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Röteln-Antikörper: Abwehr gegen Rubella-Viren

Röteln-Antikörper sind Eiweißstoffe, die das Immunsystem immer dann produziert, wenn ein Mensch mit dem sogenannten Rubella-Virus in Kontakt kommt

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 30.03.2017
Röteln

Der Rubella-Virus verursacht unter anderem einen Hautausschlag


Kurz gesagt:

Die Bestimmung der Röteln-Antikörper hat vor allem für Frauen Bedeutung, die schwanger sind oder schwanger werden möchten. Die Konzentration der Röteln-Antikörper IgG und IgM gibt Hinweise darauf, ob eine Immunität gegen Röteln besteht oder auch, ob die Patientin aktuell an Röteln leidet.

Wann bildet der Körper Röteln-Antikörper?

Der Körper bildet Röteln-Antikörper, wenn er sich mit dem Rubella-Virus, dem Erreger der Röteln infiziert hat, oder aber, wenn er gegen die Krankheit geimpft wurde. Die auch als Immunglobuline bezeichneten Antikörper dienen dazu, die Viren zu bekämpfen und zu zerstören.

Welche Arten von Antikörpern gibt es?

Mediziner unterscheiden zwei Typen von Röteln-Antikörpern: Hat die körpereigene Abwehr zum ersten Mal Kontakt mit dem Röteln-Virus, stellt sie zunächst Immunglobulin M-(IgM)Antikörper her. Nach einigen Wochen sinkt deren Spiegel im Blut wieder ab. In dieser Zeit wird aber ein anderes Immunglobulin, das IgG, gebildet, das fortan die Bekämpfung des Krankheitserregers übernimmt. Gerät der Mensch zum zweiten Mal in Kontakt mit dem Röteln-Virus, produziert das Immunsystem sofort IgG-Antikörper in großer Menge. Diese verhindern in aller Regel von vornherein, dass der Mensch erneut an Röteln erkrankt. IgM-Antikörper werden dann nur noch in verschwindend kleinen Mengen hergestellt.

Diese Reaktion, die Immunität gegen die Röteln verleiht, läuft auch dann ab, wenn der erste Kontakt mit Rubella-Viren bei einer Impfung stattgefunden hat. Anhand der Konzentration der IgM- und der IgG-Antikörper im Blut können Ärzte also beurteilen, ob ein Patient unter einer akuten Röteln-Infektion leidet oder ob er gegen die Viren geschützt ist.

Welche Symptome und Komplikationen machen Röteln?

Hautausschlag, etwas Fieber, eventuell Kopf- und Gliederschmerzen – die Kinderkrankheit Röteln bereitet in der Regel nur leichte, grippeähnliche Beschwerden, die nach ein paar Tagen wieder abklingen. Rund 50 Prozent der infizierten Kinder und etwa 20 bis 30 Prozent der infizierten Erwachsenen haben sogar überhaupt keine Symptome und bemerken deshalb nicht einmal, dass sie sich mit dem Rubella-Virus angesteckt haben. Für die meisten gesunden Menschen sind die Röteln also relativ harmlos.
Eine große Ausnahme sind werdende Mütter. Denn vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kann eine Rötelninfektion schwerwiegende Konsequenzen für das Ungeborene haben. Das Virus gelangt über die Plazenta in das Kind und kann seine Entwicklung beeinträchtigen. Zu den möglichen Folgen gehören Fehl- und Frühgeburten sowie verschiedene Fehlbildungen – von Herzfehlern, über eine Trübung der Augenlinse bis hin zu Schwerhörigkeit.

Wann werden Röteln-Antikörper bestimmt?

Die Bestimmung der Röteln-Antikörper ist fester Bestandteil der gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschaftsvorsorge. Die Untersuchung sollte bei allen schwangeren Frauen durchgeführt werden, die nicht erwiesenermaßen zweimal gegen die Krankheit geimpft wurden. Ganz generell kann der Arzt mit dem Test feststellen, ob eine Person unter einer akuten Röteln-Infektion leidet oder ob sie vor dem Virus geschützt ist – sei es durch eine frühere Ansteckung oder durch die Impfung.

