Blutgruppen: A, B, AB, 0, positiv und negativ

Die Struktur der roten Blutkörperchen bestimmt die Blutgruppe. Die wichtigsten Blutgruppeneigenschaften für Bluttransfusionen sind das AB0- und Rhesus-System

von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 30.03.2017
Häufigkeit der Blutgruppen

Die häufigste Blutgruppe in Deutschland ist die Blutgruppe A


Das Wichtigste zu Blutgruppen:

Die AB0-Blutgruppe ist ein individuelles Merkmal der roten Blutkörperchen. Die roten Blutkörperchen können in ihrer Membran die Antigene A und/oder B enthalten, oder sie enthalten gar keine Antigene (Blutgruppe 0). Die Blutgruppe lässt sich jedoch auch am Blutserum erkennen, denn jede Blutgruppe zeichnet sich durch bestimmte Antikörper aus, die frei im Blut schwimmen. Jede Blutgruppe enthält nur Antikörper gegen fremde Blutgruppen. Beispiel: Blutgruppe A (Antigene "A" auf den roten Blutzellen) enthält nur Antikörper gegen Blutgruppe B (Anti-B). Bei Bluttransfusionen ist es wichtig, dass Blutspender und Empfänger dieselben Blutgruppen haben – ansonsten würde das Blut verklumpen.

Was heißt "Blutgruppe"?

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind ringförmige Zellen, die Sauerstoff und Kohlendioxid durch die Blutbahnen tragen. Die "Hülle" der roten Blutkörperchen nennt sich "Membran". In dieser Membran stecken viele unterschiedliche Eiweiße. Diese Eiweiße, die den roten Blutkörperchen eine bestimmte Oberflächenstruktur verleihen, werden auch "Antigene" genannt. Die "Blutgruppen-Eiweiße" A und B sind ebenfalls solche Antigene.

Für die AB0-Blutgruppe unterscheidet man die Eigenschaft A, B, AB und 0 (Null). Menschen mit der Blutgruppe "0" haben keines dieser Blutgruppenantigene auf der Oberfläche ihrer roten Blutkörperchen. Bei Menschen mit der Blutgruppe "AB" sind beide Eiweiße (A und B) in der Erythrozytenmembran enthalten. Bei Blutgruppe "A" ist nur das Antigen "A" vorhanden, bei der Blutgruppe "B" nur das Antigen "B".

Was sind Blutgruppen-Antikörper?

Die Blutgruppe lässt sich nicht nur an den roten Blutzellen, sondern auch allein am Blutserum, also an der Blutflüssigkeit ohne rote Blutzellen, erkennen. Denn im Blut schwimmen von Natur aus spezielle Eiweiße, sogenannte "Blutgruppen-Antikörper". Sie sind Y-förmig aufgebaut und können sich mit passenden Antigenen verbinden. Damit das eigene Blut nicht durch Antigen-Antikörper-Verbindungen verklumpt, enthält das Blut keine Antikörper gegen die eigene Blutgruppe, jedoch Antikörper gegen fremde Blutgruppen.

Das bedeutet:

  • Bei der Blutgruppe "A" enthält das Blut Antikörper gegen die Blutgruppe "B" (Anti-B).
  • Die Blutgruppe "B" zeichnet sich durch Antikörper gegen die Blutgruppe "A" aus (Anti-A).
  • Menschen mit der Blutgruppe "0" haben in ihrem Blut sowohl Antikörper gegen Blutgruppe A als auch gegen Blutgruppe B (Anti-A-Antikörper und Anti-B-Antikörper).
  • Bei der Blutgruppe "AB" sind keine Antikörper gegen Blutgruppe A oder B vorhanden.

Die Blutgruppen-Antikörper gehören zu den so genannten "Immunglobulinen M (IgM)". Sie sind ein ganzes Leben lang im Blut vorhanden. Bei Schwangeren können sie die Plazenta nicht durchqueren. Daher ist es nicht schädlich, wenn das Baby im Bauch der Mutter eine andere AB0-Blutgruppe hat als sie selbst. (Allerdings können unterschiedliche "Rhesus-Eigenschaften" Probleme bereiten, siehe unten.)

Wie wird die AB0-Blutgruppe vererbt?

Die Blutgruppe wird von den Eltern an ihre Kinder vererbt. Jedes Kind erhält ein Blutgruppenmerkmal vom Vater und eines von der Mutter. Genau genommen lassen sich die Blutgruppen noch weiter einteilen. Blutgruppe "A" bedeutet, dass die Person die Blutgruppe "A0" (mischerbig) oder "AA" ("reinerbig") haben kann. Die Blutgruppe "B" kann sich als "B0" oder "BB" zeigen. Die Blutgruppe "0" ist allerdings immer "reinerbig", also "00". Die Antigene "A" und "B" sind dominant – sie setzen sich immer durch. Die Blutgruppe "AB" wird als "mischerbig" bezeichnet.

Was passiert bei einer Bluttransfusion? Was ist ein "Bedside-Test"?

