{{suggest}}


Digoxin: Kontrolle der Herzbehandlung

Digoxinhaltige Medikamente kommen bei der Behandlung verschiedener Herzerkrankungen zum Einsatz. Der Arzt kann den Digoxin-Serum-Spiegel bestimmen lassen

aktualisiert am 30.03.2017
Wolliger Fingerhut

Der wollige Fingerhut (Digitalis lanata) enthält Digoxin


Kurz gesagt:

Digoxinhaltige Medikamente werden zur Behandlung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und von bestimmten Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Der Arzt bestimmt den Digoxin-Spiegel zum Beispiel bei Verdacht auf eine Überdosierung.

Was ist Digoxin?

Digoxinhaltige Medikamente zählen zur Gruppe der Herzglykoside, bekannt auch unter dem Namen Digitalisglykoside. Der Arzt verordnet sie manchmal zur Behandlung der Herzinsuffizienz oder von bestimmten Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag.

Bei Digitalisglykosiden liegen eine therapeutisch wirksame und eine zu hohe giftige (toxische) Dosis nahe beieinander ("geringe therapeutische Breite"). Mögliche Nebenwirkungen einer Überdosierung sind Herzrhythmusstörungen, Farbsehstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie ein zu langsamer Herzschlag.

Deshalb bestellt der Arzt den Patienten regelmäßig zur Therapiekontrolle. Die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma ("Digitalis-Spiegel") wird nur gemessen, wenn der Verdacht auf Überdosierung besteht. So kann der Arzt eine zu hohe Konzentration erkennen und durch eine Minderung der Dosis gefährlichen Nebenwirkungen vorbeugen.

Welcher Wert ist normal?

Digoxin ist kein körpereigener Stoff. Es gibt daher keinen "Normalwert", sondern nur einen "therapeutischen Bereich". Darunter versteht man einen Zielkorridor, innerhalb dessen man den Patienten therapeutisch einstellen möchte.

Die Angaben der verschiedenen Labore zum therapeutischen Bereich sind unterschiedlich und liegen meist zwischen 0,6 bis 1,2 µg/l und 0,8 bis 2,0 µg/l. Aber auch innerhalb des therapeutischen Bereichs sind toxische Nebenwirkungen möglich. Diese entstehen dadurch, dass die Spiegel im Blut nicht unbedingt die Spiegel im Gewebe wiedergeben. Eine besondere Empfindlichkeit auf Digoxin besteht zum Beispiel bei älteren Patienten, bei Herzmuskelentzündung, schwerer Herzschwäche und bei mangelnder Sauerstoffversorgung aufgrund chronischer Atemwegserkrankungen – oder auch bei Elektrolytverschiebungen im Blut oder den Geweben.

Letztlich ist es Aufgabe des behandelnden Arztes, den Zielbereich individuell festzulegen.

Wann steigt der Wert?

Werte oberhalb des therapeutischen Zielbereichs weisen auf eine zu hohe Dosis hin. Da Digoxin über die Nieren ausgeschieden wird, neigen besonders Patienten mit einer Einschränkung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) zu einer höheren Konzentration. Der behandelnde Arzt kann dann die verordnete Dosis entsprechend anpassen. Die verwandte Substanz Digitoxin hat ähnliche Wirkungen am Herzen wie Digoxin, wird aber eher über die Leber ausgeschieden.

Wann ist der Wert zu niedrig?

Zu niedrige Dosen oder eine unregelmäßige Einnahme des Medikaments können zu einer zu niedrigen Konzentration führen. Dadurch bleibt der gewünschte therapeutische Effekt aus.

Roter Fingerhut

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München