an den mittleren und größeren Gallengängen Narben, die den Abfluss der Gallenflüssigkeit behindern (Primär sklerosierende Cholangitis). Gleichzeitig gehen die Gallengänge langsam zugrunde. Da Gallensaft in der Leber produziert wird und anschließend über die Gallengänge in den Darm und die Gallenblase fließt, kann es zu einem "Gallenstau" kommen, wenn die Gänge nicht mehr frei sind. In der Folge entzündet sich die Leber und es bildet sich eine Zirrhose.

Eine fortschreitende Entzündung der kleinen Gallengänge kann diese schädigen oder sogar zerstören. Damit verursachen sie eine besondere Form der Leberzirrhose, die sogenannte primär biliäre Zirrhose, die meist Frauen betrifft.

Stoffwechselkrankheiten

Viele vererbbare Stoffwechselstörungen können Auslöser einer Leberzirrhose sein. Patienten mit der Erbkrankheit Mukoviszidose haben zum Beispiel ein erhöhtes Risiko an einer Leberzirrhose zu erkranken. Denn wie der Schleim in den Bronchien wird auch die Galle bei Mukoviszidose-Patienten zähflüssiger, kann schlechter abtransportiert werden und so das Lebergewebe schädigen.

Ein weiterer erblicher Stoffwechseldefekt ist das Laurell-Eriksson-Syndrom (Alpha-1-Antitrypsinmangel). Alpha-1-Antitrypsin hemmt über mehrere Zwischenschritte die Spaltung bestimmter Eiweiße im Körper. Fehlt das Protein, so kann es zu einer Leberzirrhose und einer Lungenüberblähung mit Schädigung der Lungenbläschen (Emphysem) kommen.

Bestimmte Defekte beim Abbau von Eiweißen führen dazu, dass sich in der Leber Eisen (Hämochromatose, Eisenspeicherkrankheit) oder Kupfer (Morbus Wilson, Kupferspeicherkrankheit) ablagern. Die eingelagerten Stoffe schädigen die Leberzellen, die daraufhin zugrunde gehen.

Weitere Ursachen

Viele Chemikalien, wie sie zum Beispiel in Lösungsmitteln vorkommen, oder das Gift des Knollenblätterpilzes, führen zu starken Leberschäden. Zudem können bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten die Leber angreifen und bei längerer Einnahme eine Zirrhose verursachen. Leider sind auch in einer Anzahl von Naturheilstoffen Leber-schädigende Bestandteile enthalten.

Bei einer chronischen Rechtsherzschwäche pumpt die rechte Herzkammer zu schwach. Blut staut sich in der unteren Hohlvene und zurück in die Leber. In solch einer Stauungsleber wird das Gewebe zerstört und eine Zirrhose ist die Folge.

Thrombosen oder Tumore können die Lebervenen verstopfen (Budd-Chiari-Syndrom) und Störungen der Blutversorgung verursachen. Dadurch wird das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt, die Zellen sterben ab und es kann sich eine Zirrhose ausbilden.

Während Alkohol in den westlichen Ländern die Hauptursache einer Leberzirrhose ist, sind es in tropischen Gebieten Saugwürmer, die die leberschädigende Infektionskrankheit Bilharziose auslösen und damit auch die Gefahr einer Leberzirrhose mit sich bringen. Die Eier dieser Parasiten können in den Blutgefäßen und Organen erheblichen Schaden anrichten.