Wenn ein Patient Blut von einem anderen Menschen erhält (Bluttransfusion), testet zusätzlich auch der Arzt direkt vor der Transfusion, ob sich das Blut des Patienten (Empfängers) mit dem Blut des Spenders wirklich verträgt. Ein Patient verträgt nur das Blut eines Spenders, der eine zu ihm passende Blutgruppe hat. Ansonsten drohen schwere Erkrankungen bis hin zum Tod. Der sogenannte "Bedside-Test", also der Test direkt am Bett des Patienten, soll sicherstellen, dass Spender- und Empfängerblut zusammenpassen.

Was heißt Rhesussystem? Was bedeutet das "Plus" oder "Minus" hinter der Blutgruppenbezeichnung?

Neben dem Blutgruppensystem "AB0" gibt es noch weitere, darunter das "Rhesussystem". Die Erythrozyten Rhesus-positiver Menschen tragen auf ihrer Oberfläche ein "D-Antigen" (Rhesusfaktor "D"). Rhesus-negative Menschen haben dieses Antigen nicht. Mediziner kennzeichnen eine Rhesus-positive Blutgruppe mit "+" und eine Rhesus-negative Blutgruppe mit "-". So bedeutet zum Beispiel die Bezeichnung "Blutgruppe 0+", dass es sich um die "Blutgruppe 0, Rhesusfaktor positiv" handelt.

Welche Rolle spielt der Rhesusfaktor in der Schwangerschaft?

Anders als beim AB0-System enthält das Blut von Rhesus-negativen Menschen normalerweise keine Antikörper gegen das Rhesusmerkmal D. Diese "D-Antikörper" können sich bei Rhesus-negativen Menschen jedoch bilden – nämlich dann, wenn das Rhesus-negative Blut mit Rhesus-positivem Blut in Berührung kommt. Dieser Mechanismus kann bei Schwangeren eine wichtige Rolle spielen.

Normalerweise sind die Blutkreisläufe von Mutter und Kind in der Schwangerschaft voneinander getrennt. Bei medizinischen Eingriffen oder bei der Geburt kann das Blut des Kindes mit dem Blut der Mutter in Berührung kommen. Wenn eine Rhesus-negative Schwangere ein Rhesus-positives Kind austrägt, dann führt ein Kontakt mit dem Blut des Kindes dazu, dass die Schwangere Antikörper gegen das Blut des Rhesus-positiven Kindes produziert. Das passiert relativ langsam und führt bei einer ersten Schwangerschaft üblicherweise noch nicht zu Problemen. Wird die Rhesus-negative Mutter jedoch erneut schwanger mit einem Rhesus-positiven Kind, dann führt ein erneuter Blutkontakt sehr schnell zur Bildung von Antikörpern bei der Mutter. Denn die Mutter ist vom ersten Kind "sensibilisiert", das heißt, ihr Immunsystem hat Gedächtniszellen gebildet. Da die D-Antikörper Immunglobuline vom Typ G sind (IgG-Immunglobuline), können sie leicht durch die Plazenta in das Blut des Kindes wandern. Dort zerstören die D-Antikörper der Mutter das Blut des Kindes. Dies kann schlimmstenfalls zu Missbildungen oder zum Tod des Kindes führen.

Rhesus-Prophylaxe in der Schwangerschaft

Damit oben beschriebener Fall nicht eintritt, erhält jede Rhesus-negative Mutter in der 28. bis 30. Schwangerschaftswoche eine "Rhesus-Prophylaxe".  Der Frauenarzt spritzt der Mutter eine kleine Menge D-Antikörper ins Blut. Diese Menge ist so klein, dass sie für das Kind keine Gefahr bedeutet. Der Körper der Mutter erhält jedoch die Information: "Es sind schon D-Antikörper vorhanden." Daher bildet die Mutter von sich aus keine weiteren 
D-Antikörper. Eine "Sensibilisierung" bleibt somit aus. Die D-Prophylaxe wird innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt wiederholt.

Der umgekehrte Fall, also eine Rhesus-positive Mutter trägt ein Rhesus-negatives Kind aus, führt zu keinen Problemen – weder beim Kind noch bei der Mutter.

Auch die Transfusion Rhesus-positiven Blutes an einen Rhesus-negativen Patienten kann zur Bildung von D-Antikörpern führen. Deshalb ist sie bei gebärfähigen Frauen zu vermeiden, es sei denn, sie ist alternativlos und lebensnotwendig.

Welche Blutgruppen sind häufig?

37 Prozent der Menschen in Deutschland haben die Blutgruppe "A+". Etwa 35 Prozent tragen die Blutgruppe "0+".  Die Blutgruppe "B+" kommt bei 9 Prozent der Menschen in Deutschland vor, die Blutgruppe "A-" und "0-" bei jeweils 
6 Prozent. Am seltensten findet man die Blutgruppen "AB+" mit 4 Prozent, "B-" mit 2 Prozent  und "AB-" mit 1 Prozent.  

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Michael Spannagl, Labor für Immungenetik und molekulare Diagnostik, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München