Idealerweise werden die Röteln-Antikörper bereits bestimmt, wenn eine Frau ein Kind bekommen möchte, aber noch nicht schwanger ist. Besteht der Verdacht, dass eine Schwangere mit dem Röteln-Virus Kontakt hatte und sie keine ausreichende Immunität besitzt, sollte der Test unverzüglich gemacht werden. Darüber hinaus ermitteln Ärzte die Antikörper-Spiegel im Blut bei Babys mit Fehlbildungen, die durch eine Rötelninfektion im Mutterleib bedingt sein könnten. Normalerweise nicht notwendig ist die Untersuchung bei Kindern und Erwachsenen mit einer erkennbaren Rötelninfektion. Und auch zur Kontrolle des Impfschutzes bei gesunden Menschen werden die Antikörper üblicherweise nicht bestimmt.

Wie werden Röteln-Antikörper bestimmt?

Lange Zeit war der sogenannte Hämagglutinationshemmtest (HAH-Test) das Standardverfahren zum Nachweis, ob im Blut eines Menschen Antikörper gegen das Röteln-Virus vorhanden sind. Er basiert auf der Fähigkeit von Viren, an Strukturen auf der Oberfläche von roten Blutkörperchen zu binden und diese so verklumpen zu lassen. Befinden sich aber Antikörper gegen das Virus im Blut, wird dieser als Hämagglutination bezeichnete Vorgang gehemmt. Damit der Arzt eine Aussage über den Antikörperstatus seines Patienten machen kann, wird das Blut seines Patienten beim HAH-Test verdünnt. Die Verdünnung, bei der es gerade noch zu einer Hemmung der Hämagglutination kommt, bezeichnet man als Antikörpertiter. Liegt der Titer bei 1:8, ist die Menge an Antikörpern zu gering, um vor einer Rötelninfektion zu schützen. Er sollte nach Möglichkeit höher liegen, also zum Beispiel bei 1:32.

Allerdings besitzt der HAH-Test gewisse Schwächen. Deshalb hat der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss die Mutterschaftsrichtlinie 2012 dahingehend geändert, dass zur Bestimmung des Antikörperspiegels auch andere Testverfahren benutzt werden dürfen. Solche modernen Analysemethoden wie der sogenannte ELISA ermöglichen es, die Antikörperkonzentration im Blut quantitativ zu bestimmen und haben den Hämagglutinationshemmtest inzwischen weitgehend ersetzt.

Was bedeuten die Testergebnisse?

Liegt der Spiegel der IgG-Antikörper unter einem bestimmten Grenzwert, bedeutet das, dass die getestete Person nicht vor einer Rötelninfektion geschützt ist. Die Höhe dieses Grenzwerts variiert allerdings von Hersteller zu Hersteller.

Bei manchen ELISA-Tests sind es 10 IU/ml Blut, bei anderen 15 IU/ml. Deshalb muss der Referenzbereich des verwendeten Tests im Laborbefund mit angegeben werden.

Wenn der Test auf IgG-Antikörper positiv – also auffällig – ist und gleichzeitig keine IgM-Antikörper nachgewiesen werden können, hat der Untersuchte entweder schon einmal Röteln gehabt, oder er wurde erfolgreich gegen die Krankheit geimpft. Bei einem positiven Ergebnis des IgM-Tests besteht der dringende Verdacht auf eine akute Infektion mit dem Rubella-Virus. Dies gilt insbesondere, wenn die betroffene Person Symptome der Krankheit zeigt oder mit einem Röteln-Patienten Kontakt hatte.

Allerdings kann der IgM-Test auch falsch-positive Resultate liefern. Um die Diagnose akute Rötelninfektion zu sichern, sollte der Arzt einen positiven Test auf IgM-Antikörper deshalb mit einem anderen Testverfahren bestätigen. Ein negativer IgM-Test schließt eine akute Röteln-Erkrankung nicht aus, da die Antikörper nach der Ansteckung erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung ansteigen. Im Zweifelsfall sollte der Test deshalb nach einigen Tagen wiederholt werden. Werden im Blut eines Neugeborenen Röteln-IgM gefunden, gilt es als nachgewiesen, dass sich das Kind im Mutterleib mit dem Virus infiziert hat.

Bakteriologie

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. rer. nat. Udo Reischl, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universitätsklinikum Regensburg (UKR)