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Ambulante Krebstherapie: Apotheken helfen

Viele Patienten nehmen ihre Medikamente zu Hause ein. Apotheker können sie dabei unterstützen

von Barbara Kandler-Schmitt, 26.07.2019
Beratungsgespräch

Gut beraten: Monika Hampel, Fachapothekerin für klinische Pharmazie und Onkologie aus Wesseling


Eigentlich klingt es ganz einfach: Der Krebspatient bekommt ein Rezept vom Onkologen, das er in der Apotheke einlöst. Und anstatt in der Praxis am Tropf zu hängen, nimmt er zu Hause Tabletten ein.

Neben den offensichtlichen Vorteilen gibt es aber auch Risiken: Orale Krebsmedikamente sind hochwirksame Arzneimittel mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen (siehe unten). "Die Patienten sparen Zeit, müssen aber mehr Eigenverantwortung entwickeln", betont Professor Frank Gieseler, Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Damit die Medikamente richtig wirken, müsse sich der Patient genau an die Hinweise des Arztes halten. "Und da Betroffene weniger Kontakt zum behandelnden Arzt haben, ist die Unterstützung durch Apotheken umso wichtiger."

Hautprobleme

Nebenwirkungen  sind in der Regel ein Hinweis, dass das ­Medikament wirkt, können aber sehr belasten. "Allerdings ­kommen Übelkeit und Haarausfall bei der oralen Krebstherapie deutlich ­seltener vor als bei Infusionslösungen", sagt Onkologe Gieseler.

Hautprobleme wie Juckreiz und Trockenheit, wie sie auch bei chronisch-­­entzündlichen Hauterkrankungen auftreten, sind dagegen bei den oralen Zytostatika deutlich häufiger. "Apotheker können die Patienten mit einer auf deren Bedürfnisse zugeschnittenen dermopharmazeutischen Hautpflege unterstützen", sagt Gieseler.

Gründliche Mundhygiene

Um schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut zu vermeiden, rät Monika Hampel, Fachapothekerin für Klinische Pharmazie und Onkologie aus Wesseling, zu einer gründlichen Mundhygiene mit milder Zahnpasta, weicher Zahnbürste und nicht reizenden Mundspüllösungen. "Mindestens genauso wichtig ist es, viel zu trinken."

Die Therapie wird oft durch komplizierte Einnahmevorschriften erschwert. "Eine Datenbank der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) hilft Apothekern beim Erstellen individueller Therapiepläne", sagt Expertin Hampel.

Ernährung bei Übelkeit

Bei Übelkeit helfen oft einfache Ernährungstipps: "Schwer verdauliche, stark gewürzte und intensiv riechende Speisen sind wenig geeignet", sagt Apothekerin Hampel. Stattdessen sollte der Patient mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen und zwischendurch zu Obst und Knabbereien greifen.

Bei stärkeren Beschwerden verordnet der Arzt in der Regel sogenannte Antiemetika. "Kein Krebspatient muss heute noch Übelkeit aushalten", betont Onkologe Gieseler. Zudem kann diese oft zu starker Gewichtsabnahme führen, was den Patienten zusätzlich schwächt.

Ausgewogene Ernährung

Um stärkere Gewichtsverluste zu vermeiden, empfiehlt sich energie- und nährstoffreiche Trinknahrung. "Krebspatienten sollten aber nicht ohne ärzt­­lichen Rat zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen", betont Hampel. "Diese haben keinen gesicherten Nutzen und können sogar schaden." Eine ausgewogene Ernährung sei auch bei Krebs sehr wichtig.

Auf dem Laufenden über die komplizierte Zytostatikatherapie halten sich viele Apotheker durch regelmäßige Fortbildungen der DGOP.

Chronisch müde

Als besonders belastend empfinden viele Krebspatienten die sogenannte Fatigue: chronische Müdigkeit, die mit depressiven Verstimmungen einhergeht. "Leider kann man nicht viel da­gegen tun", bedauert Experte Gieseler.

Monika Hampel rät Betroffenen, sich trotz Müdigkeit regelmäßig zu einem Spaziergang aufzuraffen: "Durch die Bewegung an der frischen Luft geht es ihnen oft deutlich besser."

Bei depressiven Verstimmungen greifen viele Patienten zu rezeptfreien Johanniskrautpräparaten. Doch diese schwächen die Wirkung mancher Zytostatika ab. Solche Wechselwirkungen sind immer möglich, wenn Krebspatienten weitere Medikamente einnehmen.

"Der Apotheker sollte die Medikation überprüfen und auf problematische Kombinationen aufmerksam machen", sagt Gieseler. "Bei der oralen Krebstherapie müssen Arzt und Apotheker intensiv zusammenarbeiten."